Gebäude und gebaute Umwelt

Ulf Meyer
11. mei 2021
Rathaus Nagaoka von Kengo Kuma (Foto: Mitsumasa Fujitsuka)

Die Ausstellung „Gebaute Umwelt: Ein alternativer Reiseführer durch Japan“ bewertet die gebaute Umwelt in Japan „als Produkt eines Dialogs zwischen historischem Hintergrund und räumlichem Kontext”. Hachima Satoshi, Kurakata Shunsuke und Hosaka Kenjirô haben diese Themen für die  Ausstellung, die von einem Katalog begleitet wird, betrachtet. 

Japan ist ein Berg-Land, das dem ständigen Risiko von Naturkatastrophen ausgesetzt ist: Erdbeben, Vulkanausbrüche, Tsunami, Taifune, Überschwemmungen und Erdrutsche treten häufig auf und prägen das Naturverständnis in Nippon. Eine pfiffig gestaltete Ausstellung mit dem Titel „Gebaute Umwelt: Ein alternativer Reiseführer durch Japan“ zeigt im Japanischen Kulturinstitut in Köln 80 Gebäude, Infrastrukturprojekte und Landschaften vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart und aus jeder der 47 Präfekturen.  

Für Hachima Satoshi vom Chiba Institut für Technologie sind Infrastruktur und Landschaft einer Gesellschaft ein Spiegel ihres Wesens. Vom Erosionsschutz über die Neulandgewinnung im Meer bis hin zum anspruchsvoll gestalteten Hochwasserschutz reicht seine Projektauswahl. Diese künstlichen Landschaften sind keine „Sehenswürdigkeiten” oder landschaftliche Schönheiten. Aber ihre Geschichte, Technologie und der Umgang mit natürlichen Ressourcen haben einen Einfluss auf die japanische Mentalität und Kultur. Beim Versuch, der Kraft der Natur entgegenzutreten, werden Bauten auf Grundlage physikalischer Phänomene wie Schwerkraft, Wasserdruck und thermischer Belastung errichtet. Sie sind oft Teil eines Systems, das sich in die ganze Region erstreckt. Kontrastierende Elemente wie Ordnung und Chaos sowie Kühnheit und Zartheit garantieren Infrastruktur als Objekt der Wertschätzung, so Hachima poetisch: „Nach und nach kommt ein neues Japan in Sicht”.

Hakusui-Damm (Foto: © JKI Köln)
Park in Sapporo Vvon Isamu Noguchi (Foto: © JKI Köln)

Kurakata Shunsuke von der Universität Osaka hat Architekturen für die Kölner Schau ausgewählt. Er beginnt im Jahr 1854, als Japan erstmals Beziehungen mit westlichen Ländern aufnahm, „moderne Eingriffe in Natur und Gesellschaft entstanden und erstmals Ziegel- und Stein-Gebäude aufkamen. Japanische Architekten begannen, westliche Architektur zu studieren und die örtlichen Handwerker entsprechend anzuleiten. In den ersten 25 Jahren entwarfen ausländische Architekten die modernen Gebäude in Japan, später übernahmen japanische. Als Folge des Kanto-Erdbeben von 1923 verbreiteten sich dann feuerfeste, erdbebensichere Stahlbetongebäude im ganzen Land.
Nach der Kriegsniederlage 1945 wurde die Architektur der Vorkriegszeit abgelehnt und Kenzo Tange erlangte weltweite Anerkennung. Die „Neigung zum Künstlichen”, wie Kurakata es nennt, wurde aber bald korrigiert. Nach der Weltausstellung 1970 in Osaka wurde die Aufmerksamkeit wieder starker auf die Natur und den Ort gelenkt.

Müllverbrennungsanlage von Taniguchi in Hiroshima (Foto: Toshiharu Kitajima)

Hosaka Kenjirô, der Kurator des Nationalmuseums für Moderne Kunst in Tokio beleuchtet in seinem Beitrag „ikonische Architektur und malerische Landschaften, als Faktoren des Tourismus”. Sightseeing verliert seine Anziehungskraft.  Wer „Japan als Nation und Land” erleben will, sollte die gebaute Umwelt der Moderne studieren und bereisen. Reaktionen auf die immerwährende Zerstörung, Bevölkerungsrückgang und wirtschaftliche Schrumpfung, aber auch Nachhaltige Praktiken findet er im ganzen Land. Die Ausstellung macht es Besuchern leicht, es ihm nachzutun.

Die Ausstellung ist bedingt durch den weiterhin fortbestehenden Lockdown aktuell nicht für Besucher zugänglich. Auf der Website des JKI können Sie sich informieren, wann die Ausstellung zu besichtigen sein wird.

Uitgelicht project

Benjamin von Pidoll | Architektur

Haus Mau

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