Von der Stunde Null bis 1968

Autor:
sh
Veröffentlicht am
Nov. 27, 2013

(Bild: Hochschule für Gestaltung Ulm) 
Mitten in der Stadt, dafür aber auf sehr begrenztem Raum: So gestaltete sich bislang die einzige Ausstellung zur weltbekannten Hochschule für Gestaltung Ulm, die im Ulmer Museum angesiedelt ist. Mit dem 14. September hat sich das glücklicherweise geändert. Denn seitdem ermöglicht eine neue deutsch-englische Dauerausstellung allen Interessierten einen weitaus umfangreicheren, tiefergehenden Einblick in die Geschichte, Entwürfe und Produkte der Ulmer HfG. Dazu trägt zu einem guten Stück auch der neue Ausstellungsort in einem der Gebäude auf dem Hochsträß außerhalb des Stadtzentrums bei, das einst eigens für Dozenten und Studenten gebaut wurde. Man atmet dort die Geschichte förmlich ein.
Der Besucher betritt die 275 Quadratmeter große Ausstellung mit ihren mehr als 200 Exponate über einen niedrigen, von Neonröhren hell erleuchteten Raum. Dort hängen Abzüge der sechs Flugblätter, welche die Mitglieder der Weißen Rose zwischen Juni 1942 und Februar 1943 verteilten. Die Stunde Null. Deutschland lag am Boden, wodurch auch in Ulm die Chance eines Neuanfangs bestand.
Dieser Zeitraum bildet den ersten Teil der neuen Ausstellung, die überall so angelegt ist, dass sich auch Interessierte ohne Vorkenntnisse zurechtfinden und am Ende mit einer Menge neuem Wissen nach Hause gehen. Daran schließen sich die beiden Hauptteile an: eine chronologische Übersicht zur Geschichte der HfG und ein "HfG-Alphabet". Beide werden mit einem Regalsystem präsentiert, das von Ruedi Baur und seinem Team vom Laboratoire Irb Paris entwickelt wurde und mit Archivschachteln gefüllt ist. Sie sind mal oben, mal unten, mal rechts, links oder vorne mit Fotografien und Texten bedruckt oder als durchsichtige Variante mit Modellen und Produkten bestückt. Noch komplett weiße Exemplare deuten darauf hin, dass es sich zwar um eine Dauerausstellung handelt, sie aber im Kleinen dennoch veränderbar ist. Für jedes Jahr der kurzen HfG-Geschichte wählten die Kuratoren exemplarisch eine Arbeit aus. In der Summe erhalten die Besucher so einen sehr schönen Überblick über das Spektrum dessen, was an der HfG entstand: vom Stapelgeschirr TC 100 aus dem Jahr 1959 über den Triebwagen der Hamburger Hochbahn von 1961 bis hin zu einer Dentaleinheit für installationsgebundene Instrumente und Geräte von 1962. Das bittere Ende der HfG wird im selben Modus abgehandelt, um ihm nicht zu viel Gewicht zu verleihen.
In der zweiten Regalreihe, die momentan leider nur in Deutsch beschriftet ist, findet sich ein- oder mehrmals jeder Buchstabe des Alphabets, anhand dessen theoretische Begriffe erklärt, Produkte und Unternehmen, in deren Auftrag die HfG verschiedenes entwickelt hat, vorgestellt werden. Dabei spannt sich der Bogen von A wie Aufnahmeformular, Akzidenz Grotesk und Automation bis Z wie Zeichen, Zeichenmaschine und Zeitmesser für einen etuilosen Reisewecker. Und vom Ende des Gangs blitzt dem Besucher groß "Die Schließung" entgegen. Darauf lief leider alles hinaus.

HfG-Archiv Ulm
Am Hochsträß 8
89081 Ulm

Öffnungszeiten: Di-So und feiertags 11-17 Uhr, Do 11-20 Uhr
Eintritt: 3,50 € / ermäßigt 2,50 € (jeden ersten Freitag im Monat ist der Eintritt frei)

Die nächsten öffentlichen Führungen finden am Sonntag, 8. Dezember, um 15 Uhr und am Donnerstag, 19. Dezember, um 18.30 Uhr statt. Die detaillierte Informationen dazu finden Sie hier.