Déjà-vu

Katinka Corts
21. mei 2024
Der Aussichtsturm auf der Landesgartenschau in Wangen im Allgäu ist 23 Meter hoch. (©ICD/ITKE/IntCDC University of Stuttgart)

Die spiralförmige Holzstruktur in Wangen ist nicht die erste ihrer Art, aber die bislang höchste: Basierend auf der Forschung des Exzellenzclusters »Integratives Computerbasiertes Planen und Bauen für die Architektur (IntCDC)« der Universität Stuttgart ist der Turm in voller Höhe begehbar und besteht aus tragenden, selbstformenden Holzbauteilen. Er ist dabei der »große Bruder« eines früheren Baus, des »Urbach-Turms«, der 2019 bei der Gartenschau in Remstal stand. Begehen konnte man ihn damals jedoch nicht in voller Höhe, vielmehr war er eine Art Unterstand mit einem kleinen Podest im Inneren. Die Konstruktionsidee für die Hülle blieb, die Dimension wuchs: Statt 90 mm Dicke und 14 Meter Höhe ist der Wangener Hülle 130 mm stark und 23 m hoch.

Urbach-Turm in Remstal, 2019 (Foto: ICD/ITKE Universität Stuttgart)
»Diese Innovation im Holzbau wird ermöglicht durch die Integration von Forschung, materialgerechter und computerbasierter Planung, digitaler Fertigung und qualifiziertem Handwerk.«

ICD Universität Stuttgart

Mit computerbasierten Planungsmethoden konnten das Materialverhalten und die Herstellungsbedingungen von Anfang an betrachtet werden. Die Projektbeteiligten nennen das Objekt deshalb auch »Forschungsdemonstrator«. Die doppelschichtigen Platten sind jeweils aus einer 30 mm starken »aktiven« Schicht und einer kreuzweise verleimten 10 mm dünnen »restriktiven« Schicht hergestellt. Nach dem Laminieren ließen die Holzbauer die flachen Paneele so trocknen, dass die aktive Schicht senkrecht zur Faserrichtung der Bretter schwand und sich die Paneele in die vorausberechnete Form bogen. Für die Holzrohlinge wurden anschließend drei der so gekrümmten Platten überlappt und mit einer dünnen Sperrschicht verklebt. Das fertige Einzelelement ist damit 130 mm dünn. 

Die dank ihrer Krümmung zusätzlich ausgesteifte Konstruktion des Turms besteht aus zwölf dieser gebogenen Brettsperrholzsegmente und konnte innerhalb weniger Tage aufgebaut werden. Über 113 Stufen erreicht man die Aussichtsplattform, wobei die Treppenspindel die vertikalen Verkehrslasten aufnimmt.

Fertigung im Werk (Foto: ICD/ITKE/IntCDC Universität Stuttgart)
Aussichtsturm Wangen (Zeichnung: ICD/ITKE/IntCDC Universität Stuttgart)
Innenansicht  des Aussichtsturms (Foto: ICD/ITKE/IntCDC Universität Stuttgart)

Am Projekt Beteiligte

Exzellenzcluster IntCDC – Integratives Computerbasiertes Planen und Bauen für die Architektur, Universität Stuttgart.

Institut für Computerbasiertes Entwerfen und Baufertigung (ICD)
Prof. Achim Menges, Martin Alvarez, Monika Göbel, Laura Kiesewetter, David Stieler, Dr. Dylan Wood. Mit Unterstützung von: Gonzalo Muñoz Guerrero, Alina Turean, Aaron Wagner

Institut für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen (ITKE)
Prof. Jan Knippers, Gregor Neubauer 

Blumer-Lehmann AG
Katharina Lehmann, David Riggenbach, Jan Gantenbein

Biedenkapp Stahlbau GmbH
Markus Reischmann, Frank Jahr


Weitere Projekte aus dem Labor

– Die Universitäten Freiburg und Stuttgart bauten 2021 einen Flachspavillon. Zum Artikel

– Glas- und kohlefaserverstärkte Verbundwerkstoffen prägen den Forschungspavillon 2017 in Stuttgart. Zum Artikel

– Robotische Fertigungsverfahren, biologische Konstruktionsprinzipien und Faserverbundwerkstoffe fanden sich 2014 im Hochschulprojekt. Zum Artikel

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