Webwerk von Eike Becker Architekten

Ulf Meyer
3. marzo 2021
Im Neubauviertel Media-Spree überragt der Spreeturm seine Nachbarn (Foto: Jens Willebrand)

Im größten Neubauviertel Berlins überragt der Spreeturm seine Nachbargebäude im Wortsinn, aber auch ästhetisch. Allein das kuriose Vordach scheint davon zu zeugen, dass der Architekt selbst nicht vollständig auf die Wirkung seiner Hi-Tech-Eleganz vertraut.

Das Media-Spree-Areal zwischen dem Postbahnhof am Ostbahnhof und der Oberbaumbrücke in Berlin-Friedrichshain, unweit der East-Side-Gallery und Spree, ist ein wüster architektonischer Gemischtwarenladen. Mit einer Höhe von 70 Metern und zwanzig Etagen ragt der schwarze Spreeturm von Eike Becker Architekten aus Berlin über das Areal am ehemaligen Mauerstreifen. Der Büroturm wirkt auf den ersten Blick recht generisch und nüchtern. Besonders ist nur seine zweischalige Fassade aus ein- bis dreigeschossigen, filigranen Aluminiumrahmen, die so gegeneinander verschoben sind, dass der Eindruck eines feinen Gewebes entsteht.

Die Fassade wirkt je nach Tageszeit und Entfernung unterschiedlich. Aus der Ferne zeigt sich eine homogene Netzstruktur aus Lisenen. Nähert man sich dem Gebäude, werden aus den Lisenen visuell Rahmen, die mal eine, mal drei Etagen zusammenfassen. Sie haben eine sich diagonal um das Gebäude windende Bewegung.

Aus der Ferne wirkt die Fassade, als habe sie ein Web-Muster (Foto: Jens Willebrand)
Das Bürohaus ist spekulativ und die Interieurs sind entsprechend generisch (Foto: Jens Willebrand / Mc Makler)

Ein weiterer Blickfang des spekulativ errichteten Bürohochhauses ist sein skulptural-geschwungene Vordach am Entrée in Form von zwei Mickey-Maus-Ohren, das mit der orthogonalen Fassade kontrastiert. Es verbindet das Foyer mit dem ungestalteten öffentlichen Raum am Postbahnhof. Der quadratische Turm-Grundriss mit mittigem Erschließungskern ist wie aus dem Grundrissatlas. Angenehm ist jedoch, dass alle Fenster öffenbar sind und auf eine Klimatisierung der Büros so verzichtet werden kann. Möglich macht das trotz Winddruck die Doppelfassade aus filigranen Aluminiumrahmen. Bauherr des Spreeturms war die DWI-Gruppe aus Hamburg, die Firma Ampega aus Köln hat den Turm jedoch zwischenzeitlich für die Versicherung HDI AG erworben. Ein Großmieter aus der Digitalwirtschaft ist eingezogen.

Ein außen liegender Lamellensonnenschutz schützt im Sommer vor zuviel Wärme in den Büros und animiert die Ansichten gestalterisch. Nachts zeichnen Lichtstreifen die Lisenen nach. Auch nach Feierabend gehen hier nicht die Lichter aus.

Foto: Jens Willebrand

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