Architektur für Studenten

Max Dudler
5. January 2022
Straßenansicht – Blick von Westen. Der Turm verjüngt sich alle vier Normgeschosse um eine Achse. (Foto: Stefan Müller)

In Hannover-Hainholz haben Max Dudler Architekten das Studentenwohnheim ‚Hainbase‘ fertiggestellt. Max Dudler erläutert die Projektgeschichte und beantwortet unsere Fragen zum Neubau.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Das Studentenwohnheim ‚Hainbase‘ in Hainholz im Norden von Hannover ist Teil der Wiederbelebung einer ehemaligen Industriefläche als gemischtes Wohnquartier. Die Nutzung setzt sich zusammen aus Seniorenwohnen, freifinanziertem und sozialgefördertem Wohnraum und dem Studentenwohnheim ‚Hainbase‘ mit seinen rund 240 Einzel- und Doppel-Apartments. Beim Entwurf ging es darum, am Übergang von Stadt und Peripherie einen attraktiven, hochwertigen Wohnort für junge Menschen zu planen. Wir wollten Architektur schaffen, die zur Identifikation mit dem Gebäude und dem Wohnprojekt einlädt. Durch seine Lage an der Schulenburger Landstraße, der Einfallsachse in die Innenstadt, kommt dem Bau eine besondere Bedeutung zu als identitätsstiftendes Eingangstor zur Stadt und Referenzpunkt für das Quartier Hainholz.

Nordfassade mit Zugängen zu Fahrradraum und Flachbau sowie Durchgang zum Hof. Die Architektur beschränkt sich auf wenige Materialien – der Ziegel zieht sich auch über die Fensterbänke. (Foto: Stefan Müller)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Das große Thema für uns war, die Stadt Hannover an dieser Stelle sinnvoll weiterzubauen, die Geschichte des Ortes aufzunehmen und daraus in die Zukunft gewandte, zeitlose Architektur zu schaffen. Der Entwurf nimmt durch die Materialität der rot-braun gebrannten Klinker-Fassade Bezug auf den benachbarten, denkmalgeschützten Marinebau aus dem Jahr 1927. Mit seiner klassischen Industriearchitektur ist dieser das letzte Gebäude, das vom ehemals an dieser Stelle angesiedelten Sorst-Werk zeugt. So reflektiert die neue Architektur die spezifische Geschichte des Ortes. Gleichzeitig wird die typische norddeutsche Backsteinarchitektur, die auch in Hannovers Norden ortsprägend ist, in den reliefierten Fassaden weitergeführt. Der Neubau ist konzipiert als gestaffeltes Ensemble aus einem dreizehngeschossigen Hochpunkt und einem Flachbau. Als prägnante urbane Figur markiert er städtebaulich den Auftakt zur Innenstadt Hannovers. Gleichzeitig schirmt er mit seinem langgestreckten Bauteil das neu entstandene, gemischte Wohnquartier gegenüber der Straße und dem benachbarten Gewerbe ab.

Der Grundrhythmus der Architektur zieht sich auch über die skulptural gestaltete Brandmauer, die das Thema gewissermaßen in Reinform zeigt. (Foto: Stefan Müller)
Südfassade. Barrierefreie Apartments im Erdgeschoss. (Foto: Stefan Müller)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Das Konzept und die grundlegenden Ideen unseres Entwurfs konnten über den gesamten Prozess beibehalten werden. Die Anforderungen durch den vorhabenbezogenen Bebauungsplan waren allerdings so hoch, dass teils aufwändige, sehr konkret auf diesen speziellen Bau abgestimmte Detaillösungen gefunden werden mussten. Die Festsetzung zur Einhaltung konkreter Geräuschpegel bei teilgeöffneten Fenstern ergab in Fassadenbereichen mit sehr hoher Immission besondere Anforderungen an die Fensterkonstruktionen. Um die Ästhetik der Fassade nicht zu konterkarieren, wurden die Fenster individuell auf ihren Ort hin entwickelt und getestet. So konnten trotz der hohen Schallschutzanforderungen schlanke Fenster realisiert werden, die sich stimmig in die Architektur eingliedern. Je nach Lärmpegelbereich sind die Fenster als Kastenfenster, Fenster mit schallabsorbierenden Laibungen oder als reguläre Fenster ausgeführt.

Foto: Stefan Müller
Foto: Stefan Müller
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Aufgrund der vielfach wiederholten Apartment-Grundrisse und zur Optimierung des Bauablaufs, wurden die Sanitärräume als vorfabrizierte Fertigbäder realisiert. In Übereinstimmung mit dem Baufortschritt wurden die Fertigbäder geschossweise geliefert und montiert. Herausfordernd war an manchen Stellen die Einbringung und endgültige Positionierung der Bäder angesichts der unterschiedlichen Deckenhöhen.

Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Die Fassadenkonstruktion ist aus Vollstein-Ziegeln hergestellt und wird geschossweise abgefangen. Die horizontalen Brüstungselemente sind als Stahlbeton-Fertigteile mit Klinkerriemchen ausgeführt und bilden gleichzeitig die Sohlbank aus. Diese Kombination hat ihren Teil beigetragen zur qualitativ hochwertigen, reliefartigen Fassade, mit ihren tiefen Fensterlaibungen und akzentuierenden Sohlbänken.

Lageplan (Zeichnung: Max Dudler)
Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: Max Dudler)
Grundriss 5. Obergeschoss (Zeichnung: Max Dudler)
Ansicht West (Zeichnung: Max Dudler)
Hainbase
2021
Schulenburger Landstraße 114
30165 Hannover-Hainholz

Nutzung
Studentenwohnheim
 
Auftragsart
Direktauftrag
 
Bauherrschaft
Aragon ImmoProject GmbH, Hannover
 
Architektur
Max Dudler, Berlin
Team: Projektleiterinnen: Silke Meier zu Evenhausen, Saskia Müller; Mitarbeit: Hani El Hurt, Karin Weber-Mank
 
Ausführende Firmen und Hersteller
Ziegel: Fa. Wienerberger, Bristol, NF, Ziegelwerk Kirchkimmen
Stahlbeton-Fertigteile: STB Albert GmbH, Steyerberg
Fassade, ausführende Firma: Thannheiser GmbH, Neustadt am Ribge
Fensterbauer: FRABO Projektleitung GmbH, Nienstädt
Fertigbäder: Tairos, Wittenberge
 
Bruttogeschossfläche
ca. 10.800 m²

Gesamtkosten
20.400.000 € – KG200-600

Fotos
Stefan Müller

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