Peter Ippolito von Ippolito Fleitz Group – Identity Architects im Interview

Körpererfahrungen

 Thomas Geuder
4. Januar 2019
House HOD, 2014 (Bild: Zooey Braun / IF Group)
Im Badezimmer kommt alles zusammen, vom Anspruch, ein Wohlfühlraum für Körper und Seele zu sein, bis hin zur Technologisierung des Wohnens. Mit dem Architekten und Interior Designer Peter Ippolito aus Stuttgart haben wir über die aktuellen Entwicklungen im anspruchsvollen Bereich Bad gesprochen.
Interviewpartner: Peter Ippolito von Ippolito Fleitz Group – Identity Architects (Stuttgart, DE)

Das Gespräch mit Elisabeth Endres vom Ingenieurbüro Hausladen zur ISH - Weltleitmesse Wasser, Wärme, Klima lesen Sie hier: Das Maß der Technik
Thomas Geuder: Herr Ippolito, als einer von zwei Köpfen der IF Group – der andere Kopf ist Gunter Fleitz – stehen Sie für eine Auffassung, für die Architektur bzw. Innenarchitektur immer ein Teil eines Ganzen, innerhalb dieses Kosmos aber unverwechselbar ist. Sie selbst nennen das „Identity Architects“. Erläutern Sie uns bitte, wie sich dieser Anspruch mit der derzeitigen Vielfalt der Stile, in der alles möglich zu sein scheint, positioniert.
Peter Ippolito: In einer Welt, in der alles möglich scheint, möchten wir gerne Projekte machen, die nicht nur schön werden, sondern relevant. Es geht uns um keinen bestimmten Stil; vielmehr möchten wir etwas erschaffen, das einen Wert erzeugt, das im Innern berührt – und so für unsere Kunden zum Teil ihrer Geschichte wird. Deshalb stellen wir uns fast schon radikal auf unsere Auftraggeber ein. Für deren Identitäten möchten wir entsprechende Räume entwerfen. Bei der heutigen Flut an Bildern wollen wir die richtigen erzeugen, nicht einfach weitere.

Thomas Geuder: Wie darf man sich bei Ihnen die ersten Schritte in einem Projekt konkret vorstellen bzw. wie und in welcher Team-Zusammensetzung werden Ideen gefunden?
Peter Ippolito: Wir sind ein interdisziplinäres Studio. Das war von Anfang an die Grundidee. Wir wollten nie nur aus einer Richtung denken. Bei uns arbeiten neben Innenarchitekten und Produktdesignern auch Historiker und Schreiner. Aufgrund des breiten Backgrounds und der vielfältigen Ausbildungshintergründe unseres Teams können wir uns gut in die Welt unserer Kunden hineinversetzen. Wir denken nie nur in Räumen, sondern immer auch in Markenidentitäten. Und so setzen wir unsere internationalen Teams zusammen – passend für den Kunden und seine spezifischen Bedürfnisse.

Thomas Geuder: Das Bad hat sich in den letzten Jahren vom zweckorientierten Raum zum Waschen hin zu einem Wohlfühlort mit Spa-Qualität entwickelt – zumindest wird das von vielen gerne so gesehen. Berichten Sie aus Ihrem Arbeitsalltag: Werden solche Raumkonfigurationen bei Ihnen gezielt angefragt? Geben Sie uns ein paar Beispiele.
Peter Ippolito: Der Tag fängt im Bad an und endet dort eigentlich auch. Man sollte sich in diesem Raum deshalb wohl zu fühlen, sich dort die nötige Zeit für sich selbst zu nehmen. Wir haben Bäder noch nie als Nasszellen betrachtet, viel lieber als Bestandteil des Wohnens. Wenn es der Raum erlaubt, werden Badezimmer bei uns aktuell gerne en Suite angefragt. Bad, Schlaf- und Ankleidezimmer bilden dabei ein barrierefreies Ganzes.
Show apartment „Chromatic Spaces“, Shanghai, 2017 (Bild: IF Group)
Thomas Geuder: Das Smart Home macht auch vor dem Bad nicht Halt. Duschen, die die Vorlieben des jeweiligen Nutzers kennen, Spiegel mit eingebautem Screen für die neuesten Nachrichten oder die vernetzte Waschmaschine – all das verkompliziert die Technik und soll das Leben vereinfachen. Welchen Umgang pflegen Sie mit diesen neuen Technologien?
Peter Ippolito: Bäder sind Orte, in denen wir die Zeit meist allein verbringen. Zukünftige Bäderwelten deuten dagegen auf umfangreiche Konnektivität hin. Die Digitalisierung verändert unsere Sicht auf viele Themen, aber in unserer Wahrnehmung bleibt das Badezimmer immer auch ein Rückzugort, ein Ort, der die Sehnsucht nach sich selbst erfüllt, nach der eigenen Identität. Das Badezimmer ist als moderne, materialorientierte Erlebniswelt ein perfekter Ort, um Körper und Seele in Einklang zu bringen. Letztendlich muss aber jeder für sich selbst entscheiden, welchen Mehrwert er in der Digitalisierung sieht. Wir freuen uns immer sehr über Analoges, wenn wir zum Beispiel beobachten, wie Wasser in einer wunderschönen Spiralbewegung in der Dusche sanft abfließt.

Thomas Geuder: Was die Wahl der Materialien angeht, ist gerade im Bad alles gefragt, was für eine Wohlfühlatmosphäre sorgt, natürlich immer mit dem Anspruch, in Feuchträumen auch verwendbar zu sein. Wohin, meinen Sie, geht der Trend in der Gestaltung von Bädern hierbei zurzeit vornehmlich?
Peter Ippolito: Im Bad machen wir Körpererfahrungen. Latent sorgt das für Gestaltungsansätze, die uns ein Bild von Natur vermitteln. Materialien wie Holz, Naturstein oder auch Kupfer sind aktuell gefragt, ebenso Stein- und Holzimitate. Gleichzeitig nehmen die Material- und die Farbtiefe zu. In Kombination mit dekorativen und auch olfaktorischen Elementen, mit Licht und Raffinesse wird das Bad zu einem atmosphärisch dichten Gesamterlebnis – und so gefühlt zu einem wichtigen Teil des Wohnens.

Thomas Geuder: Eine persönliche Frage zum Schluss: Welches Badmöbel möchten Sie gerne einmal entwerfen und realisieren? Beschreiben Sie es bitte.
Peter Ippolito: Ich würde gerne Bademöbel entwerfen, bei denen nachts dezent die Möbelkanten leuchten. So laufe ich weder Gefahr, mir im Dunkeln die Zehen zu brechen, noch mich über unnötig helles Licht zu ärgern, das mich unsanft aus dem Halbschlaf reißt. Meinen persönlichen Bedürfnissen, käme das ebenso entgegen wie dem natürlichen Lichtrhythmus.
 
Yuhe Apartment, Shenzen (Rendering: IF Group)
Peter Ippolito
studierte Architektur in Stuttgart und Chicago. Während dieser Zeit war er als Assistent von Prof. Ben Nicholson (Chicago) tätig und sammelte praktische Erfahrungen im Studio Daniel Libeskind (Berlin). 2002 gründete er gemeinsam mit Gunter Fleitz die Ippolito Fleitz Group. 2015 wurden Peter Ippolito und Gunter Fleitz als die ersten deutschen Gestalter aus dem Bereich der Innenarchitektur in die ›Interior Design Hall of Fame‹ aufgenommen. Neben seiner gestalterischen Arbeit war Peter Ippolito mehrfach in der Lehre tätig und wird gern als Referent oder als Mitglied von Wettbewerbsjurys angefragt. Peter Ippolito ist Mitglied im Deutschen Designer Club.

ISH - Weltleitmesse Wasser, Wärme, Klima
Auf der ISH, der Weltleitmesse Wasser, Wärme, Klima, präsentieren vom 11. bis 15. März 2019 über 2.400 Aussteller, darunter alle Markt- und Technologieführer aus dem In- und Ausland, Neuheiten und Innovationen. Der Bereich ISH Water mit dem Trendthema „Farbe“ fokussiert auf innovatives Baddesign und nachhaltige Sanitärlösungen. Im Rahmen der ISH Energy widmet sich die Branche Themen wie Energieeffizienz und Komfort im Gebäude. Gleichzeitig erfüllt die ISH die wachsenden Bedürfnisse nach Individualisierung, Wohlbefinden und Ästhetik. Systemübergreifende Lösungen decken alle Anforderungen ab und leisten einen entscheidenden Beitrag zu einer energieeffizienten und ressourcenschonenden Gebäudetechnik. Als internationaler Branchentreffpunkt schlechthin – 64 Prozent der Aussteller und 40 Prozent der rund 200.000 Besucher kommen aus dem Ausland – nimmt die ISH eine weltweit führende Rolle ein.
Umfassende Informationen zur ISH unter: www.ish.messefrankfurt.com

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