Neubau Shared-Living-Wohnhaus in Berlin von SEHW Archtiektur

Moderne Wohngemeinschaften

Thomas Geuder
22. August 2017
Die Planer von SEHW Architektur verstehen ihr Gebäude in Berlin-Moabit als ein «smartes Wohnhaus» für den modernen Nomaden. (Bild: Philipp Obkircher / SEHW Architektur)

Der seit Langem angespannte Wohnungsmarkt ruft kreative Lösungen auf den Plan, die an die Studienzeit erinnern. SEHW Architektur hat ein solches Shared-Living-Konzept in Berlin verwirklicht, das modernen Business-Nomaden Raum bietet.

Projekt: Neubau Shared-Living-Wohnhaus (Berlin, DE) | Architektur: SEHW Architektur GmbH (Berlin, DE) | Bauherr: Stromstr 36 Grundbesitz GmbH (Berlin, DE) | Hersteller: diverse | weitere Projektbeteiligte siehe unten

Zugegeben, die Mieten in Berlin haben gottlob bisher nicht das Niveau von Städten wie München, Stuttgart oder Frankfurt am Main erreicht, die Aufholjagd aber hat längst begonnen, die Preisspirale dreht sich immer schneller. Abseits der politischen wie wirtschaftlichen Diskussion, die man über diese Entwicklung führen könnte, entwickeln sich das Wohnen und das Arbeiten jedoch weiter. Viele fragen sich, wie bzw. in welcher Form sie zukünftig wohnen möchten und werden. Nicht selten schließen sich etwa mehrere Familien zu Gemeinschaften zusammen, um eine Art Wohnsynergie zu schaffen. Arbeitsplätze wiederum sind manchmal nur temporär an einen Ort gebunden, was zu häufigen Wohnungswechseln führt. All das führt zu neuen Wohnkonzepten, die man so aus Metropolen wie London oder New York bereits kennt: Serviced Apartments oder Shared-Living-Modelle sind dort gängige Modell für die modernen urbanen Nomaden, Wohnformen also, die recht flexibel und mitunter kostengünstig auf den Markt reagieren können.

Mit verschiedenen Farbtönen ist die Fassade subtil gegliedert, die Balkone lassen verhältnismäßig viel Licht nach unten durch. (Bild: Philipp Obkircher / SEHW Architektur)

Ein solches Haus haben die Planer von SEHW Architektur in Berlin gebaut. Das kompakte, fünfstöckige Gebäude schließt eine Lücke in zweiter Reihe eines typischen Berliner Blocks. Höhe, Tiefe und Kubatur orientieren sich an den angrenzenden Nachbargebäuden, die Fassade aber hebt sich deutlich ab durch verschiedene Putzfarben und Strukturen, bodentiefe Fenster und entsprechende Balkone, die jeweils zwei Wohneinheiten verbinden. Dieser Entwurfsansatz zeigt: Hier geht es um Wohnen, aber anders: Insgesamt 10 Wohneinheiten für 50 Bewohner sind entstanden, in denen ad hoc und voll ausgestattet gewohnt werden kann, samt schnellen Anschluss ans digitale Netz. «Wichtig ist», so die Architekten, «dem digitalen Nomaden aber auch der schnelle soziale Anschluss. Daher kommen zu den privat genutzten und voll möblierten Räumen auch hochwertig ausgestattete gemeinschaftlich genutzte Flächen, die zur Kommunikation einladen und den Start in einer fremden Stadt erleichtern.» Schlafen und Arbeiten sollen also in den privaten Bereichen stattfinden, alles andere in den Gemeinschaftsräumen, die denn auch alles bieten, was dazu nötig ist: ein großer Küchenblock, ein großer Essbereich für Feste, eine Waschküche, eine Lounge mit Bar und ein Heimkino.

In jedem Stockwerk befindet sich pro Wohneinheit ein zentraler Raum als Treffpunkt und sozialer Mittelpunkt der Bewohner. (Bild: Philipp Obkircher / SEHW Architektur)

Konstruiert ist das Gebäude aus vorgefertigten Holz-Massiv-Elementen in Systembauweise mit aussteifendem Betonkern, der das Treppenhaus und den Fahrstuhl aufnimmt. Das Tragwerk funktioniert als Schottenbau mit tragender Fassade. Durch die fast ausschließliche Verwendung von Holz ist es möglich gewesen, das Gebäude in nur viereinhalb Monaten zu errichten, wobei der Holzrohbau sogar in nur zwei Wochen fertiggestellt werden konnte. Das ist wirtschaftlich günstig und kommt dem Aspekt der Nachhaltigkeit entgegen. Die Architekten nennen das Ganze dann smartes Wohnhaus, Wohnmaschine, Wohlfühlhaus, Nest und auch Community Hub – womit einmal mehr gezeigt wäre, dass die klassische Studenten-WG nicht die schlechteste Wohnform ist, die durchaus auch im mittleren Lebensalter durchaus ihre Berechtigung haben kann.

Ein kleines Heimkino sorgt ebenfalls für ein ungezwungenes Zusammenkommen. (Bild: Philipp Obkircher / SEHW Architektur)
Die privaten Zimmer sind relativ kompakt, dafür mit allen notwendigen Möbeln bereits ausgestattet. (Bild: Philipp Obkircher / SEHW Architektur)
Auch in den gemeinschaftlichen Badezimmern herrscht eine sachliche, aber hochwertige Reduktion aufs Wesentliche. (Bild: Philipp Obkircher / SEHW Architektur)
Lageplan (Quelle: SEHW Architektur)
Grundriss Regelgeschoss (Quelle: SEHW Architektur)
Grundriss Erdgeschoss (Quelle: SEHW Architektur)
Fassadendetail Anschluss Außenwand mit Fenster und Balkon (Quelle: SEHW Architektur)
Dank Vorfertigung und Systembauweise konnte das Gebäude in einer Bauzeit von weniger als einem halben Jahr realisiert werden. (Bild: Eun Kyoung Song / SEHW Architektur)

Zeitraffer der Baustelle. (0:50 min., SEHW Architektur)

Einziger Akzent aus Beton im Haus ist das Treppenhaus samt Fahrstuhl. (Bild: Philipp Obkircher / SEHW Architektur)
Ob Wohnmaschine, Wohlfühlhaus, Nest, Community Hub, smart Wohnhaus oder Shared-Living-Modell, in dem Wohnhaus geht es darum, eine Wohnform zu schaffen, die zum modernen Nomaden passt. (Bild: Philipp Obkircher / SEHW Architektur)
Projekt
Neubau Shared-Living-Wohnhaus
Berlin, DE

Architektur
SEHW Architektur GmbH
Berlin, DE

Bauherr
Stromstr 36 Grundbesitz GmbH
Laaber, DE

Hersteller
Aufzüge, Rolltreppen: Kone GmbH
Ventilatoren: Helios Ventilatoren GmbH + Co KG
Klima: Brockmann Klima GmbH

Generalunternehmer und Holzbau
Weissenseer Holz-System-Bau GmbH
Greifenburg, AT

Tragwerksplanung
DI Kurt Pock
Ingenieurbüro für Holzbau und Tragwerksplanung
Klagenfurt, AT

GTB Berlin GmbH
Berlin, DE

Landschaftsarchitektur
ST Raum A
Berlin, DE

Heizung/Sanitär
Gustav Bertram GmbH
Berlin, DE

Elekto
Elektroanlagenbau Harting
Calau, DE

SiGeKo
IABU - Prenzel & Partner Gmb
Berlin, DE

Brandschutz
Apfelböck Ingenieurbüro GmbH
Landau an der Isar, DE

Generalunternehmer
Weissenseer Holz-System-Bau GmbH Deutschland

BGF
1.118 m²

Baukosten
1.815.750 €

Fertigstellung
2017

Fotografie
Philipp Obkircher
Eun Kyoung Song
Projektvorschläge
Sie haben interessante Produkte und innovative Lösungen im konkreten Projekt oder möchten diesen Beitrag kommentieren? Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

Die Rubrik «Praxis» ent­hält aus­schließ­lich redak­tio­nell er­stellte Bei­träge, die aus­drück­lich nicht von der Indus­trie oder anderen Unter­nehmen finan­ziert werden. Ziel ist die un­ab­hängige Be­richt­er­stat­tung über gute Lösungen am kon­kreten Pro­jekt. Wir danken allen, die uns dabei unter­stützen.

Verwandte Artikel

Andere Artikel in dieser Kategorie