Kreislaufwirtschafts-Pilotprojekt

Manuel Pestalozzi
13. November 2023
Das neue Quartier entsteht bei der Einmündung eines Kanals in die Rathauswettern. Zu erkennen ist die alte Brücke der Wilhelmsburger Reichsstraße, die in das Projekt integriert wird. (Visualisierung: © Behnisch Architekten/Moka-Studio)

Das Wilhelmsburger Rathausviertel soll das neue Herz des geplanten Stadtteils der IBA Hamburg werden, mit dem namensgebenden Rathaus und dem Bürgerhaus Wilhelmsburg, Studierendenwohnungen, Gewerbeflächen, Sporteinheiten und neuen Kindertagesstätten. Prägend für das Quartier sind die Wettern (Entwässerungsgraben) sowie die neue Landschaftsachse, die vom Wilhelmsburger Inselpark, Hamburgs jüngstemVolkspark, entlang der Rathauswettern bis zum Ernst-August-Kanal führen soll und Raum fürs Radfahren, Flanieren und Verweilen bietet. Ein wichtiges Element ist die alte, aufgehobene Wilhelmsburger Reichsstraße, die von der Stadt gekauft wurde und deren Trasse ins neue Quartier integriert wird.

Das vorliegende Projekt soll bei der Mündung des Elsa-Bromeis-Kanals in die Rathauswettern realisiert werden. Es ist Teil des EU-Projekts »Circular Construction in Regenerative Cities« (CIRCuIT). Die fundierte Forschung zu einer neuen Recyclingbeton-Rezeptur, die aus dem CIRCuiT Projekt hervorgeht, soll bei der Realisierung des Projekts in Wilhelmsburg zur Anwendung kommen. Behnisch Architekten präsentieren mit einem im Innen- und Außenraum stringent durchdachten Entwurf nicht nur eine gute Ausarbeitung der räumlichen Qualitäten, sie bemühen sich auch um die »Verwendung der richtigen Materialien für den richtigen Zweck«, wie sich Otto Wulff ausdrückt. Die materialeffiziente und zirkuläre Konstruktion, die Kreislauffähigkeit der Materialien sowie die geschickte Erschließung versprechen eine Verringerung des Betoneinsatzes und dadurch die Minimierung des CO2-Fußabdrucks des Quartiers. Exemplarisch für die hohe Qualität des Entwurfs steht auch das Konzept der »Switch-Wohnungen«. Behnisch Architekten kommen mit ihrem Konzept nach der Überzeugung von Otto Wulff dem realen Bedarf entgegen und ermöglichen durch eine flexible Raumtrennung eine lange Nutzungsdauer der Wohnungen. Eine 4-Zimmer-Wohnung lässt sich in zwei 2-Zimmer-Wohnung verwandeln. So schafft der Entwurf eine Anpassungsfähigkeit der zukünftigen Wohnräume an die individuelle Lebensgestaltung je nach Alter und Bedarf der Bewohner*innen. Voraussichtlich im zweiten Quartal 2024 wird die Vorweggenehmigungsreife für den Bebauungsplan Wilhelmsburg 91 erwartet. Im nächsten Schritt stellt die IBA die Hochbaureife her, sodass im Anschluss eine Baugenehmigung erwirkt werden kann.

Die Überbauung entsteht westlich der neuen Bundesstraße 75 und erstreckt sich beidseits der Trasse der alten Wilhelmsburger Reichsstraße. (Foto: IBA Hamburg)

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