Die Hamburger "Perlenkette"

Autor:
ub
Veröffentlicht am
Juni 8, 2011

 
 
Sie war eine Idee von Egbert Kossak, Hamburgs Oberbaudirektor von 1981-99. Am Nordufer der Elbe, also auf der Seite zu Innenstadt, zur Elbchausse, nach Altona hin, sollten ansprechende Neubauten die Uferbebauung aufs Schönste zu einer "Perlenkette" ergänzen. Entlang dieser Perlenkette glänzt heute vieles ganz und gar nicht. Doch beim letzten "Architekturquartett" in Hamburg, bei dem ich mitreden durfte, debattierte man über das Vorzeigbare: über prominente Beispiele wie Carsten Roths "Twin-Towers" (vor denen steht die Besichtigungstruppe links im Bild), über den umgebauten Kaispeicher von nps tschoban voss sowie einen neuen Wohnturm und einen Bürobau am Holzhafen von Astoc Architects mit Kees Christiaanse. Um diese Bauten soll es im Folgenden nicht gehen, sondern um das, was die "Perlenkette" an stadträumlichen Problemen aufwirft. Zwar waren immer wieder Städtebau- und Architekturwettbewerbe für die Elbuferbebauung ausgelobt worden, doch über die Jahrzehnte hinweg fragt man sich, wo denn die Ideen für den öffentlichen Raum und eine Gesamtkomposition geblieben sind. Mal baut einer hoch, mal eher niedrig, mal wird statt eines Bürohauses ein Wohnturm errichtet, mal verschwindet ein Altbau, dem man nachtrauert. Doch das nur am Rande.
Das zweite Bild zeigt, dass der Weg zwischen den "Perlen" und der Elbe weitgehend öffentlich ist. Gestaltet wird er jedoch abschnittsweise von den jeweiligen Bauherrschaften und ihren Architekten. Mal wird eine Hochterrasse angelegt, mal eine Mauer hochgezogen, mal – wie von Carsten Roth – ein öffentliches Plätzchen mit Treppen zur Uferkante. Für die Elbuferspaziergänger erschließt sich nicht, wem dieser Weg gehört, wer für seine Gestaltung oder seine "Komposition" zuständig ist. Definiert man den Weg zwischen Uferbebauung und Elbe als "Bürgersteig" – analog zur Konstellation Bebauung | Bürgersteig | Straße –, wird die Sache heikel. Denn man stelle sich vor, jeder Anwohner gestalte nicht nur sein Haus, sondern auch sein Stück Bürgersteig selbst. Oh je.
Es gibt vereinzelt die Zwischenzone der "Vorgärten" – auch im urbanen Kontext. Die einstigen Konventionen für Vorgarten sind dahin, perdu. So begegnen uns dort inzwischen Gartenzwerge und Bonsaivarianten, Schmiedeeisenkunstwerke und Plastikblumenkübel nebeneinander. Dergleichen ist für Hamburgs öffentlichen Weg zwischen "Perlenkette" und Elbufer zu befürchten. Gewiss möchte man keine weiteren Vorschriften erlassen. Aber an eine Konvention könnte man in Hamburg sehr wohl denken, die dem öffentlichen Wert des wunderschönen Elbuferweges Rechnung trägt. ub