«FRAU ARCHITEKT»

 Carsten Sauerbrei
2. October 2017
Almut Grüntuch-Ernst (Grüntuch Ernst Architekten) ist eine der 22 porträtierten Architektinnen. (Bild: Grüntuch Ernst Architekten / Edgar Rodtmann)
Noch bis zum 8. März kommenden Jahres erzählt die Ende letzter Woche eröffnete Ausstellung «FRAU ARCHITEKT» im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt die Architekturgeschichte aus der Perspektive von 22 Frauen neu.
Mehr als 100 Jahre sind vergangen, seitdem mit Emilie Winkelmann 1907 in Berlin die erste Frau ihr eigenes Architekturbüro in Deutschland gründete. Heute studieren deutlich mehr Frauen Architektur als Männer. Und doch sind Frauen im Architekturberuf und in der Architekturgeschichtsschreibung immer noch unterrepräsentiert. So beschäftigten sich von den rund 370 Ausstellungen, die seit der Gründung des Deutschen Architekturmuseums im Jahre 1984 auf dem Programm standen, etwa 100 Ausstellungen mit einzelnen Architekten. Dagegen zeigten nur vier das monografische Werk von Architektinnen, so das DAM. Daher habe man dieses Missverhältnis zum Anlass genommen, mit der Ausstellung «FRAU ARCHITEKT» den Blick erstmals insgesamt auf Architektinnen in ganz Deutschland zu richten.
Das Leben der Architektin Iris Dullin-Grund wird stellvertretend für Architektinnen in der DDR in der Ausstellung präsentiert. (Bild: DAM, Titelblatt Die Frau von Heute, 1961, Nr. 40)
Die Ausstellung stellt 22 Frauen vor, die die deutsche Architektur seit 1900 maßgeblich beeinflusst haben oder bis in die heutige Zeit prägen. Den Bogen spannt Kuratorin Mary Pepchinski dabei von den ersten Architektinnen und Architekturstudentinnen am Anfang des 20. Jahrhunderts quer über die gesamte deutsche Geschichte hinweg bis in unsere Gegenwart. Analog zu der von Brüchen geprägten Geschichte porträtiert sie mit der Ausstellung ein breites soziales, gesellschaftliches und politisches Spektrum bedeutender Architektinnen von der von der Moderne beseelten Pionierin oder der Frauenbewegten und überzeugten Feministin bis hin zur erfolgreichen Unternehmerin oder auch prominenten Nationalsozialistin.
Therese Mogger war eine der ersten Architekturstudentinnen in Deutschland. (Bild: Uwe Dettmar, Portrait von Karla Lehr um 1930)
In der Ausstellung kommen neun Architektinnen stellvertretend und beispielhaft auch selbst in Filmen zu Wort. Zeitzeuginnen wie die langjährige Stadtarchitektin von Neubrandenburg Iris Dullin-Grund oder Ingeborg Kuhler, die 1984 als erste Entwurfsprofessorin an eine deutsche Architekturfakultät berufen wurde, gehen auf Fragestellungen ein, die Frauen in der Architektur bis heute, möglicherweise gerade heute bewegen. Ergänzt wird der dringend notwendige und bisher vernachlässigte Blick auf Frauen in der deutschen Architektur durch eine kleine Präsentation von Plänen und Zeichnungen zu einem nicht realisierten Entwurf von Zaha Hadid, einem umfangreichen Rahmenprogramm und den im Tübinger Wasmuth-Verlag erschienenen Katalog.

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