Unter anderen Vorzeichen – Vorträge, Podium und Guided Tour an der „belektro 2022“

Redaktion German-Architects
13. Oktober 2022
Jasper Architects bauten am Berliner Ostbahnhof ein einstiges Kaufhaus zum Wohn- und Bürohaus „Up!“ um. (Foto © HGEsch) 

Eigentlich ist es noch gar nicht lange her, da beherrschte nur ein Thema die Schlagzeilen: die Corona-Pandemie. Seit dem Frühjahr aber bestimmt vor allem Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine die Nachrichten. Die Menschen hierzulande sorgen sich um die Energieversorgung, jetzt da der Winter vor der Tür steht. Droht wirklich ein großer Blackout? Wie sollen Familien ihre Strom- und Heizkostenrechnungen noch bezahlen? Manchen machen auch die unverhohlenen Drohungen des russischen Präsidenten Angst, einen Atomkrieg zu entfesseln und die ganz Welt mit sich in den Abgrund zu reißen. Und wie sind die vielen Menschen, die sich aus dem Kriegsgebiet nach Deutschland in Sicherheit gebracht haben, am besten unterzubringen, zu versorgen und zu integrieren? Wird es uns gelingt, unser Land fit für die raue Zeiten zu machen? Lassen sich die tiefen Risse in der Gesellschaft noch kitten? Und wo bleibt unterdessen der Klimaschutz? 

Doch auch wenn die Sorgen mittlerweile andere sein mögen: Die Pandemie hat unsere Gesellschaft verändert. In besonderem Maße gilt das für das Arbeitsleben: Viele sind mittlerweile aus dem Home-Office in ihre Büros zurückgekehrt. Aber ein Zurück zum Büroalltag der Vor-Corona-Zeit gibt es dennoch nicht. Nutzung und Anforderungen haben sich merklich verändert. Was bedeutet das aus gestalterischer Sicht? Wie sieht es aus, das Büro der Zukunft?

Im „Up!“ ist der Bestand zwischen den neuen Elementen gut sichtbar. (Foto © Nils Koenning)
Kinzo gestaltete Räumlichkeiten für den bekannten Suhrkamp Verlag. (Foto © Schnepp Renou / Sebastian Dörken)
Im „AmorePacific F21“ (Foto © Schnepp Renou)

An der Messe „belektro“, die vom 5. bis zum 9. November dieses Jahres in Berlin stattfindet, werden die Deutsche Lichttechnische Gesellschaft und German-Architects gemeinsam diesen Fragen nachgehen. Neu wurde dazu das Format „Dialog hoch 5“ entwickelt. Sprechen werden am 9. November ab 13 Uhr in Halle 2.2 an Stand 2409 der Architekt Martin Jasper (Jasper Architects), die Architektin Lauren Touhey-Otto (Kinzo) und die Lichtdesignerin Carla Wilkins (Lichtvision). Die Vorträge der drei dauern dabei jeweils 30 Minuten. Sie werden gefolgt von einer Podiumsdiskussion über die Gestaltung zeitgemäßer Arbeitswelten, bei der auch Fragen aus dem Publikum willkommen sind, denn die Veranstaltung zielt auf eine rege Debatte und nicht darauf zu belehren. Zur Abrundung wird Carla Wilkins hernach um 15 Uhr über die Messe führen. Sie wird von ihr ausgesuchten Ausstellern einen Besuch abstatten und kritische Fragen stellen.

Im Dachong Showroom Office, an dessen Gestaltung Lichtvision beteiligt war. (Foto © China Resources Land Ltd.)
Lichtvision gehörte zu dem Team, das das Polizei und Justizzentrum in Zürich entworfen hat. (Foto © Till Forrer)

Was erwartet Sie in den Vorträgen? Martin Jasper, der in Ecuador aufgewachsen ist und dort eine andere Kultur und Mentalität kennenlernte, wird über den Weg zurück aus dem Home-Office ins Büro sprechen. Er fragt: Was muss Architektur neu leisten, damit die Menschen das Büro wieder annehmen und sich wohlfühlen statt der Arbeit zu Hause nachzutrauern? Als Beispiel hat er das Wohn- und Bürohaus „Up!“ im Gepäck, das sein Team gemeinsam mit dem Architekturbüro Gewers Pudewill entwickelte.

Auch Lauren Touhey-Otto glaubt nicht, dass die Arbeitswelt nach der Pandemie je wieder dieselbe sein wird. Sie nimmt verstärkt den Wunsch nach hybriden Arbeitsmodelle und Inklusion wahr. Außerdem möchten viele (junge) Menschen heute in ökologisch einwandfrei gestalteten Büros arbeiten, ist sie sicher. Doch wie können Gestalter*innen diesen Anforderungen gerecht werden?

Carla Wilkins schließlich ist eine international erfahrene Lichtdesignerin, die sich sowohl im asiatischen als auch im europäischen Kulturraum bestens auskennt. Und auch sie ist überzeugt, dass Büros künftig anders aussehen müssen. Aber was heißt das für die Lichtplanung? Und vor allem: Wie lassen sich Arbeitswelten schaffen, die „robust“ genug sind, um sich verändernden Erwartungen immer wieder neu gerecht zu werden? Denn die letzten Jahre haben insbesondere gelehrt, wie schnell sich die Welt verändern kann und wie rasch vermeintliche Gewissheiten ins Wanken geraten. 

Interessiert? Für „Dialog hoch 5“ können Sie sich bereits anmelden. Weitere Informationen finden Sie hier. Die Veranstaltung wird von der Architektenkammer Berlin als Fortbildung anerkannt und zählt als zwei Unterrichtseinheiten.

German-Architects ist Content-Partner der Belektro.

Vorgestelltes Projekt

Benjamin von Pidoll | Architektur

Villa Mau

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