Schattendach Zwenkauer Hafen

Zwenkau
Photo © Michael Moser
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Architects
Knoche Architekten
Address
An der Mole, 04442 Zwenkau
Year
2019
Client
Stadt Zwenkau, Sächsische Seebad Zwenkau GmbH & Co.KG

Mit jährlich bis zu 20.000 Fahrgästen sind die Rundfahrten über den Zwenkauer See ein bedeutender touristischer Magnet im Südraum Leipzigs. Die Freianlagen am Fähranleger des Zwenkauer Yachthafens bieten für die wartenden Fahrgäste der MS Santa Barbara einen großzügigen, terrassierten Hafenplatz mit weitem Blick über Hafen und See. Bisher gab es jedoch keinen Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung, was insbesondere in den Sommermonaten in der steinernen Umgebung zu erheblicher Aufheizung führte.

Um diesem Problem entgegenzuwirken und den –meist älteren– Fahrgästen einen angenehmeren Aufenthalt zu ermöglichen, trat die Sächsische Seebad Zwenkau GmbH als Betreiber der Hafenanlage im Jahr 2017 an die Architekturfakultät der HTWK Leipzig heran, um im Rahmen eines Semesterprojekts Ideen für eine schattenspendende Konstruktion zu erhalten. Schon zu Beginn wurde die konkrete Realisierungsabsicht zur zentralen Planungsanforderung. Der Planungsvorschlag Baukonstruk-tionskurses stammte von der Masterstudentin Lydia Gockel und war so überzeugend, dass eine vielseitig besetzte Jury ihren Entwurf zur Realisierung empfahl. Aus Planungs– und Haftungsrechtlichen Gründen wurde die weitere Bearbeitung an das Architekturbüro Knoche Architekten übertragen, wobei die Verfasserin im Rahmen eines Büro-Praktikums den Entwurfsansatz zu einem ausführbaren Projekt weiterentwickeln konnte.

Die quadratische Dachfläche ruht auf vier kreuzförmigen Stützen und vermittelt in der nicht orthogonalen Anlage zwischen den unterschiedlichen Kanten und Fluchten der abgestuften Hafenanlage, ohne einen parallelen Bezug zu suchen.
Das dachartige Schattenspiel ist von zwei Ebenen aus wahrnehmbar. Während die Konstruktionsbleche an der Oberkante auf die gleiche Höhe eingestellt sind und somit im Fernblick mit dem spiegelnden See verschwimmen, ist die Wahrnehmung vom unteren Niveau aus kleinteiliger und differenzierter. Hier enden die vertikalen Bleche auf drei verschiedenen Höhen und interpretieren somit die bewegte Wasseroberfläche mit ihren vielfältigen Reflexionen und sich stetig verändernden Mustern. Die metallische Struktur erzeugt auf dem Pflaster des Bootsanlegers ein abwechslungsreiches Licht- und Schattenspiel. Je nach Besonnungsrichtung werden mehr oder weniger lichte Schattenmuster erzeugt. Bei flacherem Sonnenstand, wenn sich am Nachmittag die meisten Fahrgäste dort aufhalten, erreichen die Schatten ihre höchste Dichte. Durch die offene Konstruktion wird einem Hitzestau vorgebeugt, wodurch die Aufenthaltsqualität am Fähranleger eine deutliche Aufwertung erfährt.
Die feuerverzinkten Oberflächen der Konstruktion entsprechen dem Ambiente der umgebenden Hafenanlagen und vermitteln zwischen deren Oberflächen aus Stahl, Stein und Beton. Dadurch ist das Schattendach präsent, drängt sich aber im Hafenumfeld nicht in den Vordergrund.

Die Grundkonstruktion wurde als ungerichteter Trägerrost aus Stahlblechträgern im Abstand von 1,50 m errichtet. Sie besteht aus je vier 35 cm hohen Haupt- und Nebenträgern aus 7,20 m langen Stahlblechen von 12 mm Stärke. Diese liegen auf 4 Stützen im Achsabstand von 450 cm auf und kragen nach außen jeweils 1,35m über ihre Auflager aus. Die kreuzförmig geschweißten Stahlstützen sind in Stahlbeton-Köcherfundamenten gegründet. Insgesamt entsteht so eine 3,50 m hohe Rahmenkonstruktion mit einer lichten Höhe von 3,15 m unter dem Schattendach.
In den 25 quadratischen Feldern der Primärkonstruktion sind die Schattendachelemente eingesetzt, die als unregelmäßiges Gefüge aus orthogonal verschränkten Stahlblechen geplant wurden. Sie sind als 4 Modultypen von räumlich verschweißten Tragelementen ausgeführt, die in den Eckfeldern zweiseitig, in den Randfeldern dreiseitig und in den Mittelfeldern vierseitig gelagert sind. Die senkrechten Stahlblechlamellen unterschiedlicher Höhe (25 cm, 35 cm und 40 cm), sind in unterschiedlichen Abständen zueinander angeordnet. Durch mehrfaches Drehen und Spiegeln der Modultypen ist deren Wiederholung in der Gesamtstruktur nicht ablesbar, es wird ein Bild ausgewogener Unregelmäßigkeit erzeugt.

*Knoche Architekten mit Lydia Gockel

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