Gläserner Superlativ

Martina Metzner
12. Juni 2019
In den computergesteuerten Bearbeitungszentren von Sedak wird Basisglas bis 20 Meter Länge geschnitten, geschliffen, gebohrt und gefräst. (Foto: Sedak)

Mit 3,51 auf 20 Metern kommt das größte Glas der Welt aus Gersthofen: von Sedak, einer Tochterfirma von Seele. Bearbeitet und veredelt werden kann es auf viele Arten.

Seit Mitte 2018 bietet Sedak die größten Isolier- und Sicherheitsgläser der Welt: Flachglas in den Maßen 3,51 auf 20 Meter, das am Stammsitz in Gersthofen produziert wird. Die Gläser können bearbeitet, vorgespannt, laminiert, bedruckt, beschichtet, laminations- und thermisch gebogen werden. Alle Veredelungsschritte verlaufen bei Sedak automatisiert. Das Unternehmen betreibt seit 2014 einen keramischen Digitaldrucker, der Glas in einer Auflösung bis zu 1024 dpi bedruckt. Um perfekt gebogene Gläser zu erhalten, wendet Sedak das Kaltbiegen im Laminationsverfahren an. Dazu werden Verbundgläser eingespannt und gebogen, um dann die einzelnen Laminate unter 140 Grad Celsius und unter Druck im Autoklav miteinander zu verbinden. Beim Kaltbiegeverfahren beträgt der minimale Radius das 1500-fache der Glasstärke – etwa bei 10 Millimeter circa 15 Meter Biegeradius.

Beim „Glas-Tempern“ wird das Basisglas zu teilvorgespanntem Glas (TVG), Einscheibensicherheitsglas (ESG) und nach dem Brennen sowie Laminieren zu Verbundsicherheitsglas (VSG) weiterverarbeitet. (Foto: Sedak)

Für maximale Transparenz einer Fassade fertigt Sedak zudem Glasfins, die als Tragkonstruktion für Fassaden- oder Dachgläser dienen. Die technische Finesse zeigt sich an den Verbindungsstücken, den sogenannten Toggles: Sie sind hochexakt in die Mehrfach-Laminate eingearbeitet und für den Betrachter kaum sichtbar. Um eine unkomplizierte Montage auf der Baustelle zu ermöglichen, werden die Glasschwerter zusätzlich mit Metallschuhen ausgeliefert, die vom Kunden bereitgestellt werden und werksseitig an die Fins verklebt werden.

Sedak bietet mit Roller Coater und digitalem Flachbettdrucker zwei Verfahren an, mit denen Formate bis 20 Meter Länge keramisch bedruckt werden können. (Foto: Sedak)

Bekannt wurde Sedak durch die gebogenen, 15 Meter großen Fassadengläser und Vordachscheiben für den neue Apple-Firmensitz in Cupertino.Weitere Referenzen für große Glasformate sind das Haus der Europäischen Geschichte in Brüssel, die medizinische Fakultät in Montpellier, der Torre Europa in Madrid, der Palais des Nations in Genf und die Experimenta in Heilbronn. 2007 als Tochterfirma hervorgegangen aus der Gersthofer Glasverarbeitungsfirma Seele beschäftigt der Flachglashersteller Sedak heute 180 Mitarbeiter*innen und ist immer noch inhabergeführt.

Für den Apple Park von Sir Norman Foster lieferte Sedak die gebogenen Fassadenscheiben. (Foto: Apple)
Für den Eingangsbereich des 121 Meter hohen Torre Europa in Madrid lieferte Sedak 10 auf 3 Meter große Gläser, die von Glasfins gestützt werden. (Foto: Bellapart)

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