Kunstmuseum Celle

Celle
Ausstellungsraum
Foto © Roland Halbe
 
 
Eingangsbereich
Foto © Roland Halbe
 
 
Nachts wird die Fassade hinterleuchtet...
Foto © Roland Halbe
 
 
...und erstrahlt in verschiedenen Farbtönen
Foto © Roland Halbe
 
 
Ausstellungsraum
Foto © Roland Halbe
 
 
Eingangsbereich
Foto © Roland Halbe
 
 
Architekten
ahrens & grabenhorst architekten stadtplaner BDA
Jahr
2006
Stockwerke
1–5 Stockwerke

Der Wahl des architektonisch-städtebaulichen Ausdruckes kommt eine zentrale Bedeutung zu – die Adresse „Schlossplatz“ verpflichtet zu einer genauen stadträumlichen Analyse im Kontext der historischen Altstadt von Celle.

Der Altstadtgrundriss zeigt im mittleren und östlichen Kernbereich deutlich die dichte, homogene Struktur von fast durchgängig erhaltenen Fachwerkhäusern des 16. und 17. Jahrhunderts, während der westliche Bereich vom – erhöht liegenden – Celler Schloss mit den zugehörigen Park- und Grünanlagen beherrscht wird. Wichtige Straßen (Stechbahn, Rundestraße) verlaufen in ostwestlicher Richtung und verbinden den Stadtkern mit der Schlossanlage. Der bauliche Abschluss des Kernbereiches zum Schloss erfolgt über die am Schlossplatz präzise eingefügten Baukörper, die mit ihren Fassaden in nordsüdlicher Richtung einen städtebaulich klar ausformulierten Übergang zum Schloss, eine „Stadtkante“ definieren.

Vom Oberlandesgericht im Norden bis zum Sparkassenneubau im Süden finden sich an dieser Stadtkante ausnahmslos Gebäude von öffentlicher und gesellschaftlicher Bedeutung. Jedes einzelne weist dabei sehr eigenständige architektonische Besonderheiten auf, die auf seine Entstehungszeit und „Haltung“ der Bauherren verweisen. Unterschiedliche Baustile prägen hier den Stadtraum und verweisen immer auch auf die besonderen Beziehungen zwischen Bürgertum und Residenz.

Auffällig an dieser einmaligen stadträumlichen Situation ist die Tatsache, dass alle sich vis-à-vis des Schlosses präsentierenden Bauten nicht in der sonst typischen Celler Fachwerkbauweise errichtet sind, sondern „höherwertige“ Materialien wie farbigen Putz und Sandstein verwenden. Auch die anzutreffenden Dachformen verweigern sich einer durchgängigen Gestaltung (insbesondere Trauf- und Firsthöhen, Dachneigungen und Walme), unterstützen eher den solitären Charakter der einzelnen Gebäude und verweisen eben wieder auf die einzigartige Stellung im Stadtgefüge.

Aufbauend auf der hier beschriebenen stadträumlichen Analyse folgt der Entwurf für die Erweiterung des Kunstmuseums den historischen Entwicklungsschritten. Der inhaltlichen Bedeutung des Kunstmuseum entsprechend wird der Schlossplatz um einen weiteren eigenständigen, mit modernen Baumaterialien konzipierten Baukörper ergänzt. Er versteht sich dabei nicht als unabhängiger Einzelbaustein, sondern schafft in seiner äußeren Gestaltung Bezüge zum Gesamtensemble des Bomann-Museums einschließlich seiner Erweiterung Anfang der 1990er Jahre.

Der ca. 10x10x10m große Kubus nimmt die Traufhöhen und Gebäudefluchten des Bomann-Museums und der vorhandenen Erweiterung auf. Die Fassadengestaltung unternimmt nicht den Versuch, vorhandene architektonische Stilelemente fortzuführen, sondern schafft durch die Reduktion des eingesetzten Materials einen spannungsvollen Dialog zwischen Altem und Neuem. Gleichmäßig reflektierende Oberflächen aus Klar- und Weißmattgläsern – präzise, ohne Glashalteleisten, sichtbare Befestigungen oder Blechabdeckungen in einer Ebene eingefügt – lassen die Umgebung in Abhängigkeit von Licht und Witterung widerscheinen. Die konzeptionelle Kompositionsstruktur besteht aus Fläche, Linie und Volumen.

Die auf Straßenniveau liegende, ca. 3m hohe und jeweils um die Gebäudeecken herumgeführte Verglasung aus Klarglas signalisiert die Öffnung des Hauses, den Eingang, und korrespondiert im Kontrast mit dem Sandsteinsockel des Altbaus. An der Gebäudeecke zum Altbau werden im oberen Fassadenbereich Öffnungen aus Klarglas gesetzt, die Ausblicke in Richtung Schloss ermöglichen und die räumliche Enge zwischen Erweiterung und Altbau spannungsvoll inszenieren.

Die gesamte Fassade wird zweischalig ausgebildet. Bei Dunkelheit werden die Glasflächen weiß hinterleuchtet. LED-Lichtleisten ermöglichen computergesteuerte Lichtanimationen im gesamten Farbspektrum. Zu besonderen Anlässen, Ausstellungseröffnungen oder Stadtfesten wird der Kubus in unterschiedlichen Farbtönen oder Lichtarrangements inszeniert.

Bauherrschaft
Kunst Stiftung Celle