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The Making of the Kölsche Kachel

Christian Heuchel
12. Mai 2022
Die „Parkstadt Süd“ als städtebauliches Modell. © O&O Baukunst

Architektur prägt die Identität eines Ortes. Mit der Moderne hat sich jedoch eine globalisierte Ästhetik herausgebildet. Austauschbarkeit und Nicht-Identität prägen viele Städte weltweit. Wie lässt sich dieser Konformität des Städtebaus entgegenwirken, wie eine lokale Identität erzeugen? Welche Elemente schaffen eine Architektur, die mit emotionalen Erfahrungen verknüpft werden kann? Mit welchen Materialien lassen sich die Identität und die DNA einer Stadt subtil unterstützen?

Die „Parkstadt Süd“ im städtischen Umfeld © O&O Baukunst
Die Farben Kölns

Im Kölner Süden entsteht mit der „Parkstadt Süd“ eines der größten Stadtentwicklungsprojekte in Europa. Den Wettbewerb für die städtebauliche Rahmenplanung der „Parkstadt Süd“ hat O&O Baukunst Köln  gewonnen. Auf dem Gelände rund um den alten Großmarkt wird in den nächsten Jahren ein neues Stadtquartier gebaut. Für dieses Großprojekt haben wir eine Typologie an Häusern entworfen, die so nur in Köln stehen kann. Architektur prägt die Identität eines Ortes. Heimat und Identität sind Begriffe, die uns alle bewegen. Wir sind erschöpft von den weißen Siedlungen des Bauhauses und von einer Stadtauffassung, die rein pragmatisch und funktional ausgerichtet ist. Wir wollen eine Architektur schaffen, die emotionale Erfahrungen ermöglicht. Daher haben wir für die „Parkstadt Süd“ ein spezielles Farbkonzept entwickelt. „Die Farben Kölns“ umfasst eine Farbpalette, die in der Kulturgeschichte Kölns verankert ist. Der Konformität des Städtebaus wird so entgegengewirkt. Das neue Stadtquartier wird in eine besondere Farbatmosphäre getaucht werden. 

Das Foto zeigt „Die Farben Kölns“ in einer typisch kölschen Umgebung. © O&O Baukunst
Von römischen Öllampen inspiriert: die neue Farbpalette für die Parkstadt Süd. © O&O Baukunst
Die Kölsche Familie

Als Pilotprojekt der „Parkstadt Süd“ wird ab 2021 in der Sechtemer Straße ein Wohngebäude errichtet, das die städtebaulichen Eigenheiten der Stadt Köln aufgreift: die „Kölsche Familie“. Gebäude aus unterschiedlichen Epochen stehen selbstverständlich nebeneinander. Entsprechend setzt sich das neue Wohnhaus aus vier eigenständigen Baueinheiten zusammen – Einheit bei gleichzeitiger Vielfalt. Jede Einheit ist ein Unikat, jedes Haus ist individuell gestaltet und hebt sich von seinen Nachbarn ab. Verbunden sind sie durch einen keramischen Sockel in der Farbe „Dom Gold“. Für diesen Sockel wollten wir ein besonderes Bauprodukt verwenden, das es aber noch zu entwickeln gilt: Es sollte unverwechselbar händisch sein und sich unmittelbar auf die Stadt Köln bezieht. 

Kölsche Kachel

In einer Welt der zunehmenden Digitalisierung geht das Haptische verloren. Ein Phänomen, das uns als Architekten schon lange bewusst ist. Daher wollen wir, dass bei unseren Gebäuden die Eigenschaften der Materialien sinnlich zu spüren sind. Permanent sind wir auf der Suche nach Unternehmen, mit denen wir technisch und handwerklich in ihre Welt der Materialien eintauchen können. Das Kölner Unternehmen Backstein Kontor lebt das Entwickeln von Sonderanfertigen tagtäglich. Seine Herangehensweise ist bodenständig, seine Lösungen sind alltagstauglich. Gemeinsam haben wir die „Kölsche Kachel“ entwickelt: aus Keramik hergestellt, handgroß und in den Farbton „Dom Gold“ getaucht. Hier zeigt sich die Stärke des Materials: Es ist vielfältig, lebendig und zeitlos. In dieser Kachel sind die historischen Erinnerungen der Stadt gespeichert. Die „Kölsche Kachel“ weckt Assoziationen an die Architektur des Wiederaufbaus der 1950er-Jahre und die große Tradition der Fliesenherstellung in Europa. 

Modell in Dom Gold, Fuge rot © O&O Baukunst/Backstein-Kontor
Handwerk

Händische Prototypen sind wesentliche Elemente der europäischen Baukultur. Sie speichern im Detail städtische Geschichten und Erfahrungen. Diese Fähigkeit soll im Material erhalten bleiben. Aus ihnen gebaut ermöglicht einer Stadt wie Köln, langfristig eine eigene Strahlkraft zu entwickeln. Wir von O&O Baukunst haben als Architekten und Städtebauer Interesse daran, dass unsere Ideen und Produkte nicht nur an unseren Häusern vorzufinden sind, sondern auch für die breite, alltägliche Anwendung zur Verfügung stehen. Ein Produkt für viele, das gerne in großen Stückzahlen verwendet werden kann. In der „Kölschen Kachel“ zeigt sich, wie wichtig es ist, von der ersten Idee bis zum Bauprojekt mit Herz und Seele am Ball zu bleiben. Das ist die Aufgabe des Architekten. Eingebettet in unsere Geschichte und die Stadt ist es wichtig, Erinnerungen und Formen zu reflektieren. Diese Materialien sollen die Identität und die DNA der Stadt subtil unterstützen.

Interaktive Karte
Anhand ausgewählter Bauprojekte von O&O Baukunst wird die Thematik am Beispiel der Stadt Köln vorgestellt. Auf der interaktiven Karte hier erhalten Sie Informationen zu den ausgewählten Projekten.

«Town Planning in Democratic Structures» ist ein Projekt von O&O Baukunst Köln, C. FATH und World-Architects.

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