Unschuldig

Autor:
Thomas Geuder | Praxis
Veröffentlicht am
Nov. 19, 2013

In Zürichs Innenstadt kann es ab und an ganz schön quirlig zur Sache gehen. Passend dazu bietet das Restaurant «not guilty» eine schnelle Küche, die zu einem glücklichen Leben inspirieren soll. Die Einrichtung dazu gibt es von der Ippolito Fleitz Group aus Stuttgart.
Im Schnell-Restaurant «not guilty» will aus seinen Besuchern glücklichere Menschen machen – und das in einer bereits lebenswertesten Städte der Welt: Zürich. (Foto: not guilty / Paolo Emmanuele) 
«Sind es nicht die kleinen, glücklichen Momente, die unser Leben so lebenswürdig machen?» Mit dieser Frage wendet sich die Restaurant-Kette «not guilty» an ihre (potenziellen) Kunden. Abseits des konventionellen Fast-Foods möchten die Betreiber in ihren Restaurants zwar schnelle, aber auch schmackhafte und natürliche Verpflegung bieten, wobei «natürlich» nicht zwingend Bio heißt, sondern: gute und ehrliche Nahrungsmittel, die im Einklang mit der Natur hergestellt sind, von kleineren Lieferanten, die verantwortungsvoll mit ihrem Land und den Tieren umgehen. Dieses Konzept allein ist ein Spagat, denn die schnelle Essenszubereitung bedeutet meist auch ein hoher Grad an Vorfertigung – oft zu Lasten der Frische. Schnelles und gleichzeitig frisches Essen freilich kennt man allenfalls aus dem asiatischen Raum, nicht aber in der Europäischen Küche. Doch es scheint zu funktionieren, berichtet uns Otto Normalschnellesser, schließlich ist das Restaurant an Zürichs Stauffacherstrasse schon die dritte Filiale.
Ein langer Tisch nebst «Bird Cages» soll die Restaurant-Kunden in den hinteren Sitzbereich führen. (Foto: Zooey Braun) 
Den konzeptuellen Spagat in eine Restaurant-Architektur zu übersetzen, bedeutete für die Planer der Ippolito Fleitz Group aus Stuttgart, den Begriff «Fast-Food» quasi neu zu denken und eine Welt zu schaffen, die eine Harmonie zur Natur ausstrahlt und den Kunden zum Glücklichsein aufruft. Erreicht werden soll das über natürliche Farben und Materialien wie etwa das charakteristische Eichen-Parkett am Boden sowie stilisierte Natur-Themen im Raum wie die Faden-Grafik aus Hanfseilen, die eine Wolkenlandschaft zaubern. Bäume aus Stahlrohren erheben sich in der Mitte des Raums und verteilen ihr Blattwerk als Decke aus Leinengurten im ganzen Raum. Der Raum ist schmal und lang und untergliedert sich in mehrere Zonen: der Verkaufstheke am Eingang, einem Sitzbereich im Anschluss sowie Küchen- und Lagerräumen im hinteren Teil. Ein besonderes Augenmerk haben die Architekten dabei auf den Sitzbereich gerichtet und ihn in verschiedene Zonen gegliedert. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Zone direkt hinter der Theke, die den Gast zum (wenn auch kurzweiligen) Aufenthalt auffordern soll. Ein langer Tisch bietet hier Sitzmöglichkeiten direkt am Baustamm unter Baumkrone. Aus dem Blätterwerk herab hängen verschiedene Äste in Form von Leuchten und: zwei «Bird Cages», die Platz zum gemeinsamen plaudern und zwitschern geben. Sie sind beinahe unsichtbar beleuchtet von Pendelleuchten, deren Design dem der Bäume folgt – sie wirken wie aus der Baumkrone herausstehende Äste, an denen die Vogelkäfige aufgehängt sind. Die Leuchten (Marke XAL Tula Micro) sind außerdem mit Halogenlampen ausgestattet, die ein dimmbares und warmes Licht mit einer Lichtfarbe von 3000 K und einer durch die Halogen-Glühlampe hervorragenden Farbwiedergabe von 1A (= Ra 90) geben – ein wichtiger Punkte, wenn es um die Beleuchtung von Speisen geht. Der restliche Raum ist mit ähnlichen Leuchten erhellt, die jedoch nur aus dem sich über die gesamte Decke ausbreitenden Blattwerk herauslugen. So entsteht eine Atmosphäre, die vertraut, natürlich und urban, gleichzeitig aber nicht zu gemütlich wirkt – schließlich soll unser Freund Otto sich zwar wohl pudelwohl fühlen, dafür aber nicht allzu lange brauchen.  tg

Tische in verschiedenen Höhen und Materialien erzeugen unterschiedliche Zonen im hinteren Bereich des Restaurants. (Foto: not guilty / Paolo Emmanuele) 
Die beiden «Bird Cages» scheinen in der Baumkrone förmlich aufgehängt zu sein. (Foto: Zooey Braun) 
Vogelperspektive: Obwohl sich die Volgelkäfige direkt hinter der Theke im Durchgangsraum befinden, umschließen sie eine Art geschützten Raum. (Foto: Zooey Braun) 
Grundriss 
Die Leuchte XAL Tula Micro besteht aus Aluminium und ist mit den Oberflächen Chrom, Aluminium oder Schwarz matt zu bekommen, wahlweise mit Aufbau- oder Einbaubaldachin. (Foto: XAL) 
Lichtverteilung und Maße, Höhe H in 300 oder 500 mm. (Quelle: XAL) 
Schräg gegenüber der Volgelkäfige wird die Welt von not guilty anschaulich erläutert. (Foto: Zooey Braun) 
Kurze, aus dem Blattwerk aus Leinengurten herauslugenden Rundleuchten erhellen den Raum. (Foto: Zooey Braun) 
So funktioniert der Wolken-Horizont aus Hanfseilen. (Bild: Zooey Braun) 
Im Eingangsbereich macht die stilisierte Baumlandschaft im hinteren Bereich des Restaurants neugierig. (Foto: Zooey Braun) 
Warme Farben und Materialien: Natürlichkeit will den Unentschlossenen hinein winken. (Foto: Zooey Braun) 
XAL GmbH
Graz, AT

Hersteller-Kompetenz
XAL Tula Micro

Projekt
not guilty
Zürich, CH

Architekt
Ippolito Fleitz Group
Identity Architects
Stuttgart, D

Bauherr
not guilty Management GmbH
Zürich, CH

Team
Peter Ippolito, Gunter Fleitz, Alexander Fehre, Felix Rabe, Katja Heinemann, Tanja Ziegler

Grafik Design
Sonja Schneider
Meilen, CH

Fertigstellung
2013

Fotografie
Zooey Braun
Paolo Emmanuele
not guilty
XAL


Projektvorschläge
Sie haben interessante Produkte und innovative Lösungen im konkreten Projekt oder möchten diesen Beitrag kommentieren?
Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!