Coronferenz

Ulf Meyer
12. março 2020
Bei der Podiumsdiskussion sprachen (v.l.n.r.): Andrew Kiel, Sauerbruch Hutton Architekten; Viltė Migonytė-Petrulienė, Skopje; Ana Ivanovska Deskova, Kaunas 2022; Christian Burkhard, Architectuul; Jean Molitor, Sebastian Hoyer, TU Braunschweig; Olaf Gisbertz, FH Dortmund; Uta Pottgiesser, Docomomo Deutschland / TH OWL (Foto: Svenja-Christin Voß)

Die 17. DOCOMOMO Konferenz in BERLIN 2020 stand im Zeichen des Coronavirus‘. Fioretti Marquez ließen sich entschuldigen, Jean Molitor zeigte seinen Film „Wettlauf gegen die Zeit“.

Dass das Thema „Denkmalpflege der Moderne“ immer wichtiger wird, sieht man jeder deutschen Stadt oft überdeutlich an: Welkende Gebäude der (Vulgär-)Moderne prägen fast jeden Stadt- und Straßenraum hierzulande. Dass die Wertschätzung der Moderne ausgeprägt oder ihre selbsternannten Anwälte schlagkräftig organisiert wären, kann man leider nicht behaupten. Die DoCoMoMo ist eine Vereinigung zur „Documentation and Conservation of Buildings of the Modern Movement“ und wurde 1988 in Eindhoven gegründet. Ihre Konferenz in Berlin in der „Akademie der Künste“ im Hansaviertel fragte dieses Jahr nach der „Digitalisierung in Bezug auf das Erbe der Moderne“. Dies betrifft die Archivierung, den Umgang mit Social Media und digitalen Werkzeugen der Planung.

Die Rednerinnen (v.l.n.r.): Viltė Migonytė-Petrulienė, Kaunas 2022; Diana Zitzmann, Docomomo Deutschland; Sofie de Caigny, VAI und Ana Ivanovska-Deskova, Skopje (Foto: Svenja-Christin Voß)

Eine Mischung aus wissenschaftlicher und journalistischer Dokumentation moderner Architektur online stellte Christian Burkhard vor: Vor zehn Jahren gründete er mit Architekten, Graphikern und einem Programmierer die Webdatenbank Architectuul, um im Internet ein „Zuhause für die gebaute Umwelt zu errichten” und wichtige gebaute Projekte sowie ihre Erschaffer*innen vorzustellen. Bilder und Pläne nutzen eine sogenannte „creative commons license”, wie er auf Nachfrage verriet. 
Federica Maietti von der Universität Ferrara erläutert, wie BIM als Mittel der dreidimensionalen Dokumentation von Baudenkmälern in Italien eingesetzt wird. Wie in einem Film lassen sich dabei beispielsweise die unterschiedlichen Bauphasen eines Gebäudes darstellen. Die Europäische Union hat mit dem geförderten „Inception“-Projekt für 3-D-Denkmal-Modelle Pandoras Box geöffnet. Speziell wenn Meta-Daten in die Modelle eingefügt werden, kann die die Arbeit Zeit- und Geldbudget strapazieren, referierte die Professorin aus Italien. Um die Daten leichter austauschbar zu machen, hat sie ein standardisiertes „Data Acquisition Protocol“ entwickelt und auf der Berliner Konferenz erstmals vorgestellt.

Session Discussion (v.l.n.r.): Tino Mager, TU Delft / ICOMOS Deutschland; Franz Jaschke, Docomomo Deutschland / Brenne Architekten; Hans-Dieter Nägelke, TU Berlin / Architekturmuseum (Foto: Svenja-Christin Voß)

Virus-bedingt mussten sie per Skype zugeschaltet werden, während die osteuropäischen Referentinnen aus Kaunas und Skopje pünktlich angereist waren. Ausgerechnet die beiden „Keynote-Referenten“ aus Berlin jedoch, Donatella Fioretti und José Gutierrez Marquez (vom Büro Bruno Fioretti Marquez Architekten), ließen sich kurzfristig entschuldigen. So fiel dem abenteuer-lustigen Architekturfotografen Jean Molitor die Rolle zu, die Konferenz zu retten: In seinem Film "Wettlauf gegen die Zeit" zeigt er eindrücklich, wieviel mehr Chuzpe und Ambition für den „do“-Teil von DoCoMoMo, also die Dokumentation, leisten kann als akademische Verzagtheit und Prätention oder Daten-Modell-Wut. Molitor reist durch die ganze Welt und fotografiert alle Gebäude, die annähernd etwas mit der Moderne der 20er Jahre zu tun haben könnte. Von einem Virus lässt er sich dabei nicht abhalten. Allerdings dokumentieren seine Fotos oft „herausragende Werke der Moderne ein letztes Mal vor dem Abriss.

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