Überfällige Transformation

Thomas Geuder
20. März 2023
Haus der Ungarischen Musik Budapest, Sou Fujimoto Architects. Unter einem nahezu kreisförmigen, organisch gewellten Dach verläuft eine rundum verglaste, bis zu zwölf Meter hohe Fassade. (Foto: György Palkó / Jansen AG)

Der Klimawandel bleibt, und er berührt alle Wirtschaftsbereiche, in besonderem Maße die Bauwirtschaft. Für Städte und Gebäude müssen Lösungen gefunden werden, die sie resilienter, aber auch energetisch fit für die Zukunft machen. Die Energiewende, mit der bis spätestens 2045 Klimaneutralität hergestellt werden soll, erfordert von allen Akteuren im Bausektor ein Umdenken. Bei Neubauten ist durch das Gebäudeenergiegesetz (GEG) seit Ende 2020 der gewünschte Energiestandard klar definiert und im Grunde auch am leichtesten umsetzbar. Rund 40 Prozent des Gebäudebestands in Deutschland aber wurde vor 1979 errichtet, in einer Zeit also, als es noch keine gesetzlichen Maßnahmen zur Energieeinsparung gab. Diese rund neun Millionen Wohngebäude mit etwa 20 Millionen Wohneinheiten in den nächsten Jahren zu sanieren, ist eine nur schwer zu erfüllende Mammutaufgabe. Abriss und Neubau ist vor dem Hintergrund der im Bauwerk gebundenen grauen Energie nicht immer eine sinnvolle Option, besonders unter den Aspekten der Nachhaltigkeit. Bauordnungen wiederum werden immer komplexer und verhindern teilweise sogar ein wirtschaftliches und nachhaltiges Bauen oder Sanieren. In diesem Umfeld als Planungsbüro seinen neuen, eigenen Weg zu finden, ist nicht einfach und doch notwendig, um die überfällige Transformation des Bausektors in den nächsten Jahren merklich voranzutreiben.

Die Baubranche muss sich in Richtung Kreislaufwirtschaft wandeln, um den Energie- und Ressourcenverbrauch beim Bau und späteren Betrieb von Gebäuden einzudämmen. (Foto: Nils Koenning / Lindner Group)
Leitthemen des Bauens

Der Messe BAU – die Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme – kommt in solchen Zeiten eine besondere Bedeutung zu, denn hier zeigen die Hersteller ihre Ideen und Innovationen, mit denen der dringende Wandel gestemmt werden soll. Als Spiegel dieser Herausforderungen hat die Messe diesmal fünf Leitthemen ausgerufen, an denen sich Hersteller wie Besucher entlanghangeln können: Die „Herausforderung Klimawandel“ fordert alle Experten der Planungs- und Baubranche auf, die Faktoren des Klimawandels ernsthaft zu beobachten und die eigene Arbeit frühzeitig darauf einzustellen. Das bedeutet auch, die neuen Möglichkeiten durch die „Digitale Transformation“ wahrzunehmen und durch Optimierung von Entscheidungs- und Arbeitsprozessen die Potenziale von Denk- und Handlungsszenarien besser zu nutzen. Ein wichtiger Treiber ist derzeit auch der Wohnungsbau und die „Zukunft des Wohnens“ hin zu einem qualitätsvollen und kostengünstigen Wohnraum. Um dem enormen Abfallaufkommen im Bausektor durch eine effiziente Kreislaufwirtschaft zu begegnen, ist der Fokus auf „Ressourcen und Recycling“ notwendig. Das fünfte Leitthema schließlich lautet „Modulares Bauen“ mit seriell vorgefertigten Bauteilen, ein vielversprechender Lösungsansatz, der einen wichtigen Beitrag zum Bauen in der Zukunft leisten kann. 

Lösungen für die Gebäudebegrünung am Objekt Kö-Bogen II von ingenhoven associates in Düsseldorf (Foto: Benning/Leonhards/Optigrün)
Digitale Herausforderung

Die physische Messe BAU in München ist nach wie vor die wichtigste Anlaufstelle für alle im Bausektor Beschäftigte. Die Coronapandemie allerdings hat das Internet als Kommunikations- und Informationsquelle noch einmal unter neuen Vorzeichen erschlossen – worauf auch Messen wie die BAU reagieren müssen. Gemeinsam mit der herstellerunabhängigen Vergleichplattform Plan.One hat die BAU deshalb das Fachportal „BAU Insights“ entwickelt. Neben dem digitalen Austausch zwischen Herstellern und Nutzern aus der Baubranche bietet die Plattform Fachinformationen an 365 Tagen im Jahr. Aussteller haben dort die Möglichkeit, Produktneuheiten und Unternehmens-News digital zur Verfügung zu stellen, Nutzer erhalten gleichzeitig einen Zugang zu Branchennews, die personalisiert zugespielt werden. Wer BAU Insights in der Messezeit nutzt, kann anhand interaktiver Hallenpläne individuelle Touren durch die Messehallen erstellen.

Am Rand des Stadtzentrums von Rennes verändert die keramische Fassade eines Wohnkomplexes von MVRDV ihr Erscheinungsbild im Verlauf des Tages. (Foto: agrob-buchtal.de / Ossip Architectuurfotografie)
Informationen auf vielen Kanälen

Zusätzlichen und vor allem wertvollen Input für einen Messebesuch liefert auch das umfangreiche Rahmenprogramm. Natürlich gibt es wie gewohnt wieder zahlreiche Kongress, Konferenzen, Preisverleihungen und Vortragsforen mit renommierten Referentinnen und Referenten, ebenso Special Areas und Sonderschauen, etwa von der DGNB, von Fraunhofer BAU, von der Deutschen Gesellschaft für Gerontotechnik (allesamt in Halle C2) sowie von ift Rosenheim (Halle C4). Empfehlenswert ist auch die Ausstellung „Bauen im Bestand 2021“ der Bayerischen Architektenkammer (Atrium West). Das CUBE-Magazin sendet aus Halle C2 außerdem den Architektur-Podcast „CUBE Talk!“. In eine neuen „Innovation Hub“ in Halle B0 werden die Themen Ressourcen und Recycling, Urban Mining, Modulares Bauen sowie innovative Bauprozesse im Fokus stehen, womit die Messe die Bedeutung von klimagerechtem und ressourcenschonendem Bauen hervorheben möchte. Neu bespielt wird das Atrium zwischen den A- und B-Hallen mit einer Sonderfläche im Village-Charakter, wo Aussteller die Vorteile architektonischer Modulbauweise zeigen; ergänzend dazu gibt es in Halle A2 einen Gemeinschaftsstand.

Guided Tour organisiert von World-Architects an der BAU (Foto: Oliver Guse / World-Architects)
Geführt durch den Messedschungel

Auch World-Architects bietet selbstverständlich wieder Talks und Guided Tours an, und zwar am Messefreitag, 21. April 2023. Treffpunkt ist im Forum der Halle C2 um 10:30 Uhr, wo Max Schwitalla (Studio Schwitalla, Berlin), Martin Jasper (Jasper Architects, Buenos Aires, Wien, Berlin), Anna Heringer (Anna Heringer Architecture, Laufen) und Erez Ella (HQ Architects, Tel Aviv) in Vorträgen und einer Panel Discussion zunächst für hochkarätigen Input sorgen, ehe anschließend Martin Jasper sowie Alexandra Wagner (allmannwappner gmbh, München) die Besucher mit auf eine Reise durch die Messehallen nehmen. Anmeldung auf den Seiten von World-Architects unter www.world-architects.com/bau-2023-forum-and-guided-tours. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Geländeplan (Bild: BAU)

BAU – Weltleitmesse für Architektur, Materialien, Systeme 

17.–22. April 2023

Trade Fair Center Messe München

Am Messeturm

81829 München

www,bau-muenchen.com

 

World-Architects Forum und Guided Tours:

www.world-architects.com/bau-2023-forum-and-guided-tours-21-april-2023-munich

 

Rahmenprogramm der BAU:

www,bau-muenchen.com/rahmenprogramm

 

Leitthemen der BAU:

www.bau-muenchen.com/leitthemen

 

Ausstellerverzeichnis:

www.bau-muenchen.com/ausstellerverzeichnis

 

Interaktiver Geländeplan:

www.bau-insights.de/hall-plan

 

BAU Insights:

www.bau-muenchen.com/insights

Vorgestelltes Projekt

ppp architekten + stadtplaner

Neubau Amtsscheune Zarrentin

Andere Artikel in dieser Kategorie