Wohnen am Hasenkopf

lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner
8. dezembro 2021
Blick vom Hügel (Skizze: lohrer.hochrein)

Das Büro lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gewinnt den Wettbewerb um die Wohnquartiersentwicklung Hasenkopf in Marburg. Maximilian Stechele stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.

Die Universitätsstadt Marburg beabsichtigt die Entwicklung eines nachhaltigen Wohnquartiers mit 300 bis 350 Wohneinheiten am Hasenkopf im Stadtteil Stadtwald/Ockershausen. Worin lag die Herausforderung der Aufgabenstellung?

In besonderer Weise lag die Herausforderung für uns in der Eigenart des Ortes. Da hat uns die sehr schöne Hanglage mit dem großartigen Blick über den Stadtwald natürlich gereizt, aber in der Suche nach einer städtebaulichen Antwort auch herausgefordert. In der Aufgabenstellung wurde zudem ein klarer Anspruch an innovative und nachhaltige Konzepte deutlich, sowohl in Bezug auf ökologische wie auch soziale Gesichtspunkte.

Topografie, Raster, Gehöfte, Baukörper (Piktogramme: lohrer.hochrein)
Wie kamen Sie zur Lageplanfigur?

Mit dem Halbrund des aus der ehemaligen Tannenbergkaserne hervorgegangenen Bestandsquartiers haben wir dort eine sehr prägnante städtebauliche Großform. Uns wurde nach vielem Überlegen und Austesten klar, dass wir mit einer herkömmlichen städtebaulichen Herangehensweise keine Antwort finden, die dem Ort gerecht wird. Eine erste, sehr früh gefasste Idee war, in dieser Nachbarschaft eine eigenständige städtebauliche Form zu entwickeln. Wir haben uns dann letztlich dazu entschieden, die dort so prägnante Topographie in den Mittelpunkt zu stellen und die städtebauliche Struktur entlang eines mit der Topographie schwingenden Rasters auszurichten. Damit das funktioniert war es wichtig, dieses Thema bis in die Baukörper hinein zu denken und sich auch dort von der Orthogonalität zu lösen. Die Gebäude sind als Gehöftstrukturen über fünf Platzfolgen erschlossen und von einem Kranz privaten Freiraums umgeben. In den Zwischenräumen spannt sich das öffentliche Grün auf und vernetzt das Quartier mit der Umgebung. Die polygonalen Baukörper schaffen dabei spannungsvolle Zwischenräume und geben den Blick in die umgebende Landschaft frei.

Lageplan (Zeichnung: lohrer.hochrein)
Welche Vorstellung von Landschaft und Wohnen liegt Ihrem Entwurf zugrunde?

Wir verstehen die beiden Begriffe erst einmal nicht als Gegensatz, unsere gebaute Wohnumwelt ist Teil eines landschaftlichen Ganzen. Daher versuchen wir mit unserem Entwurf, auch innerhalb des Quartiers stets ein Bewusstsein für die umgebende Landschaft aufrechtzuerhalten und notwendige technische Infrastrukturen als Teil einer gestalteten Landschaft zu begreifen.

Gleichzeitig müssen wir auch der viel diskutierten Problematik des anhaltenden Flächenverbrauchs von bisher nicht baulich überformter Landschaft begegnen. Daher war es uns ein Anliegen, das geforderte Raumprogramm möglichst kompakt und flächeneffizient darzustellen und so nur einen Bruchteil der zur Verfügung stehenden Fläche zu beanspruchen. Dieses Wechselspiel zwischen hoher baulicher Dichte und landschaftlicher Weite bietet damit auch eine Antwort auf die Fragestellungen einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Stadtentwicklung: eine Reduzierung der Flächenversiegelung auf ein Minimum, ein nachhaltiges Regenwassermanagement sowie ein intelligentes Mobilitätskonzept. 

Quartiersmitte (Zeichnung: lohrer.hochrein)
Quartiersplatz (Skizze: lohrer.hochrein)
Was wird die Qualität des neuen Quartiers ausmachen?

Die besondere Qualität sehen wir in der grünen Allmende, die sich zwischen den Gebäuden aufspannt und den zukünftigen Bewohnern landschaftlich durchdrungene Räume zur Entfaltung und individuellen, wie gemeinschaftlichen Aneignung bietet. Das neue Quartier am Hasenkopf wird seinen Bewohnern ein hohes Maß an individueller Wohn- und Lebensqualität bieten, mit einer hohen Diversität durch unterschiedliche Wohnungsgrößen, familienfreundliche Grundrisse und konsequente Barrierefreiheit. 

Mit dem angrenzenden Stadtwald-Quartier finden wir bereits eine lebendige Nachbarschaft vor, die wir durch komplementäre soziale Nutzungen und Nahversorgungsfunktionen stärken und ergänzen. 

Freiraum (Zeichnung: lohrer.hochrein)
Allmende (Skizze: lohrer.hochrein)
Ist schon ein Rahmenplan in Arbeit?

Wir sind gerade dabei, den Wettbewerbsbeitrag gemeinsam mit der Stadt Marburg zu überarbeiten, und werden uns dann in den nächsten Monaten auch dem städtebaulichen Entwurf widmen.

Schwarzplan (Zeichnung: lohrer.hochrein)
Wohnquartiersentwicklung Hasenkopf in Marburg
Nicht offener Wettbewerb
 
Auslobung: Magistrat der Universitätsstadt Marburg
Betreuung: UmbauStadt GbR, Weimar
 
Jury
Prof. em Dr. Dipl.-Ing. Franz Pesch, Pesch Partner Architekten Stadtplaner GmbH (Vors.) | Dipl.-Ing. Angela Bezzenberger, LOEK Landschaftsarchitektur und Ökologie | Dipl.-Ing. Reinhold Kulle, bis 31.3.21 FDL Stadtplanung und Denkmalschutz , Universitätsstadt Marburg | Dipl.-Ing. Katalin Saary, Mobilitätslösung | Dr. Thomas Spies, Oberbürgermeister, Dezernat I, Universitätsstadt Marburg | Wieland Stötzel, Bürgermeister, Dezernat II, Universitätsstadt Marburg | Kirsten Dinnebier, Stadträtin, Dezernat III, Universitätsstadt Marburg
 
1. Preis
lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München
 
2. Preis
ISR Innovative Stadt- und Raumplanung GmbH, Haan
 
3. Preis
Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner, Düsseldorf
Planstatt Senner für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung, Überlingen

Outros artigos nesta categoria