Gut gefaltet

Martina Metzner
7. Oktober 2020
Ein selbsttragender Paravent aus BiOrigami. (Bild: Samira Boon)

Für die akustischen 3D-Elemente BiOrigami kombiniert Samira Boon ein Biokomposit aus ausgedienten Kaffeesäcken mit der Technik der japanischen Origami-Faltkunst.

Dreidimensionale Wandpaneele aus Textil haben in den vergangenen Jahren für Furore in der akustischen Innenraumgestaltung gesorgt – man denke etwa an die Soft Cells von Kvadrat, an Nitona von M&K Filze oder an die Produkte Hey-Sign. Mit einer besonderen Materialmischung schafft es die niederländische Designerin Samira Boon mit ihren 3D-Textil-Akustik-Elementen unter dem Namen BiOrigami dem Ganzen noch eins oben drauf zu setzen. Boon verwendet für die Elemente ausgediente Jutesäcke, in denen Kaffeebohnen transportiert werden (das gleiche Material, das sich Thermo Jute für Dämmung zunutze macht, wir berichteten). Die Textildesignerin verarbeitet die Säcke allerdings so, dass sie sie mit biobasierten Kunststoffen mischt – daraus entsteht das Material RECURF, das ursprünglich an der Amsterdamer Fachhochschule entwickelte wurde. Daraus ergeben sich die weichen Jute-Platten, die Boon lasercuttet und wie Origami faltet. Das Projekt soll über den akustischen und raumbildenden Nutzen hinaus auch nachhaltige Aspekte wie Kreislaufwirtschaft vermitteln.

Für ihr Projekt BiOrigami kombinierte Samira Boon ein Biokompositmaterial aus ausgedienten Jutesäcken mit der Technik der Origami-Faltkunst. (Bild: Samira Boon)

Ziel ihrer Forschung war neben der Materialkomposition auch, die Techniken des japanischen Faltkunst Origami für raumbildende Strukturen zu ergründen. Denn durch das Zusammenspiel aus flexiblen Falten und steifen Flächen kann einem flachen Material Eigenschaften wie Tragfähigkeit, Akustik oder Flexibilität verliehen werden, so Boon. Dazu verwendet Boon in Zusammenarbeit mit ihren Produktionspartnern digitale Fertigungstechniken. Sie experimentierten mit verschiedenen Variablen wie Dicke, Steifheit und Textur. Besonders viel Arbeit floss in die Untersuchung der Faltmuster, da dieses maßgeblich die Tragfähigkeit des spezifischen Materials erhöht. Mit dem optimierten Muster wurde ein Pavillon gebildet.

Boon und ihre Projektpartner probierten verschiedenste Falttechniken unter Zuhilfenahme eines Lasercutters aus, der die Faltung des Material ermöglichte. (Bild: Samira Boon)

Das Projekt wurde in Kooperation mit der Amsterdam University of Applied Science und Next Architects entwickelt. Unter dem Namen BioFold wird BiOrigami in den Niederlanden kommerziell vertrieben. Samira Boon entwickelt BiOrigami vor dem Hintergrund ihrer Tätigkeit als Forscherin im Bereich textile Architektur, insbesondere mit Fokus auf Nachhaltigkeit, Dreidimensionalität und Flexibilität.

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