In Kreisläufen planen und bauen

LXSY Architekten
21. 九月 2022
Empfangsbereich (Foto: Studio Bowie)
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Mit dem Impact Hub Berlin at CRCLR-House entsteht ein Coworking Space in zirkulärer Bauweise. Der Erhalt von Bestand sowie der Einsatz nachhaltiger, nachwachsender und recycelter Materialien und rückbaufähiger und sortenreiner Konstruktionen zeigen, wie die Baukultur positiv verändert werden kann. In der Bearbeitung der Bauaufgabe selbst spielten Themen wie Kooperationen, Prototyping und das Austesten von Planungsprozessen eine wesentliche Rolle.

Meeting Booth und Teamspaces Galerieebene (Foto: Studio Bowie)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Der Standort auf dem Kindl-Areal in Neukölln beheimatet bereits eine Reihe nachhaltiger und sozial orientierter Organisationen. Für die nachhaltige Entwicklung des stadträumlichen Quartiers spielen Aspekte wie Sozialverträglichkeit, Zugänglichkeit, Vielfalt, Umweltverträglichkeit, Ressourcenschonung und Abfallvermeidung eine essentielle Rolle. Diese Werte bestimmten auch den Innenausbau durch uns und die notwendigen Ertüchtigungen der ehemaligen Lagerhalle sowie deren Aufstockung durch das Baukollektiv TRNSFRM eG.

Um der Historie des Ortes gerecht zu werden, bleibt der industrielle Charakter des Bestands auch im Innenausbau selbst weiterhin erlebbar. Ohne dass die Halle an Großzügigkeit einbüßt, ermöglichen die zentralen Räume indirekte Zonierungen. Abgestimmt auf die unterschiedlichen Bedürfnisse gibt es verschiedene Raumqualitäten für laute oder leise Arbeitsumgebungen. Die offenen Räume ermöglichen gleichzeitig einen Austausch mit anderen, aber auch einen Rückzug für konzentriertes Arbeiten. Entstanden ist eine abwechslungsreiche Mischung aus Team Spaces, Open Co-Working, Meetingräumen, Telefonboxen, Meeting Booths, Sitznischen, Lounge und Café mit Terrasse. Mit dem Impact Hub Berlin at CRCLR-House soll ein Ort für eine lebendige Gemeinschaft entstehen, die auch die Nachbarschaft mit integriert.

Meeting Booth (Foto: Studio Bowie)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Der Wunsch nach kreislaufgerechtem Bauen und einer Minimierung der grauen Energie kam durch den Auftraggeber Impact Hub Berlin selbst. Als kollaborativer Community und Coworking Space setzen sie sich für eine neue Generation von Impact Entrepreneurs ein, die sich auf Circular Economy, Inklusion, nachhaltige Lebensmittel und grüne Technologie konzentrieren. Partizipative Workshops rund um Prototyping und zirkuläres Bauen waren Teil des kollaborativen Prozesses, in dem auch Aspekte des New Work selbstverständlich mitgedacht wurden. Die Werte des Impact Hub Berlin zeigen sich aber auch direkt in der Gestaltung durch Facetten wie Transparenz, Offenheit und Flexibilität.

Lounge und Phone Booths Galerieebene (Foto: Studio Bowie)
Lounge Galerieebene (Foto: Studio Bowie)
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Im Umgang mit dem zirkulären Bauen war ein innovativer Planungs- und Bauprozess nötig, der mit dem üblichen linearen Ablauf bricht und einen alternativen Umgang mit Gewährleistung, HOAI und Instandhaltung voraussetzt. Prozesse und Lösungswege mussten neu gedacht und gegebene Normen in ihren Grenzen ausgetestet werden.

Der klassisch lineare Planungsablauf wurde durch einen zirkulierenden Workflow abgelöst. Ganz nach dem Credo „Form follows Verfügbarkeit“ bedingten sich die Entwurfs- und Ausführungsplanung. Der fortlaufende Wechsel zwischen Materialsourcing, Konzept, Design, Prototyping und Bau setzte neue Formen der Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten voraus. Abhängig von der Verfügbarkeit der Materialien wurde das ursprüngliche Design stetig adaptiert. Im Hinblick auf die Gestaltung diente der Entwurf als Leitbild und die Oberflächen wurden erst im Laufe des Bauprozesses final bestimmt. Diverse Workshop-Formate begleiteten den Prozess, um nachhaltige Bauweisen zu erforschen und experimentelle Ansätze im Prototyping zu verfolgen. 

Meeting Booth Galerieebene (Foto: Studio Bowie)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Das Verständnis der Ressourcenschonung bestimmt die Realisierung des Impact Hub Berlin at CRCLR-House. In unseren Augen erfordert der absehbare Mangel an Rohstoffen einen neuen Umgang mit Ressourcen. In Auseinandersetzung mit zirkulären Bauweisen werden Aspekte wie die Wiederverwendung von Bauteilen, Flexibilität, recycelte Materialien, zukünftige Nutzungsänderungen sowie reversible Strukturen berücksichtigt. Zum Einsatz kommen kreislauffähige Materialien, rückbaufähige und sortenreine Konstruktionen und einfache Standards. Mit Hilfe von Produkt- und Materialpässen können die eingesetzten Elemente nach dem Rückbau für eine neue Nutzung wiederverwendet werden. Damit dient das gebaute Impact Hub Berlin at CRCLR-House als zukünftige Ressource.

Café (Foto: Studio Bowie)
Café und Aufgang Galerieebene (Foto: Studio Bowie)
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Im Spannungsfeld zwischen „use as is“ und „upcycle“ bewegt sich das Materialkonzept des Impact Hub Berlin at CRCLR-House. Rund 70% der verwendeten Materialien und Produkte sind wiederverwendet, recycelt oder nachwachsend. Hochwertige wiederverwendete und neue zirkuläre Materialien werden eingesetzt, wie sie sind. Beschädigte oder unebene Materialien werden behandelt, um dem Designkonzept zu entsprechen. Mit dem Vorurteil eines Second-Hand-Designs oder der Vorstellung von minderwertigen Materialien soll im Hinblick auf die Ästhetik des zirkulären Gebäudes bewusst aufgeräumt werden. Trotz der Einfachheit und dem Einsatz von vielfältigen Materialien liegt ein Schwerpunkt des Entwurfes in einem klaren, homogenen und hochwertigen Design. 

Das Holzständerraster mit einer Breite von 62,5 cm ermöglicht die Verwendung von Restzuschnitten im kleineren Format. Die recycelten Materialien und Produkte stammen von Abriss-Baustellen, Messen, Museen oder aus Lagerbeständen von Firmen. Die Schiebetüren der Telefonboxen wurden beispielsweise aus dem vormaligen Impact Hub Berlin übernommen. Das schwarze MDF stammt aus einem Club in Berlin. Fenster wurden bei einer Abrissbaustelle gesammelt. Die Sitzelemente auf der Galerie haben früher einen Supermarkt geschmückt. Und regelmäßig wurden Berliner Tischlereien abgeklappert, um Holzverschnitt und Reststücke zu verwerten. Viele Möbel aus dem alten Impact Hub Berlin wurden übernommen und durch eine Mischung aus Vintage-Stücken oder Möbel-Leasing ergänzt. Aber auch funktionale Elemente wie Kabeltrassen, Sanitäranlagen, Lüftungsrohre und Heizungen wurden gebraucht aus zweiter Hand verwendet. 

Als neues Material sorgen beispielsweise Hanfwände für ein gutes Raumklima und einen nachweislichen Schallschutz. Filz und Strohplatten verbessern die Akustik. Lokales und schnell wachsendes Holz wie Seekiefer und Fichte wurde bevorzugt verwendet. 

Grundrisse Erdgeschoss und Galerieebene (Zeichnungen: LXSY Architekten)
Schnitt (Zeichnung: LXSY Architekten)
Impact Hub Berlin at CRCLR-House
2022
Rollbergstraße 28A
12053 Berlin

Nutzung
Coworking Space
 
Auftragsart
Direktauftrag
 
Bauherrschaft
Impact Hub Berlin GmbH, Berlin
 
Architektur
LXSY Architekten, Berlin
 
Fachplaner
Statik: ZRS Ingenieure GmbH, Berlin
HLS - Lüftung: IRG Ingenieurgesellschaft für rationelle Gebäudetechnik mbH, Berlin
Brandschutz: brandkontrolle Andreas Flock GmbH, Berlin
Lichtplanung: Studio de Schutter, Berlin

Ausführende Firmen
Elektro: Elektrotechnik Elaro GmbH, Berlin
Hanfwände: Hanfbaukollektiv, Berlin
Putz Hanfwände: Raum Dimension 3, Köln
Transparente Wände Holzständer EG: Studio Bali, Berlin
Transparente Wände Holzständer GE: Heap59, Berlin
Team Space Trennwände EG: Colabo Concept, Leipzig
Stahltreppen Halle West: Kunstschmiede Frank Schönemann, Osternienburger Land
Empfang / Tresen / Phone Booth Eingang + Lounge GE: filq designstudio, Berlin
Einbaumöbel Schließfächer: Lea Hailer, Berlin
Teeküchen + Barcounter: Sonny Neigut und Sebastian Schwindt, Berlin
 
Hersteller
70% recycelte Materialien und Bauteile

Bruttogeschossfläche
1.780 m²
 
Gesamtkosten
1.040.000 € Netto

Fotos
Studio Bowie

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