Wenn's draußen kalt und dunkel ist

Autor:
sh
Veröffentlicht am
Nov. 23, 2011

 
 
 
Ein solch komplexes Gebilde wie eine Stadt so zu beschreiben, dass Kinder es verstehen können, bedarf der richtigen Worte und einiger Vereinfachungen. Sich dazu einer idealtypischen Stadt zu bedienen und mehr oder weniger so zu tun, als ließe sich dieses Modell auf fast alle anderen übertragen, kann allerdings zu simpel werden. Auf dieses Problem stößt der Leser des neuen Leporello-Buchs Die Stadt im Wandel der Zeit. Bereits im einleitenden Kapitel, in dem es darum geht, wie man einen Stadtplan liest, wird vieles so dargestellt, als stünde Gebäude A, wie das Staatstheater, fast immer neben Gebäude B, wie dem Gericht. Dass es sinnvoll und geboten ist, Kindern den Umgang mit einem Stadtplan nahe zu bringen, steht außer Frage. Doch der Blick hätte über den Tellerrand der zugrunde liegenden Idealstadt hinausreichen müssen. Positiv anzumerken ist die Bandbreite der Themen, die mit den einzelnen Kapiteln abgedeckt wird und die den jungen Lesern – das Buch wird ab 8 Jahren empfohlen – aufzeigt, was zu einer funktionierenden Stadt alles dazugehört. Es geht beispielsweise um "Energieversorgung und Kommunikation" oder "Stadtregierung und Verwaltung".
Die einzelnen Doppelseiten – zu jedem Kapitel gehört eine – sind in einen von Text dominierten linken Bereich und viele Bilder im rechten aufgeteilt. Am unteren Rand wird in einem Streifen glücklicherweise dann doch noch allgemeiner auf verschiedene Aspekte eingegangen, wie "Gebäudetypen des 19. Jahrhunderts" und "Öffentliche Verkehrsmittel". Das 1,5 m lange Leporello, das herausgenommen werden kann, zeigt den Schnitt durch einen Teil der idealtypischen Stadt und ist wie ein Wimmelbild aufgebaut. Das Einzige, was dem Leser sofort ins Auge sticht, ist ein großer Zeppelin mit der Aufschrift "Schöne Bücher. Jacoby & Stuart". Diese Eigenwerbung hätte sich der Verlag besser gespart.

Zweier wichtiger Themen – auch für die ganz Kleinen – nimmt sich Das Buch von der Kuh 36 an: dem Energiesparen und der Erzeugung regenerativer Energien. Der Autor Frank Ockert schickt die kleine Kuh 36, die bis dato ihren warmen Stall nie verlassen hat, auf eine kurze Entdeckungsreise. Sie lernt ein Windrad kennen, das sich unermüdlich dreht, damit nirgends das Licht ausgeht. Das regt die kleine Kuh zum Nachdenken an und sie beschließt kurzerhand fortan nachts in ihrem Stall das Licht nicht mehr brennen zu lassen. Die Botschaften dieses Buchs sind zwar nicht auf den ersten Blick ersichtlich, doch durch die leicht verständlichen Texte, die ansprechenden, netten Bilder und mit der Unterstützung eines Erwachsenen können Kinder sie entschlüsseln und in ihren Alltag transferieren.

Auf eine Reise durch die Geschichte des Möbel- und Interiordesigns entführt das Buch Farbe Form Orangensaft seine Leser. 69 ausgewählte Gegenstände, wie Stühle, Lampen und Kleiderhaken, präsentieren die Autoren in chronologischer Reihenfolge auf zwei oder vier Seiten. Diese sind gefüllt mit einem knappen Text, dem Vor- und Nachnamen des Designers, seinem Geburtsland, Name und Land des Herstellers, dem Geburtsjahr des Objekts, seiner Funktion, den benötigten Materialien und nicht zuletzt witzigen und zugleich informativen Zeichnungen. Den Beginn markiert der Bistro-Stuhl von Michael Thonet von 1859, alles endet mit der Moment Collection von 2009. Dazwischen reiht sich eine Ikone an die nächste und auch mancher Erwachsene dürfte bei der Lektüre die eine oder andere Wissenslücke schließen. Dass die Autoren Spaß bei ihrer Arbeit hatten, ist dieser Publikation anzumerken. Außerdem bewiesen sie ein gutes Gespür dafür, wie man eher trockenen Stoff kindgerecht und interessant aufbereitet. So haben sie sich für jeden der vorgestellten Gegenstände zusätzlich einen neuen Namen einfallen lassen, der das Objekt entweder besser erklärt als der offizielle, oder der auf seine Entstehungsgeschichte hindeutet. Und als Ergänzung des "normalen" Inhaltsverzeichnisses am Ende des Buchs haben sie auf den vorderen Seiten alle Gegenstände in den entsprechenden Zimmern eines Hauses angeordnet. Los geht die Reise in eine neue Welt.