Haus im Schnee 1
Foto © morpho-logic
Haus im Schnee 2
Foto © morpho-logic
Haus im Schnee 3
Foto © morpho-logic
Nord-West
Foto © Michael Heinrich
Süd-West
Foto © Michael Heinrich
Westen
Foto © Michael Heinrich
Südseite mit Zugang
Bild © Michael Heinrich
Foto © morpho-logic
Haus im Nebel
Foto © morpho-logic
Dachebene
Foto © Michael Heinrich/morpho-logic
Wohnebene
Foto © Michael Heinrich
Schlafebene
Bild © morpho-logic
Schnitt
Zeichnung © morpho-logic
Grundriss Wohnebenen
Zeichnung © morpho-logic
Grundriss Dachebene
Zeichnung © morpho-logic
Lageplan
Zeichnung © morpho-logic
Ecke
Innen_Aussen
Innen_Aussen
Ecke
Hanghaus mit Kuh

Kuhwiesenhanghaus

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Adresse
Zlatting 90, Trebesing, Österreich
Jahr
2017
Kosten
Vertraulich
Stockwerke
1–5 Stockwerke
Team
Michael Gebhard, Prof. Ingrid Burgstaller, MORPHO-LOGIC I Architektur + Stadtplanung
Holzbau
Weissenseer Holzsystembau, Greifburg, Östterreich

Der Wunsch nach einem Rückzugsort, einem Refugium und ein in Familienbesitz befindliches Hangwiesengrundstück gaben den Ausschlag dieses Haus im Kärntner Ort Trebesing zu bauen.
Das Grundstück, im Anschluß an den großelterlichen Bauernhof, mit bis zu 34% Hangneigung, liegt im Ortsteil Zlatting am oberen Ende des Ortes. Darunter erstreckt sich das Liesertal als großer nordsüdgerichteter Einschnitt und bietet einen weiten Blick zum Katschberg nach Norden und zu den Karawanken im Süden. Gegenüber, auf der andereren Talseite, erhebt sich der knapp über zweitausend Meter hohe Tschiernock, Teil der Nockberge.

Das Grundstück ist Heilquellenschutzgebiet und dient mit seiner großen Wiesenfläche als Nahrungsquelle für die Rinder des benachbarten Bauernhofes. Dies ist für den verwandschaftlich verbundenen Betrieb von essentieller Bedeutung. Trotz des Neubaus soll der Hang Kuhweide und Nahrungsquelle bleiben und so wenig als möglich verändert werden.
Das kleine Haus, mit knapp 70 qm Nutzfläche, wurde, um den Eingriff in den Hang zu minimieren, mit Abstand aufs Gelände gesetzt.
Auf einem Stahlgerüst ruhend folgt der Boden des vorgefertigten Holzbaus dem Hangverlauf um sich im talseitgen Abschnitt davon zu lösen und sich dem Tal entgegenzustrecken. Unter dem Haus bleibt durch die bodenschonende Bauweise ein Lebensraum für Flora und Fauna. Die vor allem für einen Holzbau kritische Zeit der Herstellung der Gebäudehülle bis zu dessen Dichtheit konnte so wesentlich verkürzt werden.
Niederschlagswässer werden offen versickert.

Die Stellung des Hauses oben am Hanggrundstück, im Gegensatz zu den den unmittelbaren Anschluß an die Straße suchenden Bestandshäusern, führt zu einer Typologie die einen Bezug zu den teilweise eigenwillig geformten und oft auch aufgeständerten Stadln (Form und Aussenhaut)sucht.

Der konisch, sich talseitig öffnende Grundriss, verstärkt die Hinwendung zum Talraum. Die beiden großen, symetrisch angeordneten Eckverglasungen lenken den Blick in Richtung der beiden Talseiten. Hier sitzt man gerne zum Frühstück, genießt die über den Berg kommende Morgensonne und den weiten Blick.

Der Hang bestimmt die Aussenform ebenso wie die Raumgliederung im Inneren. Vier über Treppenstufen verbundene Ebenen sind den verschiedenen Wohnbereichen - Schlaf, Rekreation, Kochen, Essen/Wohnen - zugeordnet.
Die Aussenhülle bildet einen durch die Ebenen gegliederten Gesamtraum, ein Raumvolumen, mit lichten Höhen von 2,5m bis 3,6m. Oben am Hang liegt, niedrig und intim, die Schlafebene, darunter die Bad- und Eingangsebene, gefolgt vom schmalen Küchenpodest über dem Wohn-/Essbereich mit vorgelagerter Terrasse. Treppenstufen folgen kaskadenartig dem Verlauf der Längsseiten. Fensteröffnungen an ihren beiden Enden verlängern die Kaskade in die Landschaft.

Wie Aussen, so sind auch im Inneren alle Oberflächen in Lärche, teils als Massivholz, teils als Lärchendreischichtplatten ausgeführt. Dabei sind die Oberflächen, die einer höheren Beanspruchung ausgesetzt sind, wie Böden und Einbaumöbel, mit weißpigmentiertem Holzöl eingelassen, was an frischgescheuerte Holzoberlächen in traditionellen Bauernhäusern erinnert. Die übrigen Flächen, wie Wände und Decken, sind unbehandelt. Ausnahme ist das Bad, das aufgrund der Feuchtebeanspruchung komplett mit Linoleum verkleidet ist.

Von Aussen zeigt das Gebäude auf den Längsseiten charakteristische, der Hangneigung folgende Aussenkanten. Dort, wo der Hang am steilsten ist, folgt nicht nur die Unterkante der Fassade sondern auch die Linie der Attika seinem Verlauf. Da das Dach selbst mit einer Neigung von 3% verläuft, entsteht, von der Attika umfasst, ein geschützter, uneinsehbarer Bereich, der auf den beeindruckenden, gegenüberliegenden Zweitausendergipfel des Tschiernock ausgerichtet ist. Wind- und blickgeschützt, sonnen- und sternenexponiert meint man hier den Hauch der Kärntner Bergwelt unmittelbar zu spüren. Weit weg scheint das Dorf und der Rest der Welt. Sonne, Wind, Wolken und Bergblick erzeugen Gefühle des Alleinseins mit sich und der Natur.

Die Wiese ums Haus soll nicht Hausgarten werden, sondern Wiese bleiben - offen und selbstverständlich. Sie wird weiterhin vom angrenzenden Bauernhof als Kuhweide und Mahdwiese genutzt.Nur ein schmaler Weg führt ca. fünfzig Meter, vom PKW-Stellplatz an der Straße, zum Eingangspodest an der Südseite des Hauses. Hier dreht sich der Besucher der, dem schmalen Weg folgend, den Hang mit Blick auf das Haus hinaufgegangen ist, um 180 Grad, betritt das konische Eingangspodest und blickt jetzt in Richtung Eingang und Tal. Im Haus auf der Eingangsebene angekommen setzt er seinen Weg Richtung Tal fort um schließlich im höchsten Raum des Hauses, auf der Wohnebene, mit dem Blick in beide Talrichtungen anzukommen.

Das Haus wird mit Infrarotheizung beheizt und somit CO2 frei betrieben. Einstrahlungsgewinne in der kälteren Jahreszeit gepaart mit einem hohen Wärmedämmstandard und gute Durchlüftungsmöglichkeiten sowie das große Raumvolumen auf der anderen Seite sorgen für einen minimalen Heizwärmebedarf und ein angenehmes Raumklima. Alle Bauteile der Raumhülle und des Innenausbaus sind aus nachwachsenden Rohstoffen.

10/ 2017 - Auszeichnung - Holzbaupreis Kärnten

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