Raumskulptur

Autor:
Peter Petz | Podest
Veröffentlicht am
Mai 8, 2013

Carsten Roth gewinnt den Wettbewerb um das Büro-, Wohn- und Galeriegebäude am Kunst-Campus – Europacity Berlin und stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.
Blick vom südlichen Platzbereich 
Die Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher spricht von “Perlen am Wasser“, die in Form hochpreisiger Wohn- und Geschäftshäuser, Ateliers und Galerien bis 2015 am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal errichtet sein sollen. Wie leiten Sie die skulpurale Erscheinung des Gebäudes her?
Ein Büro-, Wohn- und Galeriegebäude, das Kunst beherbergt, in dem Kunst und Musik produziert und veröffentlicht wird, muss die Kunst durch sich selbst verkörpern.
Absicht dieses Entwurfes ist eine Raumskulptur von großer Erhabenheit, kühner Eleganz, zugleich einfach und erinnerbar und dennoch komplex und mehrdeutig.
Kunst ist niemals eindeutig: Dieses Gebäude ist simpel und zugleich komplex, niemals jedoch kompliziert. Mit wenigen Mitteln - hier: den Verschneidungen zwischen den gedrehten Volumen - wird die Architektur nicht mehr auf einen Blick entschlüsselbar: Ein attraktives Haus, das lange und wiederholt betrachtet werden will, bevor es sich erschließt. Keine Geste existiert um ihrer selbst willen, es zählt nur Raffinesse und Eleganz!
Über dem Erdgeschoss und vor den letzten beiden Geschossen entstehen jeweils vier große Terrassen. Aus den Büros im 1. OG kann man zu allen Himmelsrichtungen hinaustreten, wobei in einem 1. OG immer noch Blickkontakte zu den Menschen auf dem Platz stattfinden. Die Wohnungen im 4. OG haben ebensolche großzügigen und hoch attraktive Terrassen vorgelagert mit Weitblick in alle Richtungen. 
Lageplan 
Welche Nutzungen sind vorgesehen?
Es ist konzipiert als Büro-, Wohn- und Galeriegebäude mit Restaurant/Café-Nutzung und ein Atrium für Events, das den Platz vor und um das Gebäude mit einbezieht.  
Erdgeschoss, 1. und 2. Obergeschoss, Ansichten 
3. 4. und 5. Obergeschoss, Ansichten 
Schnitte 
Welches Innenraumthema war Ihnen besonders wichtig?
Das gesamte Erdgeschoss wird durch die Zusammenschaltbarkeit eindrucksvoll und großzügig optimiert. Über eine Lobby mit Empfangstresen wird der Buchladen und das Café erreicht, im Anschluss daran verbindet ein viergeschossiges Atrium mit transparenter Überdachung die Kunstgalerie im Westen mit dem Auditorium im Osten.
Ein eindrucksvoller großzügiger Treppenaufgang verbindet das Erdgeschoss und das 1. Obergeschoss mit seinen Terrassen, das zum Beispiel von der Edel AG genutzt werden kann. Das Zwischenpodest dient als Podium für Veranstaltungen im Kunst- und Musikgeschäft und kann auch bei geöffneten Faltschiebewänden vom Auditorium, beziehungsweise der Galerie eingesehen werden.
Das Atrium wird so zu einem zentralen Erlebnis für alle angegliederten Nutzungen, die sich jeweils in diesen vertikalen Raum hinein erweitern können. Über der Lobby kann eine kleine Empore gegenüber der Treppenanlage weitere Zuhörerränge bereitstellen. Zusammen mit den ost/westlichen, beziehungsweise nord/südlichen Atriumsloggien wird so ein atemberaubender Erlebnisraum geschaffen, an dem alle Nutzer teilhaben können. Es entsteht eine innere Identität mit großer Erinnerungskraft.
Blick in das 4-geschossige Atrium 
Welche Besonderheiten hinsichtlich Material und Konstruktion zeichnen Ihren Vorschlag aus?
Fassaden und Terrassenbänder sind aus schalungsreinem Kunststein mit travertinartiger Oberfläche gefertigt. Teilweise sehr großzügige Glasflächen in den Obergeschossen ergänzen zusammen mit geschlossenen Flächen den skulpturalen Baukörper. Die Fassadenflächen werden durch präzise gefertigte Fertigteilelemente gegliedert. Das Atrium umschließt eine satinierte rauchdichte Verglasung, die hofseitig transluzent überspannt ist und dem Innenraum eine teilweise hinterleuchtete immaterielle Anmutung gibt.
Detail 
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?
Dazu gibt es noch keine Angaben.
Modell (Foto: A:dks mainz berlin) 

Die komplette Wettbewerbsdokumentation finden Sie in
wa 4/2013
Büro-, Wohn- und Galeriegebäude am Kunst-Campus – Europacity Berlin
Einladungswettbewerb

Jury
Regine Leibinger, Vors.
Regula Lüscher
Carsten Spallek
Michael Haentjes
Henrik Thomsen
Dr. Wolfgang Bachmann
Mathew Griffin
Quintus Miller
José Gutierrez Marquez
Gunnar Tausch
Manfed Kühne

1. Preis
Carsten Roth Architekt
Hamburg
 
2. Preis
Baumschlager Eberle
Berlin

3. Preis
Sauerbruch Hutton
Berlin