Central Bus Station of the City of Pforzheim

Mehr als Funktion

Pforzheim, 2015
30. März 2016

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 Archiv «Bau der Woche»
Zentraler Omnibusbahnhof der Stadt Pforzheim
2015

Bahnhofplatz 1
75175 Pforzheim

Auftragsart
Begrenzt offener Realisierungswettbewerb, 1. Preis
Beauftragung der Lph 2-8

Bauherrschaft
Stadt Pforzheim

Architektur
METARAUM Architekten BDA, Stuttgart
Projektarchitekt: Felix Bittmann

Fachplaner
Tragwerksplanung: Engelsmann Peters Beratende Ingenieure GmbH, Stuttgart
Lichtplanung:  Day & Light Lichtplanung, München
Objektplanung Verkehrsanlagen: Mailänder Consult GmbH, Karlsruhe
TGA-Planung: P&H Hönes GmbH, Pforzheim

Ausführende Firmen
Stahlbau: STS Stahltechnik GmbH, Delmenhorst
Beplankung: Jaeger Ausbau GmbH + Co KG Rhein-Main, Wölfersheim

Grundfläche
10.000 m², davon überdacht 5.000 m²

Gebäudevolumen
45.000 m³

Auszeichnungen
„Staatspreis Baukultur Baden-Württemberg“, 2016
ddc Award Gute Gestaltung 16 „Gold“, 2015

Fotos
 Zooey Braun
Metaraum Architekten recently completed the Central Bus Station in Pforzheim. We already presented the project as a ‘Find’ at the beginning of this year – and our readers inquired about the weather functionality of the structure. Marcus Lembach answered our questions.
Ansicht vom Ostausgang des Hauptbahnhofs aus
Katinka Corts: Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Marcus Lembach: Der Neubau des ZOB Pforzheim ist Teil einer großen infrastrukturellen Entwicklungsmaßnahme. Er sollte neben der Verbesserung der verkehrlichen Verhältnisse einen bedeutsamen städtebaulich-architektonischen Beitrag zur Aufwertung des Gesamtbereiches leisten.

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Es ging darum, aus einem eigentlich rein technischen, profanen Funktionsbauwerk an einer zentral gelegenen, jedoch bisher städtebaulich völlig vernachlässigten Stelle einen echten «städtischen Raum» zu schaffen. Außerdem sollte durch diese «Drehscheibe» für moderne Mobilität der gesellschaftliche Stellenwert des öffentlichen Nahverkehrs angemessen dargestellt und stärker im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert werden.

Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Die Unterteilung der Dachfläche in drei Segmente ordnet den ZOB dem Maßstab des Hauptbahnhofs unter, erhält dessen optische Dominanz im Stadtgefüge und lässt Durchblicke und Bezüge zu den Stadtteilen nördlich der Bahnlinie zu. Die Formensprache des historischen Bahnhofgebäudes wird durch ein Design unserer Zeit ergänzt: Die geschwungenen Ränder der Dachsegmente sind aus den typischen Radien und Schleifen von Fahrzeugbewegungen abgeleitet – der ZOB zeigt sich sichtbar als dynamischer Bestandteil des Verkehrs am Ort.
Ansicht der drei Dächer von Osten
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Die Unterteilung der Dachfläche in drei Segmente ordnet den ZOB dem Maßstab des Hauptbahnhofs unter, erhält dessen optische Dominanz im Stadtgefüge und lässt Durchblicke und Bezüge zu den Stadtteilen nördlich der Bahnlinie zu. Die Formensprache des historischen Bahnhofgebäudes wird durch ein Design unserer Zeit ergänzt: Die geschwungenen Ränder der Dachsegmente sind aus den typischen Radien und Schleifen von Fahrzeugbewegungen abgeleitet - der ZOB zeigt sich sichtbar als dynamischer Bestandteil des Verkehrs am Ort.

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Neben den zur Umsetzung des Projekts beteiligten Fachplanern unterstützten Entscheidungsträger und Mitarbeiter der Stadt Pforzheim die Umsetzung des Wettbewerbskonzepts in vorbildlicher Weise, alle „zogen an einem Strang“. Dies wurde jetzt auch mit einer Auszeichnung zum Balthasar-Neumann-Preis gewürdigt, welcher ja die vorbildliche Kooperation von Bauherr, Architekt und Fachplanern auszeichnet.
«Abschwung» des Dachs als räumliche Fassung zu den Gleisen hin
«Abschwung» des Dachs zu den Geleisen hin
Wie beeinflussten Dritte das Projekt?
Die gute Leistung der Fachplaner machte die angestrebte qualitative Umsetzung des Wettbewerbsentwurfs möglich. Durch die Arbeit des Tragwerksplaners konnte die von uns konzipierte und erhoffte Schlankheit und Eleganz der Dachschale gut umgesetzt werden. Durch die Arbeit des Lichtplaners konnte ein Beleuchtungskonzept realisiert werden, welches dem Bauwerk bei Nacht eine angemessene Wirkung im städtischen Umfeld verschafft.

Wir hatten den ZOB kürzlich als Fundstück, gemeinsam mit anderen skulpturalen Bauwerken für den Nah- und Fernverkehr. In Kommentaren hieß es, als reine Landmarke hätte die Drehscheibe ihre Funktion als Schutzgeber vernachlässigt. Was sagen Sie zu solchen Stimmen?
Der Wetterschutz ist vollständig gegeben. Die Öffnungen in den Dächern befinden sich ausschließlich über den Fahrspuren, keiner wird nass. In herkömmlichen Bussteigen sind die Fahrspuren des ÖPNV ohnehin nicht überdacht. Auch mit der vorhandenen Dachhöhe ist ein wirksamer Schutz gegeben, gegen schräg einfallenden Regen schützt im Süden die spezielle, weit auskragende Dachgeometrie und im Norden der Abschwung des Dachs auf das Straßenniveau. Die Höhe des Dachs orientiert sich am historischen Bahnhofsbau – um einen ein echten, überdachten «Stadtraum» zu realisieren. Wie schon erwähnt sollte eine profane Reihung von Steigen an diesem zentralen Ort in der Stadt unbedingt vermieden werden. Deshalb wurde zur Lösung der Aufgabe auch ein aufwendiger, EU-weit ausgeschriebener Architektenwettbewerb organisiert.
Durchblicke zur Bahn
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Die komplexe Geometrie der Dachschale konnte durch eine leistungsfähige Stahlkonstruktion und die Beplankung mit zementgebundenen Putzträgerplatten umgesetzt werden.

Wir hatten den ZOB Pforzheim kürzlich als Fundstück*, gemeinsam mit anderen skulpturalen Bauwerken für den Nah- und Fernverkehr. In vielen Kommentaren wurde auf die eigentliche Funktion eines solchen Baus, die des Wetterschutzes, hingewiesen – der Bau könnte weder mit seiner Höhe noch mit den großen Löchern überzeugen. Als reine Landmarke hätte die Drehscheibe ihre Funktion als Schutzgeber vernachlässigt. Was sagen Sie zu solchen Stimmen?
Marcus Lembach: Der Wetterschutz ist vollständig gegeben. Die Öffnungen in den Dächern befinden sich ausschließlich über den Fahrspuren, keiner wird naß. In herkömmlichen Bussteigen sind die Fahrspuren des ÖPNV ohnehin nicht überdacht. Auch mit der vorhandenen Dachhöhe ist ein wirksamer Schutz gegeben, gegen schräg einfallenden Regen schützt im Süden die spezielle, weit auskragende Dachgeometrie und im Norden der Abschwung des Dachs auf das Straßenniveu. Die Höhe des Dachs orientiert sich am historischen Bahnhofsbau - um einen ein echten, überdachten „Stadtraum“ zu realisieren. Wie gesagt, eine profane Reihung von Steigen sollte an diesen zentralen Ort in der Stadt unbedingt vermieden werden. Deshalb wurde zur Lösung der Aufgabe auch ein aufwendiger, EU-weit ausgeschriebener Architektenwettbewerb organisiert.
Dächer B und C von Westen aus bei Nacht
Dach B bei Nacht
Dächer C und B von Osten aus bei Nacht
Lageplan
Grundriss
Schnitt

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Zentraler Omnibusbahnhof der Stadt Pforzheim
2015

Bahnhofplatz 1
75175 Pforzheim

Auftragsart
Begrenzt offener Realisierungswettbewerb, 1. Preis
Beauftragung der Lph 2-8

Bauherrschaft
Stadt Pforzheim

Architektur
METARAUM Architekten BDA, Stuttgart
Projektarchitekt: Felix Bittmann

Fachplaner
Tragwerksplanung: Engelsmann Peters Beratende Ingenieure GmbH, Stuttgart
Lichtplanung:  Day & Light Lichtplanung, München
Objektplanung Verkehrsanlagen: Mailänder Consult GmbH, Karlsruhe
TGA-Planung: P&H Hönes GmbH, Pforzheim

Ausführende Firmen
Stahlbau: STS Stahltechnik GmbH, Delmenhorst
Beplankung: Jaeger Ausbau GmbH + Co KG Rhein-Main, Wölfersheim

Grundfläche
10.000 m², davon überdacht 5.000 m²

Gebäudevolumen
45.000 m³

Auszeichnungen
„Staatspreis Baukultur Baden-Württemberg“, 2016
ddc Award Gute Gestaltung 16 „Gold“, 2015

Fotos
 Zooey Braun

Vorgestelltes Projekt

Ogrydziak/Prillinger Architects

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