keep it simple

Autor:
Peter Petz | Podest
Veröffentlicht am
Mai 20, 2015

Steimle Architekten mit Hengstebeck Architekten gewinnen den Wettbewerb um die Erweiterung des Berufskollegs Kreis Olpe am Standort Attendorn. Christine und Thomas Steimle stellen sich unseren Fragen zum Wettbewerb.
Blick auf das Berufskolleg 
Der Kreis Olpe plant mit einem Ersatzneubau und einem optionalem 2. Bauabschnitt die Erweiterung des Berufskollegs Olpe am Standort Attendorn. Wie haben Sie die Wettbewerbsaufgabe interpretiert?
Christine Steimle: «keep it simple» war das Motto für unseren Weg, den wir einschlagen wollten. Es sollte ein kompakter, eigenständiger Kubus mit einfacher Bauweise entstehen, der die Ausrichtung der bestehenden Topographie übernimmt und sich harmonisch in den Hang einfügt. Bereits bei der ersten Ortsbegehung ist uns der bestehende enge dunkle Schulhof als Schwachstelle des Ensembles aufgefallen, der ohne jegliche Aussicht auf die reizvolle Landschaft angelegt war, was es unbedingt zu ändern gab. Die neu geplante Pausenhalle als lichtdurchflutete, offene Ebene, befindet sich bei unserem Konzept direkt im Zentrum der Campusanlage und öffnet sich nun über die ganze Breite als Erweiterung der bestehenden Schulhoffläche über eine transparente Fassade mit großzügigen Ausblicken in die Landschaft. 
Lageplan 
Wie binden Sie das Gebäude in das Gelände ein und wie verknüpfen Sie es mit dem Bestandgebäude?
Thomas Steimle: Das Spannungsverhältnis zwischen Innen und Außen, zwischen Lernen und Pause, zwischen Öffentlichkeit und geschütztem Schulbereich war uns immens wichtig. Mittels geschickter Positionierung des dreigeschossigen Baukörpers am vorhandenen, doch recht steilen Hang, ergaben sich die Einbindung der einzelnen Geschosse ins Gelände fast wie von selbst. Durch die fließenden Übergänge des Schulhofes in die Pausenhalle im Erdgeschoss, den direkten unteren Zugang zum Verwaltungsbereich im Untergeschoss und den Klassenräumen im Obergeschoss sind auch abendliche Parallelveranstaltungen in der Pausenhalle und den Klassenbereichen ohne gegenseitige Störung möglich. Über einen eingeschossigen Verbindungsgang wird die Anbindung an das Bestandsgebäude geschaffen, der an das vorgesetzte Fluchttreppenhaus anschließt. Aufgrund der Orientierung des Halleneinganges zum Schulhof hin befindet sich der lärmintensivere Pausen- und Wartebereich bei Veranstaltungen im geschützten Innenhof und führt so zu keiner Lärmbelästigung der umgebenden Wohnbebauung. Auch im Bereich der Freianlagen wollten wir einen signifikanten öffentlichen Raum schaffen, der das Berufskolleg mit seiner Umgebung verbindet und die besondere topographische Lage im Raum stärkt. Das Schulgelände erhält mit den Elementen «Campus» und «Freitreppe» eine räumliche Struktur und eigene Identität. 
Querschnitt 
Wie verteilen Sie die Nutzungen?
Christine Steimle: Für die unterschiedlichen Nutzungen des Neubaus wird eine einfache, flexible Gebäudestruktur entwickelt. Im Untergeschoss befindet sich die Verwaltung, im Erdgeschoss die Pausenhalle, im 1. Obergeschoss die Klassenräume. Baukörperform und Fassadenstruktur spiegeln die innere Organisation und die dynamischen Prozesse des Berufskollegs wider. Das Gebäude bildet einerseits das geforderte Raumprogramm ab, andererseits kann die Gebäudestruktur flexibel auf sich ändernde Vorgaben reagieren. Die lichtdurchflutete Pausenhalle kann multifunktional genutzt werden. Zonen für Theorie und praktische Unterweisung aber auch für informelles, projektorientiertes Arbeiten in Kleingruppen oder Einzelarbeit werden ermöglicht. Durch öffenbare Faltwände können, kleinteilige Workshopräume, differenzierte Lernecken und Ausstellungsflächen abgeteilt werden. Ebenso kann durch Öffnen der Wände ein großer flexibler Raum für Theaterveranstaltungen, Sitzungen oder Schulfeste erzeugt werden. Diese  flexible Struktur ermöglicht eine einfache Anpassung an zukünftige Nutzungsansprüche, worauf bereits in der Auslobung großen Wert gelegt wurde. Der Kiosk befindet sich im Verbindungsgang zum Bestand und kann durch seine Lage sowohl als Pausenverkauf zum Schulhof hin, als auch bei Abendveranstaltungen als Getränkeausgabe genutzt werden. Im Obergeschoss sind die Klassenräume untergebracht, die zugeordnete Aussen- und Innenbereiche für Lernecken, Ausstellungen, Pausenaktivitäten und lichtdurchflutete Flure besitzen. 
Erdgeschoss 
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?
Thomas Steimle: Das «Image» beziehungsweise der Ausdruck des Gebäudes sollte eigenständig und einem Berufskolleg angemessen sein. Die gewählte architektonische Form des Kubus verleiht dem Gebäude nach allen vier Seiten hin ein Gesicht. Es löst auf diese Weise die komplexe städtebauliche Situation, denn das Gebäude zeigt seine bauliche Präsenz sowohl zum Schulhof  hin als auch zum Hohlen Weg und insbesondere auch zur Ost- und Westseite, so dass keine Rückseite am Gebäude entsteht. So kommt der Neubau seiner stadträumlichen und städtebaulichen Bedeutung als Auftakt und Adressbildung des Schulcampusgeländes nach.

Welche Materialstrategie schlagen Sie vor?
Christine Steimle: Schlichte vorgehängte Betonelemente gliedern den Baukörper und tragen seine innere Struktur nach außen. Dazwischen liegen Verglasungen mit moderatem Glasanteil. Auch die innere Materialisierung in Sichtbeton, Einbauten aus Holz und Metall kombinieren spannungsreich die hybriden Nutzungen. Die feingliedrigen Ausbauten aus Holz und Metall stehen für ein angenehmes Bildungsumfeld. Im Sinne einer einheitlichen Materialverwendung werden auch im Aussenbereich die befestigten Pausenflächen und Zugangsbereiche gleich und einheitlich behandelt. Auf eine Strukturierung der Pausenflächen in einzelne Wegeflächen und partielle Hofflächen wird zu Gunsten eines nahtlosen Belagskonzeptes verzichtet. Eine homogene Asphalt-Einstreudecke ohne Randeinfassung verbindet alle Eingangszonen und Pausenflächen und bildet mit den monolithischen Sitzelementen an der Treppenanlage zu den Werkstätten ein großzügiges Forum. Der zentrale Hof wird durch einen Umlauf um die Pausenhalle gestärkt, der wechselhaft als Außenterrasse, als Bühne oder Chillout Zone genutzt werden kann. 
Ansicht Süd 
Ansicht Ost Ansicht Ost
Längsschnitt 
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?
Thomas Steimle: Wir hoffen, dass es mit dem Projekt zügig vorangeht und die Fertigstellung im Jahr 2018 erfolgen kann. 
Modellbau: Béla Berec 
Erweiterung Berufskolleg Kreis Olpe, Standort Attendorn
Beschränkter Wettbewerb

Jury
Prof. Andreas Fritzen, Vors.
Frank Beckehoff
Claudia Berling
Roland Bondzio
Gunnar Ramsfjell
Prof. Ursula Ringleben
Lothar Sabisch
Wolfgang Schneider
Eckard Scholz
Johannes Trapp
Maria Luise Wiethoff
Petra Pletz
Markus Greitemann
Ulrich Eickmeier
Andreas Zimmermann
Meinolf Zeppenfeld
Bernhard Schmidt

1.Preis
Arch.: Steimle Architekten, Stuttgart
Arch.: Hengstebeck Architekten und Projektmanagement, Attendorn
L.Arch.: Jetter Landschaftsarchitekten, Stuttgart
Modell: Béla Berec

2.Preis
Arch.: hks | architekten, Aachen, Erfurt, Bad Neuenahr