Zentral forschen

IfuH Architekten mit CKRS Architekten und roedig . schop architekten bda
26. February 2020
Haupteingang (Foto: Stefan Müller)

Für die Jowat AG haben IfuH Architekten, CKRS Architekten und roedig . schop architekten ein neues Forschungsgebäude entworfen. Christoph Roedig, Daniel Rozynski und Philipp Koch beantworten unsere Fragen zum Projekt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Das mittelständische Familienunternehmen Jowat AG gehört zu den weltweit führenden Klebstoffherstellern. In dem Neubau des Innovations- und Anwendungszentrums werden die bisher über Detmold verteilten Forschungseinrichtungen des Unternehmens an einem Standort zusammengefasst. Erstmalig hat sich die Firma bei einem Neubau für eine nachhaltigen Bauweise in Holz interessiert – das neue Gebäude soll die Firmenidentität in den öffentlichen Raum tragen.

Teilansicht Haupteingang (Foto: Stefan Müller)
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?

Die Firma suchte für ihre Erweiterung erstmalig nach einem Neubauentwurf, der neben den funktionalen Anforderungen eine Firmenphilosophie widerspiegelt und das Unternehmen nach außen repräsentiert. Das Grundstück liegt direkt an der B239 und am Ortseingang der westfälischen Residenz- und Hochschulstadt Detmold, das Gelände fällt von der Bundesstraße nach Norden um einen Meter ab. Der Höhenunterschied wird durch einen umlaufenden Sockel aus Betonplatten aufgenommen, wodurch die Zugänge im Erdgeschoss und die Innenbereiche barrierefrei sind. Das Motiv eines umlaufenden Sockels wird im überhöhten Dachkranz aus Seekieferplatten wiederholt. Dazwischen liegt das verglaste Gebäudevolumen mit dem Vorhang aus Holzstaketen.

Holztreppe im Foyer (Foto: Stefan Müller)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Für den Entwurf erhielten wir ein sehr detailliertes Raumprogramm. Der Bauherr hatte bereits genaue Vorstellungen von den Funktionen, den notwendigen Flächen und den Abläufen. Unsere Aufgabe war es, dieses Raumprogramm in die Holzkonstruktion und die technischen Anforderungen an Brandschutz, Arbeitsschutz, Schallschutz etc. einzupassen, die Räume zu bilden und das Innenleben in die Gebäudehülle zu übertragen. Das kooperative Planungs- und Bauausführungsverfahren mit den Architekten und die kontinuierliche Kosten- und Zielkontrolle ermöglichten einen reibungslosen Ablauf des Projektes. Dies beinhaltete die strukturierte Vorplanung und termingerechte Abstimmung vor Baubeginn ebenso wie wöchentliche Besprechungen und tägliche Kurzbesprechungen. Leitdetails wurden miteinander abgestimmt, Änderungen gemeinsam beschlossen und herausfordernde Punkte – zum Beispiel die Kopf- und Fußpunkte der Staketen – gemeinsam mit den Ausführenden und Planern optimiert.

Teilbares Audimax für 195 Personen (Foto: Stefan Müller) 
Besuchergalerie im 1. Obergeschoss (Foto: Stefan Müller) 
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?

Die erste Entwurfsidee zur Holzfassade mit schräg gestellten Stützen, die an eine Struktur aus „Klebefäden“ zwischen zwei Körpern erinnert, bildete über den gesamten Entwurfs- und Ausführungsprozess das Leitbild für das Gebäude. Hier war es für alle Beteiligten besonders spannend von einer ersten abstrakten Idee bis hin zur baulich detaillierten Umsetzung den Entwurfsgedanken zu verfolgen.

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Gerade im Holzbau ist das Kleben und Fügen ein zentraler Bestandteil moderner Konstruktionen. So demonstriert das Gebäude mit seiner Bauart die Kernkompetenz der JOWAT AG. Ebenso zeigen die weit gespannten stützenfreien Tragwerke die Leistungsfähigkeiten des Werkstoffes Holz und leisten schon fast selbstverständlich einen wertvollen Beitrag zum nachhaltigen Bauen.

 Labor (Foto: Stefan Müller) 
Laborräume (Foto: Stefan Müller) 
Haupteingang mit rechterhand Audimax (Foto: Stefan Müller) 
Lageplan (Zeichnung: IfuH Architekten, CKRS Architekten, roedig . schop architekten bda)
Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: IfuH Architekten, CKRS Architekten, roedig . schop architekten bda)
Schnitte (Zeichnungen: IfuH Architekten, CKRS Architekten, roedig . schop architekten bda)
Haus der Technik
2018
Ernst-Hilker-Straße 10-14
32758 Detmold
 
Nutzung
Forschungs- und Schulungszentrum, Büro, Labor
 
Auftragsart
Direktbeauftragung als NU von Ed. Züblin AG
 
Bauherrschaft
Jowat SE, Detmold
 
Architektur
IfuH – Institut für urbanen Holzbau, mit CKRS und roedig . schop architekten, Berlin
Mitarbeiter: Robert Marte, Marin Balabanov, Matthias Weyrauch, Radu Slach, Nadina Dienel
 
Fachplaner
Projektsteuerer: Specht Bauconsulting, Karlsruhe
Tragwerksplanung und Bauphysik: B. Walter Ingenieurges. mbH, Aachen
TGA (HLS): Planungsbüro Heinz Kluge, Ettlingen
TGA (Elektro, MSR): Schlindwein Planungsbüro für Elektro, Bruchsal
Freianlagen: HochC Landschaftsarchitektur, Berlin
Brandschutz: Eberl-Pacan Architekten + Ingenieure Brandschutz, Berlin
Laborgeräte: Waldner Laboreinrichtungen GmbH, Berlin
 
Bauleitung
Ed. Züblin AG, Stuttgart
 
Kunst am Bau
Studentenwettbewerb für Eingangs- und Empfangsbereich, eine Ausstellungsfläche und Bistrobereich. TH Ostwestfalen-Lippe

Ausführende Firmen
Ed. Züblin AG, Züblin Timber
 
Hersteller
Züblin Timber GmbH (Brettsperrholz Leno® und Brettschichtholz)
 
Energiestandard
EnEV 2014, Nichtwohngebäude
 
Bruttogeschossfläche
4.996 m² (BGFa)
 
Gebäudevolumen
23.608 m³ (BRIa)
 
Gebäudekosten
300-400-er brutto: ca. 6.000.000 €
 
Gesamtkosten
300-700-er brutto: 8.000.000 €
 
Auszeichnung
DA! Berlin 2020
 
Fotos
Stefan Josef Müller, Berlin

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