Hauptverwaltung und R&D- und Schulungszentrum

Farbe im Herzen

GKK+Architekten 
7. June 2017
Eine frei spannende Brücke verbindet das bestehende Schulungszentrum mit dem Neubau
GKK+Architekten haben ihr viertes Projekt für den japanischen Roboterhersteller FANUC in Neuhausen fertiggestellt. Oliver Kühn beantwortet anhand von Zeichnungen und Fotos unsere sieben Fragen.
Projekt: FANUC Akademie | Architektur: GKK+Architekten, Oliver Kühn, Berlin | Bauherr: FANUC Deutschland GmbH | Nutzung: Industrie, Büro | vollständige Bautafel siehe unten
Außen robotergrau, innen farbenfroh mit dem CI-gelb des Unternehmens
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
10 Jahre nachdem wir den Neubau der Hauptverwaltung realisiert hatten, machte die wachsenden Nachfrage nach Schulungen im Bereich Handling und Roboterprogrammierung den Neubau einer Firmen-Akademie erforderlich. Dazu haben wir konzeptionell so unterschiedliche Funktionen wie acht Meter hohe und eher industriell anmutende Applikationsräume, sowie Verwaltungsbereiche und Konferenzräume mit einem Gästehaus mit Empfang, Restaurant und ca. 70 Hotelzimmern wie bei einem Sandwich überlagert. Im Ergebnis entstanden hybride Räume, die Synergien erzeugen, die es vorher im Unternehmen nicht gab.
Hauptverwaltung und R&D- und Schulungszentrum (2016), rechterhand der erste Bauabschnitt (2005)
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Für die äußere Gestaltung inspirierte uns die Robotertechnologie, an der nichts Überflüssiges ist: präzisen Ausrundungen, große Formaten und serielle Elementen formen die silbrig schimmernde Metallfassade. Im Inneren setzen wir mit kräftigen Farben und organischen Materialien einen visuellen Kontrapunkt. Hier sorgen Holzböden, Teppiche und bequeme Designobjekte für beinahe wohnliche Momente.

Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Die Akademie wurde mit einer frei spannenden Brücke mit der Hauptverwaltung verbunden und bildet funktional und gestalterisch ein stimmiges Ensemble. Am Ortseingang stehend, bildet es einen kraftvollen städtebaulichen Akzent in dem von Technologieunternehmen geprägten Neuhausen.
Anhand des CI-Gelbs orientiert man sich auch im Gebäude
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Die konkreten Vorgaben der Bauherren beschränkten sich auf die CI-Farbe Gelb, die wir innen immer wieder eingesetzt haben– ob an Wänden oder Säulen oder im Rahmen des Orientierungssystems, beispielsweise als Farbe für die Zimmernummerierung. Im Detail kamen dann natürlich Einzelvorgaben der Nutzer, insbesondere bei der Bestückung der Schulungs- und Applikationsräume mit Auslässen und Anlagentechnik hinzu.

Wichtig war uns aber auch der Bezug zu Japan als Heimat des Unternehmens, die in einer Vielfalt an Details im Inneren des Gebäudes subtil zum Vorschein tritt – zum Beispiel in Form der Holzlamellenwände, der mit Ornamenten verzierten Glasflächen oder in der Gartengestaltung.
Designmöbel und Teppiche machen die Innenräume wohnlicher
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
Die ursprünglich vorgesehene Zahl der Hotelzimmer hat sich von 35 auf 70 erhöht, wodurch das Hotelgeschoss auf der ganzen Fläche des darunter liegenden Schulungsgeschosses realisiert wurde.

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Der Ausgangspunkt unserer Architektur ist die Funktion, die sich immer auch in der jeweils besten konstruktiven, technischen und energetischen Konstruktion widerspiegelt. In diesem Fall überspannt eine Plattengründung den lehmigen Untergrund, die Fassaden sind wie eine Karosserie ohne sichtbare Details. Bauteilaktivierung, Nachtabkühlung und Wärmetausch temperieren das Gebäude, während aus der Regenwasserrückhaltung die Freianlagen bewässert werden.
Hotelzimmer
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Das Nebeneinander der metallischen Gebäudehülle und der geschwungenen Glaseingangsfassade verleiht dem Gebäude seinen hohen Wiedererkennungswert. Im Inneren steigern die kräftigen Wandfarben das Markenerlebnis, während die weichen, organischen Oberflächen und die dazu passenden Möbel einen Komfortwert erzeugen, der den Besuch einer Schulung zu einem Ereignis macht.
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnitt
Projekt
FANUC Akademie
Bernhäuser Straße 36-38
73765 Neuhausen a.d.F.

Nutzung
Hauptverwaltung und R&D- und Schulungszentrum

Auftragsart
Direktbeauftragung

Bauherr
FANUC Deutschland GmbH

​Architektur
GKK+Architekten, Oliver Kühn, Berlin
Mitarbeiter/innen: Markus Funke, Marlene Treheux, Laura Lebski, Roland Lipusz, Alexander Moritz, Mirco Rubba, Assaf Ruder, Martino Sacchi

Fachplaner
Haustechnik: Ebert Ingenieure GmbH, Berlin
Tragwerksplanung LPH1-4: B+G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH, Frankfurt am Main
Tragwerksplanung LPH 5: TBU Ingenieurbüro GmbH, München
Freiraumplanung: Plateau Landschaftsarchitekten, Berlin
Fassadenplanung: Metallbau Korsche GmbH & Co. KG
Ausbau: Jäger Ausbau GmbH & Co. Rhein-Main, Wölfersheim

Bauleitung
Martin Mattheus, Jochen Haage, Axel Ramge

Kunst am Bau Autor
Prof. Swantje Kühn
Entwurf Grafik und japanische Glasprints 

Ausführende Firmen
Fassade: Metallbau Korsche GmbH & Co. KG, Weiden
Rohbau: Wollf & Müller, Stuttgart
Ausbau: Jäger Ausbau GmbH, Wölfersheim
Küchenbauer: Hugentobler, Schönbühl
Bäder: Tairos Fertigbad GmbH, Salzwedel
Haustechnik: Prinzing Elektrotechnik GmbH, Salach
Freianlagen: Bietigheimer Gartengestaltung GmbH, Tamm

Produkte/Hersteller
Bodenbeläge: Carpet Concept, Agrob Buchtal, Xeno, Köster, Sika, Kährs, Kermos​ | Wände: Alsecco, Eurodeco, Jaeger | Fassaden: Korsche, Schüco | Rolläden, Jalousien, Sonnenschutz: Warema, Colt, Renson | Deckensystem: Durlum, Knauf | Möblierung: Vitra, Arper, Klöber, Brune, Brunner, Lapalma, Offecct, Plycollection | Trennwandsysteme: Kemmlit | Türen: Neuform | Textilien: Kvadrat, Object Carpet | Beschläge: FSB | Sanitärkeramik: Duravit, Ideal Standard | Armaturen: Grohe, Hansgrohe | Lichtschalter: Jung

Energiestandard
EnEV

Bruttogeschossfläche
8.620 m² BGF A

Gebäudevolumen
45.940 m³

Kubikmeterpreis
ca. 370 €/m³

Gebäudekosten
ca. 17.000.000 €

Gesamtkosten
ca. 20 .000.000 €

Fertigstellung
​2016

Fotos
Alberto Ferrero, Mailand
 
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