Tierisch gute Stadtarchitektur

Autor:
Thomas Geuder
Veröffentlicht am
Feb. 11, 2014

Cover 
Impressionen aus dem Innenteil.  
Impressionen aus dem Innenteil 
Klaus Theo Brenner 
Städte sind einem permanenten Wandel unterworfen, der oft, leider nicht immer, zu ihrem Guten ist. Gründe für bestimmte Entwicklungen lassen sich meist hinreichend finden, in Politik, Wirtschaft – oder auch bei der Architektenschaft selbst. So teilt der Architekt und Inhaber des Lehrstuhls für Entwerfen und Stadtarchitektur an der Potsdam School of Architecture (FHP) Klaus Theo Brenner in der Einleitung «Die Architektur der Stadt» zu seinem Buch «Stadt Raum» die Architekten in zwei Gruppen ein: die Hasen und die Igel, die beide mit unterschiedlichem Tempo und unterschiedlicher Tiefe die gebaute Welt zu verändern suchen. Dabei, so Brenner, bilden Stadt und Bild, Stadt und Architektur ein Kontinuum, das zwischen der Vergangenheit und der Zukunft die Utopie von der schönen Stadt in sich trägt, mit einer Besonderheit: Die Regeln bestimmen das Spiel und das Spiel mit den Regeln bestimmt das Handeln.

Das Buch «Stadt Raum» thematisiert die Architektur der Stadt als ebenso zeitloses wie faszinierendes Phänomen in Geschichte und Gegenwart. In zahlreichen historischen und zeitgenössischen Fotografien entfaltet sich hier ein Bild von Stadt, das Erinnerungen und Utopie in Übereinstimmung bringt, wobei der städtische als öffentlicher Raum zusammen mit den Häusern, die ihn bilden, als Bühne sichtbar wird, für den Stadtbewohner gleichermaßen Erlebnisraum und Heimat. Dieses Szenario ist für Brenner als eine Art «Stellungsspiel» der Architektur ebenso elementar, wie es sich über Jahrhunderte in der europäischen Stadtbaugeschichte in unterschiedlichen Erscheinungsformen bewährt hat. Es bildet den sichtbaren Rahmen und gedanklichen Hintergrund für die zeitgenössische Stadtarchitektur, die nach fast 100 Jahren endlich die verordnete Geschichtsvergessenheit und den blinden Avantgardewahn einer ideologischen Moderne, die einen erheblichen Beitrag zur Verelendung unserer Städte geleistet hat und noch immer leistet, überwindet.

Die farbigen Abbildungen, zum Schmökern ideal bewusst nicht chronologisch angeordnet, sind immer wieder unterbrochen durch stadtarchitektonische Thesen sowie studentische Arbeiten der Potsdam School of Architecture aus dem Jahr 2009. Das reiche Bildmaterial (in Form einer Postkartensammlung in Bromsilberdruck und handwerklich anspruchsvoller Fototechnik aus der Zeit um 1910 bis 1930) sowie René Wildgrubes Fotografien aus Mailand mit seiner noch heute existierenden Stadtarchitektur der 1920/30er-Jahre stellen zusammen mit den eigenen Stadterfahrungen des Lesers ein eindrucksvolles Spannungsfeld aus historischem Ideal und gegenwärtiger Utopie her. So eignet sich das Buch – dessen Titel in der deutschen Fassung das Thema am besten ausleuchtet – ideal zum Studium verschiedenster Stadträume sowie deren raumbildender Architekturen und kann dabei Inspirationsquelle für zukünftige Herausforderungen sein. tg

Klaus Theo Brenner, Architekt und seit 1996 Inhaber des Lehrstuhls für Entwerfen und Stadtarchitektur an der Potsdam School of Architecture, gründete 1996 sein eigenes Büro in Berlin, das heute zu den führenden in Deutschland zum Thema Stadtarchitektur zählt. Vorträge, Ausstellungen, die Tätigkeit als Preisrichter und Berater der Stadtpolitik ergänzen und begleiten das professionelle Leistungspektrum des Büros im In– und Ausland.  Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, so u.a. den deutschen Städtebaupreis für das Projekt Rummelsburger Bucht 2009 und die Hugo Häring Auszeichnung für das Projekt Konstanz-Herosé 2011.

Urban Space. Stadt Raum. Spazio Urbano
erschienen 2013 beim Ernst Wasmuth Verlag Tübingen Berlin
Autor: Klaus Theo Brenner
144 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen
20,5 x 29,5 cm, Hardcover mit Schutzumschlag
Deutsch/Englisch/Italienisch
35,- € (D)
ISBN 978-3-8030-0768-1

Englische Übersetzung: Geoffrey Steinherz
Italienische Übersetzung: Cecilia Liveriero Lavelli

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