„Etz Chaim“ – Gemeindezentrum und Synagoge

Hannover
Außenperspektive
Foto © Roland Halbe
 
 
Eingangssituation
Foto © Roland Halbe
 
 
Innenhof
Foto © Roland Halbe
 
 
Synagogenraum mit Toraschrein
Foto © Roland Halbe
 
 
Architekten
ahrens & grabenhorst architekten stadtplaner BDA
Jahr
2009
Stockwerke
1–5 Stockwerke

Neues Jüdisches Leben in ehemaliger Kirche

Nach zweieinhalbjähriger Planungs- und Bauzeit wurde das neue Gemeindezentrum der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover „Etz Chaim – Baum des Lebens“ am 25.01.2009 in Hannover-Leinhausen seiner Bestimmung übergeben. Zum zweiten Mal wurde in Deutschland ein ehemaliges Kirchengebäude zu einem jüdischen Gemeindezentrum mit Synagoge umgebaut. Den Architekten wurde die Aufgabe übertragen, das 1968 fertiggestellte Gebäudeensemble der Gustav-Adolf-Kirchengemeinde in ein modernes und zugleich hohen energetischen Anforderungen genügendes Zentrum für jüdisches Leben in Hannover umzugestalten.

Für die stetig wachsende, über 600 Mitglieder zählende Gemeinde ist ein Ort entstanden, der zugleich außer-alltäglich und einladend ist und sich selbstbewusst in Stadtbild und Gesellschaft präsentiert. Den Architekten ist es gelungen, eine außergewöhnliche sakrale Stimmung zum Ausdruck zu bringen. Raumproportionen, Material, Licht- und Farbgebung verdichten sich im Spannungsfeld zwischen Moderne und Tradition zu einer Ästhetik, die dem Selbstverständnis der Liberalen Jüdischen Gemeinde in hohem Maße entspricht.

Architektonische und baukonstruktive Erläuterungen

Im Mittelpunkt der Planungen stand die räumlich-architektonische Ausformulierung des Synagogenraumes im 1. Obergeschoss. Hinterleuchtete, auf weiß lackierten Einbauschränken aufgelagerte Textilglaswände umhüllen den annähernd quadratischen, 7m hohen Raum auf drei Seiten und fokussieren ihn auf den östlich anschließenden Toraraum.

Durch drei Stufen leicht erhöht findet der Raum hier mit dem Gold-Aluminiumblech beschichteten Toraschrank seinen sakralen Mittelpunkt. Für die Blechverkleidung wurde ein Ornamentmuster aus dem Davidstern entwickelt, das sich in der freistehenden vorgesetzten Fassade am Haupteingang zur Synagoge wiederfindet und die axiale Raumfolge vom Eingang bis zum Toraschrank deutlich macht. Die Gesamtausstattung wird durch von den Architekten entworfene rituelle Gegenstände wie Menora, Hanukia, Bima, Toravorhang und Ewiges Licht akzentuiert.

Um die sakral-mystische Raumwirkung der Synagoge zu erzielen, wurden 4,20m hohe ESG-Glasscheiben mit 36 Bahnen aus weißem Hafttextil bespannt. Der 35cm breite Abstand zwischen den umfassenden Wänden und den Textil-Oberflächen wird über eine dimmbare LED-Lichtleiste am Fußpunkt der Konstruktion ausgeleuchtet.

Die textile Oberfläche bricht das Licht und taucht den Raum in eine samtweiche, unendlich wirkende Lichtstimmung. Raumdimensionen werden gebrochen, Begrenzungen verschwinden, die Decke scheint über dem Raum zu schweben...

Auf der ehemaligen Empore des Kirchenraumes wurde mit der zweigeschossigen Bibliothek ein weiterer räumlicher Höhepunkt realisiert. Fünf Meter hohe Wände aus Bücherregalen umfassen den 80qm großen Leseraum. Eine Galerieebene dient als Umgang und ermöglicht den einfachen Zugriff auf bis zu 10.000 Buchtitel.

Zum Gemeindezentrum gehören das zentral am Innenhof gelegene Cafe, ein großer Veranstaltungsraum, Büro- und Jugendräume, die jüdische Kindertagesstätte „Tamar“ sowie eine Haumeisterwohnung.

In der Gesamtgestaltung findet sich durchgängig ein einfaches Leitmotiv: schlichte, weiß verputzte Wandflächen und dunkle Naturstein-, Werkstein- oder Linoleumböden reduzieren den Raum auf sich selbst. Ein zurückhaltender Duktus, der lebendiges Gemeindeleben und die Menschen in den Vordergrund stellt. Türen und Fenster sind anthrazit-schwarz abgesetzt, kontrastieren zum Raum und machen Bewegung deutlich.

Das alljährlich zelebrierte Laubenhüttenfest findet im Innenhof statt, der mit weiß-anthrazit ornamentiertem Pflaster belegt wurde – die 40 Jahre alte schattenspendende Kastanie wurde sorgsam in die Freiraumgestaltung einbezogen.

Mehr Informationen unter: http://www.ahrensgrabenhorst.de/projekte/kultur/liberale-juedische-gemeinde-hannover/

Bauherrschaft
Stiftung Liberales Judentum Hannover