Sanierung Ärztekammer Schleswig-Holstein in Bad Segeberg

Runderneuerter 70er

Thomas Geuder
25. Juni 2018
In Bad Segeberg haben Mißfeldt Kraß Architekten das Gebäude der Ärztekammer Schleswig-Holstein kernsaniert und modernisiert. (Bild: HG Esch für Delta Light)

Projekt: Sanierung Ärztekammer Schleswig-Holstein (Bad Segeberg, DE) | Architektur: Mißfeldt Kraß Architekten (Lübeck, DE) | Bauherr: Ärztekammer Schleswig-Holstein (Bad Segeberg, DE) | Hersteller: Delta Line + Light GmbH (Übach-Palenberg, DE), Kompetenz: Pendel- und Deckeneinbauleuchte Supernova, Deckeneinbaustrahler Tweeter | weitere Projektdaten siehe unten

Die Stadt Bad Segeberg, hoch im Norden Deutschlands in Schleswig-Holstein, kennt man vor allem von den Karl-May-Festspielen, die hier im Kalkbergstadtion alljährlich unter freiem Himmel stattfinden. Um Winnetou und Old Surehand jedoch soll es hier jedoch einmal nicht gehen. Vielmehr blicken wir vom Stadtzentrum aus ein Stückchen nach Norden, an die Westflanke des Großen Segeberger Sees, wo sich seit den 1970er- Jahren die Ärztekammer Schleswig-Holstein befindet, in einem 1976 fertiggestellten Verwaltungskomplex mit für diese Zeit typischer Langfensterfassade nebst einer eher plattenartigen Verkleidung, die hier immerhin aus Granit und Marmor bestand. Ein erhöhter Bedarf an Bürofläche und die Möglichkeit, eine professionelle IT-Infrastruktur zu installieren, warf die Frage nach Abriss und Neubau oder Sanierung und Erweiterung auf. Die Bausubstanz aber war solide und recht zeitlos gestaltet. So entschieden sich der Bauherr und die Architekten Tobias Mißfeldt und Hauke Kraß für die Variante „umfassende Kernsanierung und Modernisierung“. Zur Erweiterung der Flächen sollte ein Staffelgeschoss aufgesetzt werden.

Der Haupteingang befand sich zuvor hier an der Seitenfassade und wurde im Zuge der Sanierung zur Straßenseite verlegt (Treppe links im Bild). (Bild: HG Esch für Delta Light)

Konkret bedeutete das, dass die komplette Granit- und Marmor-Fassade entfernt und durch einen hellgrauen, dänischen Ziegel im Langformat ersetzt wurde. Die Farbigkeit wählten die Architekten dabei so, dass mit dem üppigen Baumbestand, in dem sich das Gebäude befindet, harmonisiert. Die Fenster blieben als Langfenster erhalten – auch weil durch sie eine starke optische Verbindung nach außen besteht – und wurden lediglich durch Holz-Aluminium-Rahmen mit Dreischeiben-Wärmeschutzverglasung ersetzt. Wichtigste organisatorische Änderung im Grundriss ist die Verlegung des Haupteingangs einmal um die Ecke zur Straßenseite, wodurch das Gebäude eine klare Vorderseite erhält und sich drinnen ein merklicher Raumgewinn ergibt, der Platz für einen Aufzug und somit für die Barrierefreiheit macht. Betont wird der Eingang durch das über dem Eingang hervorstehende, neue, L-förmige Staffelgeschoss, eine Holzmassivkonstruktion, die auf dem bisherigen Flachdach angeordnet wurde. Die Fassadenverkleidung dieses Obergeschosses besteht aus einer dunkelgrauen, horizontalen Lattung, von den Architekten als Kontrast zu den hellgrauen Ziegeln gedacht. Konstruktiv besteht der Wandaufbau aus einer hinterlüfteten Vorhangfassade mit Kerndämmung.

Im Foyer befindet sich dort, wo sich der Haupteingang befand, nun ein großzügiges Fenster. (Bild: HG Esch für Delta Light)

Im Innenraum herrscht eine eher reduzierte Form- und Farbsprache, dezent, ruhig und klar. Weiß gespachtelte Wände, weiß lasierte Wände aus Tannenholz, Einbauten aus Holz mit entsprechender Holzoberfläche und Böden mit Parkett, dunklem, funktionalem Nadelvlies oder Vinyl bestimmen die materielle Atmosphäre. Spielerisch anmutend dagegen präsentiert sich die Decke mit verschieden großen und runden Deckeneinbauleuchten, die an zentralen Orten wie der Rezeption oder dem Treppenhaus aus der Deckenebenen als Pendelleuchten heraus treten (Delta Light). Zur Betonung einzelner Ecken sind hie und da Einbaudownlights angeordnet, etwa im Windfang oder in den Konferenzräumen, allesamt mit stromsparenden LEDs bestückt. Mißfeldt Kraß Architekten haben so eine dekorative Leichtigkeit in die Innenräume gebracht, die hier sonst vermultich hinter der Reduktion verborgen geblieben wäre.

Verspielt setzt sich das Thema der runden Deckenleuchten weiter im Flur fort. (Bild: HG Esch für Delta Light)
Die Inneneinrichtung ist eher reduziert gehalten, was die Deckenbespielung noch betont. Im Bild: der große Konferenzraum. (Bild: HG Esch für Delta Light)
Vom neuen Obergeschoss aus lässt sich ein wunderbarer Blick in den umgebenden Baumbestand genießen. (Bild: HG Esch für Delta Light)
Lageplan / Schwarzplan (Quelle: Mißfeldt Kraß Architekten)
Grundriss Obergeschoss alt/neu(Quelle: Mißfeldt Kraß Architekten)
Grundriss Erdgeschoss alt/neu (Quelle: Mißfeldt Kraß Architekten)
Grundriss Untergeschoss alt/neu (Quelle: Mißfeldt Kraß Architekten)
Das Haus aus den 1970er-Jahren musste nun wieder fit für die Zukunft gemacht werden. (Bild: Mißfeldt Kraß Architekten)
Trotz alter Substanz: Mit neuem Haupteingang, neuer Fassade und neuem Obergeschoss wirkt das Gebäude wie nagelneu. (Bild: Mißfeldt Kraß Architekten)

Projekt
Sanierung Ärztekammer Schleswig-Holstein
Bad Segeberg, DE

Architektur
Mißfeldt Kraß Architekten
Lübeck, DE

Bauherr
Ärztekammer Schleswig-Holstein
Bad Segeberg, DE

Hersteller
Delta Line + Light GmbH
Übach-Palenberg, DE

Kompetenz
Pendel- und Deckeneinbauleuchte Supernova, Deckeneinbaustrahler Tweeter

Lichtplanung
Mobiliar licht + raum GmbH DS
Lübeck, DE

Statik
Ingenieurbüro Kröter & Steinchen
Lübeck, DE

Sicherheits- / Gesundheitskoordinator
IBAG
Grit Huesmann
Seedorf, DE

Fachplaner Elektro
IBH Ingenieurbüro Hornecker
Lübeck, DE

Fachplaner TGA
Ingenieurbüro Harms
Lübeck, DE

Brandschutz
Assmann Schmidt Ingenieure
Lübeck

Fertigstellung
2017

Fotografie
HG Esch für Delta Light
Mißfeldt Kraß Architekten


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