Wohnen im Kulturpalast

Manuel Pestalozzi
25. August 2022
Das äußere Erscheinungsbild umgewandelten Palastes erinnert an den Urzustand in den 1950er-Jahren. (Visualisierung: GRK Wohninvest GmbH)

Der Pelzmühlenteich im Ortsteil Rabenstein, rund sechs Kilometer westlich des Stadtzentrums gelegen, ist ein traditionelles Ausflugsziel. Der Palast mit großen Grünanlagen entstand an seinem Nordufer. Bauherrin war die 1947 gegründete Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG) Wismut, die den Abbau des für das Atomprogramm der UdSSR wichtigen Urans im Erzgebirge leitete. Im prächtigen Bauwerk fanden Konzerte, Theatervorführungen und gesellige Anlässe statt. 1967 wurde dieser Betrieb eingestellt, die Anlage verwandelte sich in eine Vorproduktionsstätte des Deutschen Fernsehfunks, dem Fernsehen der DDR, später wurde diese vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) übernommen. Im März 2000 war im Palast Sendeschluss.  Der Streit um den Erhalt und die mögliche künftige Nutzung begann.

Die Eingangshalle und die monumentalen Treppenaufgänge bleiben erhalten. (Plan: GRK Wohninvest GmbH)

2018 kaufte das Bauunternehmen GRK Immobilien, das bekannt ist für die Sanierung denkmalgeschützter Gebäude, die Anlage. Für das Gelände wurde ein Bebauungsplan erstellt. Im denkmalgeschützten Altbau entstehen 64 Eigentumswohnungen. Das Angebot reicht von Einzimmerwohnungen über Familienwohnungen bis hin zu Galeriewohnungen in Größen zwischen 32 und 162 Quadratmetern. Östlich vom Palast ist in Neubauten eine Seniorenresidenz mit hauseigener Tagespflege geplant. Federführend für dieses Projekt ist die GRK-Gruppe, bei der Architektur werden in Pressemitteilungen Homuth+Trappe Architekten aus Leipzig genannt. Der Preis der Wohnungen sei mit rund 4500 Euro pro Quadratmeter mehr als doppelt so hoch wie im Chemnitzer Durchschnitt, meldet Knews Media. Dennoch seien alle Eigentumswohnungen schon seit Monaten verkauft.

Im einstigen Tanzsaal sind Galeriewohnungen untergebracht. (Plan: GRK Wohninvest GmbH)

Dass dieser frühere Palast für Proletarier*innen nun ziemlich exklusives Wohneigentum enthalten wird, mutet natürlich etwas seltsam an. Immerhin kann so das Bauwerk, das zur Geschichte der Stadt gehört und die Szenerie um den Pelzmühlenteich mitprägt, erhalten werden. Die Fassaden sollen in alter Pracht aufleuchten. Sie bestimmen auch die Dimensionierung mancher Wohnungen. Einige weisen Raumhöhen von bis 8,50 Metern auf. Sie befinden sich hinter dem Portikus im früheren Tanzsaal mit der Rosettendecke und den großen Fenstern, die so unbeeinträchtigt bleiben. In anderen Teilen des Palastes werden Zwischenebenen eingezogen. Weitere Besonderheiten sind ein Penthouse auf dem früheren Bühnenturm, dem höchsten Bauteil, sowie zwei an der Vorderfront aufgesetzte Wohnungen, von deren üppig dimensionierter Dachterrasse man einen wunderbaren Blick in die Landschaft hat. Die Fertigstellung dieser Transformation ist auf Ende 2024 geplant.

Neben dem Kulturpalast ist eine Altersresidenz geplant. (Visualisierung: GRK Wohninvest GmbH)

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