Landtag Baden-Württemberg

Stuttgart
© Marcus Ebener
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Lichtplaner
LICHT KUNST LICHT
Standort
Stuttgart
Jahr
2016
Kosten
1 Mio. – 100 Mio.
Bauherrschaft
Land Baden-Württemberg vertreten durch den Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg
Team
Benjamin Dorff, Tanja Baum, Maik Czarniak
Architekten
Staab Architekten GmbH, Berlin

Für die Generalsanierung des Landtagsgebäudes in Stuttgart hatte die Staat¬liche Vermögens- und Hochbauverwaltung Baden-Württemberg zwei auf den ersten Blick schwer vereinbare Ziele gesetzt: Einerseits musste die Denkmaleigenschaft des Baus unbedingt erhalten bleiben, andererseits sollte der vorher ausschließlich künstlich beleuchtete Plenarsaal für das Tageslicht geöffnet werden. In enger Kooperation haben Staab Architekten und Licht Kunst Licht eine elegante Lösung entwickelt, die das äußere Erscheinungsbild des Gebäudekubus aus Glas und Bronze nicht verändert, aber natürliches Licht auch in sein Zentrum holt. In den übrigen Bereichen des Landtags zelebriert ein durchgehend LED-basiertes Beleuchtungskonzept den stilvollen Umgang mit der Nachkriegsmoderne.

Der vorher fensterlose und introvertierte Raum des Plenarsaals wurde für das Tageslicht geöffnet und durch die partielle Öffnung des Daches ein spürbarer Eintrag natürlichen Lichts und direkter Außenbezug erreicht. Dazu wurden 12 große kreisrunde Oberlichter mit einem Durchmesser von 2,60 Meter und 36 kleine mit einem Durchmesser von 0,80 Meter bündig in das Flachdach eingesetzt.

Das natürliche Licht wird durch ein innovatives Tageslichtsystem transportiert und über eine transluzente, sati-nierte Decke aus Kunststoffpaneelen in den neuneckigen Raum eingekoppelt. Dafür befinden sich direkt unterhalb der Oberlichter großformatige Kunststoffröhren, die bei den kleinen als kurze Zylinder und bei den großen Oberlichtern als lange, sich nach unten verjüngende Kegelstümpfe ausgeführt sind. Die Zylinder sind mit hochre¬flektiver Folie ausgekleidet. Sie enden etwa 50 cm unterhalb der Oberlichter und transportieren das Tageslicht gleichmäßig in den Deckenzwischenraum. Im Gegensatz dazu reichen die großen, konischen Tageslichtöffnungen ganz hinab zur Lichtdecke, wo sie von klaren Scheiben abgeschlossen werden; diese wiederum sind als transparente Kreise in die satinierte Lichtdecke eingebettet. Die Wandung der Kegelstümpfe ist von der Innenseite mit einer glatten und leicht spiegelnden Oberfläche versehen, während der Außenseite durch ein spezielles Lackierungsverfahren ein opaler Charakter verliehen wurde. So werden leuchtende Volumen im Deckenzwischenraum generiert, die der Decke Lebendigkeit und Tiefe verleihen.

Im Ergebnis gelangt das natürliche Licht als Mischung einer diffusen und direkten Komponente in den neuneckigen Plenarsaal. Die klaren Abschlussscheiben der Kegel setzen dabei markante Lichtschwerpunkte, aber sie bereichern den Raum auch in umgekehrte Richtung, denn sie erlauben direkte Ausblicke auf den Him-mel über Stuttgart. Der Clou: Von jedem Sitzplatz aus ist die direkte und weitest¬gehend ungehinderte Sichtverbindung zum Himmel gewährleistet; das konisch zulaufende Detail der Lichtöffnungen verkürzt dabei optisch die Deckenstärke und scheint den Himmel an die Kante der Lichtdecke heranzuführen.

Mit dem Tageslichtsystem lassen sich im Plenarsaal vitale Lichtstimmungen bei mittleren Beleuchtungsstärken zwischen 150 Lux an trüben und über 800 Lux an klaren, sonnigen Tagen generieren. Bedarfsgerecht kann jederzeit LED-Licht mit einstellbarer Farbtemperatur zwischen 2.700 Kelvin und 6.500 Kelvin das Tages¬licht ergänzen bzw. in den Abendstunden allein die Regie übernehmen. Dafür wurden lineare LED-Leuchten
wie Schaufeln einer Turbine ringförmig um die Ta¬geslichttrichter und -zylinder angeordnet und um 30° in ihre Richtung angekippt.

Die Lichtplaner fanden in mehreren Nutzungsbereichen des Gebäudes Bestandslösungen vor, deren atmosphärische Wirkung eher respektvolle Updates denn Veränderung nahelegte. Im Interesse von Energieeffi¬zienz und Lichtqualität brachten sie in diesen Fällen die Technik auf den neuesten Stand, bewahrten aber den Charme der vorhandenen Lösung. Ein gutes Beispiel für eine solche Situation ist die Wandelhalle, die das erste und zweite Obergeschoss überspannt. Mit ihrer Zoniertheit und Schlichtheit entfaltete die bestehende Lichtlösung hier so viel Charisma, dass sie übernommen wurde. So blieben die aus den umlaufenden Büros generierte Indirektbeleuchtung sowie die der Außenwand des Plenarsaals folgende Lichtvoute auch im neuen Konzept erhalten.

Im Foyer wurde im Zuge der Neuplanungen das strenge Raster der Deckenleuch¬ten beibehalten, aber symmetrisch auf die Säulen abgestimmt. Die vorher sehr präsenten Leuchten wurden gegen quadratische Decken-Einbauleuchten mit prismatischer Abdeckung ausgetauscht. Diese integrieren sich ruhig und unauf-dringlich in das Deckenbild, generieren aber druckvolles und gerichtetes Licht.

Bei einer so konsequent transparenten Gebäudehülle wie am Landtag definiert die Innenraumbeleuchtung die Außenwahrnehmung des Gebäudes natürlich ganz wesentlich mit. So ist die räumliche Dramaturgie des Hauses auch bei Dunkelheit gut ablesbar: Die Bronzeverkleidung und die getönten Scheiben fassen die beiden Obergeschosse zu einem kraftvollen Kubus zusammen, der über dem zurückgesetzten, farblos verglasten Erdgeschoss zu schweben scheint. Die mit Licht inszenierten Wände der Treppenhausblöcke im Erdgeschoss und die Außenwand des Plenarsaals in den Obergeschossen betonen zusätzlich die von innen herausleuchtende Wirkung des Hauses.

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