Neu strukturiert

MGF Architekten
12. 一月 2022
Modellfoto: MGF Architekten

MGF Architekten gewinnen den Wettbewerb um die Weingarten-Grundschule und Erich-Kästner-Realschule in Offenburg Zell-Weierbach. Ina Weiler und Felix Mayer stellen sich unseren Fragen zum Wettbewerb.

Die Stadt Offenburg will die Schullandschaft in der Oststadt und in Zell-Weierbach räumlich restrukturieren. Welche Ausgangssituation haben Sie vorgefunden?

Der Ortsteil Zell-Weierbach ist stark durch seine Topographie am Fuße des Schwarzwaldes geprägt. Die umliegenden Weinberge bilden eine einzigartige Atmosphäre. Der bestehende Schulstandort liegt inmitten eines beschaulichen Wohngebiets mit schmalen Erschließungsstraßen und verkehrsberuhigten Bereichen. Im Norden grenzen am abschüssigen Gelände begrünte Freiflächen mit wunderbarem Ausblick an. Derzeit besteht der Schulstandort aus zwei Bestandsgebäuden im Süden und Osten sowie einer Dreifeldhalle im Westen. Ursprünglich war hier eine Grund- und eine Werkrealschule angesiedelt. Im Jahr 2018 erfolgte die Schließung der Werkrealschule, wodurch heute leerstehende Flächen durch die Weingarten-Grundschule genutzt werden sowie künftig ebenso durch die Erich-Kästner-Realschule, welche an diesen Standort ziehen soll. Diese Entwicklungsoption schafft Möglichkeiten zur Restrukturierung des Schulstandortes. Unter Berücksichtigung der erweiterten pädagogischen Anforderungen im Schulbau ergibt sich ein umfassender räumlicher Anpassungsbedarf. 

Bestand (Foto: Auslober)
Wie gehen Sie mit dem Bestand um?

Die Konzeption für die Weiterentwicklung des Schulstandortes besteht darin, den zentralen Schulhof mit all seinen Qualitäten zu erhalten und ihn als verbindende Mitte der beiden Schulen zu aktivieren. Durch die Setzung der Erweiterungsbauten bilden die Bestandsbauten selbstverständliche Teile eines neuen Ganzen. Die bestehenden Schulgebäude werden umgenutzt und bleiben in ihrer baulichen Grundstruktur weitestgehend unverändert. Auf die zeitgemäßen, pädagogischen Anforderungen und die sich daraus entwickelnden räumlichen Zusammenhänge der Klassenräume reagieren wir durch spezifische Erweiterungsbauten für beiden Schulen. 

Um den zwei Schulen räumlich auch individuelle Bereiche zu geben, zieht die Grundschule in das Gebäude der früheren Werkrealschule und wird durch einen Erweiterungsbau mit modernen Lernclustern nach Süden in Richtung Schulstraße ergänzt. Damit ergibt sich die Möglichkeit, die bisher als „Abstandsgrün“ vorgehaltene Freifläche an der Schulstraße zum eigenen Pausenbereich der Grundschule zu entwickeln. Der Hort im Erdgeschoss verbindet den zentralen Hof mit dem anschließenden Garten der Grundschule. Das durch den Umzug freiwerdende Schulgebäude soll zukünftig durch die Verwaltung und durch Fachräume der Erich-Kästner-Realschule genutzt werden. Im nördlichen Teil des Grundstücks entsteht ein Neubau, der die Klassenzimmer der Erich-Kästner-Realschule, sowie die gemeinsam genutzte Mensa beherbergt. Dieser ist typologisch und gestalterisch mit dem vorgeschlagenen Erweiterungsbau der Weingarten-Grundschule verwandt. Im Nordwesten erhalten die Schüler*innen der Realschule ihren eigenen, altersgerechten Pausenbereich. 

Lageplan: MGF Architekten
Wie organisieren Sie den Neubau der Erich-Kästner-Realschule?

Die Dreigliederung des Baukörpers schafft ablesbare Nutzungsbereiche und eine gute Belichtungssituation der jeweiligen Lerncluster. Die Setzung und Form des Neubaus ergeben sich aus der vorgefundenen Situation der Bestandsbauten und des schräg dazu verlaufenden, abschüssigen Geländes. 

Der bisher offene Schulhof nach Norden wird durch den Ergänzungsbau der Erich-Kästner- Schule räumlich gefasst. Der Haupteingang orientiert sich zum Hof und bildet mit der Mensa und dem Forum das Herz der Schule. Durch die Südausrichtung der Mensa kann im Sommer ein lebendiger Freibereich für beide Schulen entstehen. Die Bibliothek ergänzt und belebt die gemeinsame Mitte. Eine offene, gemeinsame Treppe verbindet die Lerncluster mit dem Freibereich der Realschule und ermöglicht einen Blick in die umgebende Landschaft. 

Die Cluster sind als dreigeschossige Lernhäuser mit einem Gartengeschoss organisiert. Der innere Aufbau der Cluster übersetzt die modernen pädagogischen Anforderungen der Schule in ein klares räumliches Konzept. Die wiederkehrenden, stirnseitigen Flucht- und Rettungsbalkone verzahnen den Baukörper durch ihre unterschiedliche Ausrichtung mit der umliegenden Landschaft. Sie sind im Sommer auch als pädagogische Erweiterungsfläche für die jeweiligen Cluster nutzbar.

Grundriss 1. Obergeschoss (Plan: MGF Architekten)
Grundriss Hofebene (Plan: MGF Architekten)
Schnittansicht: MGF Architekten
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?

Im Entwurfsprozess haben uns besonders die Fragen begleitet, wie der Schulstandort sich räumlich neu strukturieren lässt und wie sich die Ergänzungsbauten in die dörfliche Struktur einbinden lassen. Daran haben sich direkt weitere Fragen angeschlossen, beispielsweise wie es gelingen kann, den modernen pädagogischen Anforderungen gerecht zu werden und gleichzeitig die Bestandsbauten ohne große Veränderungen sinnvoll umnutzen zu können. Besonders wichtig dabei war uns die Identität des Schulstandortes zu stärken, bei dem beide Schulen als individuelle Einrichtungen klar zu erkennen sind. Aus diesen Fragen ergaben sich diverse Zielstellungen, unter anderen hinsichtlich der Höhenentwicklung, dem Umgang mit der ortsprägenden Topographie, dem architektonischen Ausdruck und der Materialität. 

Detailzeichnung: MGF Architekten
Weingarten-Grundschule und Erich-Kästner-Realschule in Offenburg Zell-Weierbach
Nicht offener Wettbewerb
 
Auslobung: Stadt Offenburg
Betreuung: Bäumle Architekten | Stadtplaner, Darmstadt
 
Jury
Dr.-Ing. Eckart Rosenberger, Architekt/Stadtplaner, Fellbach, Vors. | Oliver Martini, Baubürgermeister, Stadtplaner, Stadt Offenburg | Andreas Kollefrath, Fachbereichsleiter Hochbau, Grünfl.chen und Umweltschutz, Architekt, Stadt Offenburg | Prof. Werner Bäuerle, Architekt, Konstanz | Uwe Bellm, Architekt, Heidelberg | Kai Bierich, Architekt, Stuttgart | Jutta Herrmann-Burkart, Landschaftsarchitektin, Herbolzheim | Julia Klumpp, Architektin, Stuttgart | Monika Weber-Pahl, Architektin, Darmstadt | Marco Steffens, Oberbürgermeister, Stadt Offenburg | Hans-Peter Kopp, Bürgermeister-Dezernat III, Stadt Offenburg | Willi Wunsch, Ortsvorsteher Zell-Weierbach, Stadt Offenburg | Andrea Thomann, Gemeinderat Bündnis 90/Grüne, Stadt Offenburg | Elisabeth Abele, Gemeinderat CDU, Stadt Offenburg | Mario Vogt, Gemeinderat FWO, Stadt Offenburg | Dr. Martina Bregler, Gemeinderat SPD, Stadt Offenburg | Jürgen Wernke, Ortschaftsrat Zell-Weierbach BLZW, Stadt Offenburg

1. Preis
MGF Architekten GmbH, Stuttgart
Sichtfeld Landschaftsarchitektur, Frankfurt am Main
Verfasser: Hartmut Fuchs, Armin Günster, Josef Hämmerl, Jan Kliebe, Jochen Schmelz, Felix Mayer, Ina Weiler, Dorothée Hock
 
2. Preis
Kohlmayer Oberst Architekten, Stuttgart
Regina Kohlmayer, Jens Oberst
Wamsler Rohloff Wirzmüller FreiRaumArchitekten GbR, Regensburg
Bernd Rohloff
Mitarbeit: Ulrike Hoffmann, Dominic Schmidt, Ferdinand Banaditsch, Ani Nalbandian
 
3. Preis
Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten + Stadtplaner PartGmbB, Nürnberg
Friedrich Bär, Bernd Stadelmann, Rainer Stöcker
WGF Objekt Landschaftsarchitekten, Nürnberg
Franz Hirschmann
Mitarbeit: Frank Riedel, Stephen Balmberger, Andreas Popp

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