Akropolis in Künzelsau

Carsten Sauerbrei
21. July 2017
Das Obergeschoss des in eine kleine Anhöhe eingebetteten «Carmen Würth Forums» thront über der flachen und weiten Landschaft. (Bild: Simon Menges)
Am 18. Juli eröffnete am Stammsitz des Schraubenhändlers Würth das «Carmen Würth Forum», ein von David Chipperfield geplantes, im äußeren Erscheinungsbild antikisch inspiriertes Veranstaltungszentrum.
Ein Veranstaltungszentrum mit «Convention hall», Kammermusiksaal und Open-Air-Gelände mitten in der Provinz im Nordosten Baden-Württembergs – das ist mehr als ungewöhnlich und entstand auch nur dank der von Reinhold Würth am Stammsitz seines Unternehmens investierten 60 Millionen Euro. David Chipperfield, der vor zehn Jahren den anonymen Einladungswettbewerb für sich entscheiden konnte, wählte für das äußere Erscheinungsbild des nach der Ehefrau Reinhold Würths, Carmen benannten Gebäudekomplexes einen antikisch inspirierten Funktionalismus, wie er ihn auch für andere Kulturbauten, so das Essener Folkwang Museum verwendete.
Ein von Stützwänden flankierter, eleganter Vorplatz öffnet das Veranstaltungszentrum zur Umgebung. (Bild: Simon Menges)
«Wir haben einfach eine Art Akropolis gebaut. Das Gebäude ist sehr flexibel – ein Kulturzentrum auf einem Firmengelände. Es sollte nicht zu künstlich aussehen und eine natürliche Ausdehnung haben – wie das Unternehmen, für das es gebaut ist», erklärt David Chipperfield im Beitrag des Deutschlandfunks seine Entwurfsidee. Die Assoziation an die Akropolis entsteht tatsächlich, da das zweite, rundum verglaste und sehr gleichmäßig gegliederte Obergeschoss des Kulturzentrums sich aus der als Bauplatz ausgewählten kleine Anhöhe heraus über die weite und flache Landschaft erhebt. Das Erdgeschoss bettete David Chipperfield dagegen in die Anhöhe ein und öffnete es mit einem, den Vorplatz aufnehmenden Geländeeinschnitt zur Umgebung. Den an einen Ehrenhof erinnernden Platz prägen flankierende Stützwände, die aus lagenweise eingebrachtem Ortbeton bestehen, und die ruhig symmetrisch gegliederte und räumlich gestaffelt aufgebaute Eingangsfront.
Das heterogene Erscheinungsbild der Veranstaltungshalle dominiert der Gegensatz zwischen intensiv unternehmensfarbenem Fußboden und zurückhaltend grauer Decke. (Bild: Simon Menges)
Nicht ganz so elegant zurückhaltend gestaltet präsentieren sich dagegen die von der Unternehmensfarbe, einem intensivem Rot geprägten Innenräume des Veranstaltungszentrums. Über das Foyer, das mit einem auffallend Würth-roten Fußboden ausgestattet wurde, erreichen Besucher die für bis zu 3.500 Personen ausgelegte Veranstaltungshalle, die stützenfrei von einer Stahlfachwerkkonstruktion überspannt wird. Auch in dieser Halle, die sowohl für firmeninterne Veranstaltungen, aber auch Konzerte genutzt werden soll, findet sich der unternehmensfarbene Fußboden, der einen starken Kontrast zur grauen Decke bildet.
Mit intensiv roter Bestuhlung und einer stark gemaserten Nussbaumauskleidung präsentiert sich der Kammermusiksaal. (Bild: Simon Menges)
Im vollständig in die Erde eingegrabenen Kammermusiksaal für bis zu 600 Gäste setzt sich die heterogene Innenraumgestaltung mit der Auskleidung mit stark gemasertem Nussbaumholz und intensiv roter Bestuhlung fort. Nach diesem gelungen in die Landschaft integrierten und im Äußeren markant und dennoch elegant geformten Gebäude des ersten Bauabschnitts darf man sich zwar auf den zweiten mit Konferenzzentrum und Museum freuen, muss aber auch abermals Würth-rote Innenräume befürchten.

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