Foto © Dieter Leistner
Foto © Engelhard Selin
Foto © Peter Slansky
Foto © Peter Slansky
Foto © Peter Slansky
Foto © Ulrich Schwarz

Hochschule für Fernsehen und Film

 Zurück zur Projektliste
  • Universitäten
Adresse
Gabelsbergerstraße 33, 80333 München
Jahr
2011

Die außerordentliche städtebauliche Situation mit dem großen freien Platz vor der Alten Pinakothek legte es nahe, diesen Platz mit einem großzügigen, ruhigen Baukörper im Süden zu schließen, der in etwa die Proportion der alten Pinakothek aufnimmt, die vis-à-vis im Norden des Neubaus liegt. Entsprechend den seitlichen Betonungen der Alten Pinakothek mit ihren platzbegrenzenden Risaliten und Baumalleen befinden sich im Osten des Neubaus der Eingang in die Fernseh- und Filmhochschule und im Westen der Eingang zum ägyptischen Museum, welches wie eine Ausgrabungsstätte unter dem wiesenbedeckten Vorplatz vergraben liegt.

Mit dem Foyer als große Öffnung im steinernen Sockel des Gebäudes wird auch das öffentliche Publikum eingeladen, die vielen Einrichtungen und Veranstaltungen wie Bibliothek, Filmvorführungen, Vorträge, Feste und dergleichen zu nutzen. Der öffentliche Platzraum setzt sich im Gebäude fort, wo er umgeben wird von Kinosälen, Seminarräumen, der Cafeteria und einer Bibliothek. Im Gegensatz zum extrovertierten Foyer liegen die Studios im geschützten Betonsockel, um hier eine konzentriertes und geschütztes Arbeiten zu gewährleisten. In den gläsernen Obergeschossen sind kleinere Büros und büroähnliche Nutzungen untergebracht.

Hochschule für Fernsehen und Film
Museum Ägyptischer Kunst München

"Ausgangspunkt jeder Planung an diesem Ort, mitten im Kunstareal München, muss natürlich der schöne und faszinierend großzügige Städtebau der Maxvorstadt sein. Dieser Geist, mit dem Leo von Klenze hier die großen Platzräume geschaffen hat, beeindruckt uns heute nach wie vor und bietet viele Entwicklungsmöglichkeiten. Diesen Geist in die heutige Zeit zu überführen, die Stadt hier in diesem Sinne weiterzubauen, also weder zu rekonstruieren, noch das Neue in Kontrast zum Alten zu stellen, das war mein Leitgedanke.

So war zum Beispiel die Wiederherstellung der alten Baulinie für mich nicht sehr wichtig, vielmehr wollte ich einen sehr einfachen und harmonischen Stadtraum schaffen, indem ich dem Klenzebau ein in den Dimensionen sehr ähnlichen modernen Baukörper entgegengesetzt habe. Im Spannungsfeld dieser beiden Bauten sollte die große Wiese ihre besondere Qualität als Stadtraum bekommen.

So entstand die Idee den Hochschulriegel von der Gabelsbergerstraße zurück zu setzten und das Museum für Ägyptische Kunst davor, unter die Platzfläche einzugraben. Seine Präsenz im städtischen Gefüge bekommt es durch eine mächtige Portalwand, die wie eine freistehende Skulptur den Eingang markiert.

Aus dem Bemühen, den Neubau möglichst gut in sein Umfeld einzufügen folgte eine gewisse formale Zurückhaltung, gleichzeitig sollte er jedoch der Alten Pinakothek gegenüber selbstbewusst als adäquates Pendant auftreten.

Bei der Hochschule hat mich vor allem der Kontrast zwischen der hohen 150m langen steinernen Sockelwand und dem darauf liegenden sehr feingliedrigen Glaskörper beschäftigt. Hinter dieser Wand liegen, geschützt vor Lärm und anderen Störungen, die Studios, die Kinos und eine Bibliothek, die sich nach Süden hin mit großen Fenstern öffnet und nach Norden zum Platz hin nur durch sehr schmale Schlitzfenster Bezug aufnimmt.
Am Eingang der Hochschule wird dieser Sockel durchbrochen mit dem Foyer, das wie eine kleine Piazza in den Baukörper eingeschoben ist. Hier herum gruppieren sich die Kinos, die Bibliothek und eine Cafeteria; hier wird auch die Öffentlichkeit eingeladen die verschiedenen Veranstaltungen, Kinos Vorträge Feste zu besuchen und die öffentlichen Einrichtungen zu nutzen.

Besonders freue ich mich über die Qualität des Betons der markanten Sockelwand, über die sehr raue, fast felsige Oberfläche, in der die einzelnen in Tagesabschnitten vergossenen Schichten wie bei einem Aquarell ineinander fließen. Diese besondere Verarbeitung des Betons war bautechnisch und herstellungstechnisch eine große Herausforderung für alle Beteiligten, ein Experiment, denn das Ergebnis war von vielen Zufällen abhängig nur bedingt steuerbar. So steht dieses Material für den Werkstattcharakter des Hauses. Auch die Studenten müssen doch oft in ihrer Arbeit die glatten und eingefahrene Wege verlassen und sich immer wieder auf etwas Neues einlassen, etwas wagen, und dabei keine Mühen scheuen und Risiken in Kauf nehmen. Oft macht gerade das am Ende die künstlerische Dimension ihrer Arbeiten aus.

Im Museum war mein Anliegen für die kostbaren Ausstellungsstücke einen Ort zu schaffen, bei dem die Stimmung alter Tempelanlagen, aus denen sie zum großen Teil stammen, in eine moderne Architektursprache übersetzt wird.

Schon die Wegeführung mit den spannenden Raumfolgen in den alten Tempeln Ägyptens, aber auch anderer Kulturen, hat mich immer schon fasziniert. So habe ich auch hier die dramaturgische Abfolge der einzelnen Räume des Museums zum Thema gemacht.

Der Weg beginnt an einem Vorplatz, der als eine flache Stufenrampe in die große Wiese eingeschnitten ist und in den Untergrund führt. Man steigt zu einer mächtigen Portalwand hinab in der sich als kleine Öffnung am Fußpunkt der Eingang zum Museum befindet.
Anschließend gelangt man in einen sehr niedrig gehaltenen Foyerraum, von wo der Blick in die hohen lichtdurchfluteten Skulpturensäle gelenkt wird, die weitere 3,5m tiefer in die Erde eingegraben sind. Hat man diese durchschritten, folgt eine Reihe in Größe und Proportion sehr unterschiedlicher Themensäle, die mit ihren inszenierten Übergängen von Raum zu Raum, mit ihren immer wieder überraschenden Durchblicken und Lichtstimmungen ihren eigenen Charakter haben.

Das Herzstück des Museums bilden die beiden Skulpturensäle, die über den langgestreckten Innenhof mit Tageslicht versorgt werden. Hier verleit das weiche Licht das durch eine Reihe mächtiger engestellter Stützen fällt, dem Raum seine besondere Atmosphäre.
Diese mit einem Durchmesser von 1,6m sehr massiven Stützen bekommen aufgrund ihres dreieckigen Grundrisses eine sehr feine zarte Kante, wodurch ihre Schwere und Massigkeit vollkommen verwandelt erscheint. Ein ähnliches Verhältnis ist ja auch bei den ägyptischen Vorbildern immer wieder faszinierend, wo die sehr massiven Wände und Säulen oft mit sehr fein gearbeiteten Reliefs überzogen sind.

So hoffe ich, dass die Räume eine Stimmung vermitteln, die den ausgestellten Kunstwerken einen schönen ruhigen und angemessenen Rahmen bildet." Peter Böhm

Baubeginn
2007

Fertigstellung
2011

BGF
20.000 m²

Baugrundstück
23.000 m²

Hauptnutzfläche (HNF)
9.230 m²

Baukosten (gesamt)
99.400.000 €

Andere Projekte von PETER BÖHM ARCHITEKTEN

Lanxess Arena
Köln
Quartier Chronos
Hennef
Staatliches Museum Ägyptischer Kunst
München
Stadthaus "Technisches Rathaus"
Köln
St. Pius X
Hohenstein
Jugendfreizeitstätte „Anna Landsberger“
Berlin Marzahn