Im Gespräch mit ZÜBLIN-Vorstand Markus Landgraf

Markus Landgraf: „Wir wollen bis 2040 klimaneutral sein“

Leonhard Fromm
7. September 2022
Markus Landgraf (Foto: Züblin)
Herr Landgraf, was sind die Hindernisse CO2-reduziert zu bauen?

Markus Landgraf: Wir brauchen Bauherren, die ihr Projekt nachhaltiger umsetzen möchten. Oftmals mangelt es noch am Bewusstsein und technischen Wissen potenzieller Auftraggeber für all diese, zugegebenermaßen komplexen, Themen. Zum anderen hat die Politik lange Zeit andere Prämissen gesetzt, etwa besonders hohe Sicherheitsstandards. Viele Normen sind veraltet, neue Entwicklungen noch nicht rechtssicher einsetzbar, etc. Hier muss deutlich mehr Geschwindigkeit aufgenommen werden.

Wie wollen Sie diese Hindernisse beseitigen?

Wir wollen unser Know-how und unseren Einfluss in der Branche nutzen, um schneller zu einem ressourcenschonenden, klimaneutralen Bauwesen zu kommen. Der ZÜBLIN-/STRABAG-Konzern hat seit 2021 eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie fest verankert und mit konkreten Maßnahmen und ehrgeizigen Zielen hinterlegt: Wir wollen bis 2040 klimaneutral sein. Intelligentes und nachhaltiges Bauen beginnt bei der Planung, weshalb wir diesen Bereich massiv ausgebaut und weitere Kompetenzen erworben haben. Bei ZÜBLIN liegt der Fokus auf der Beratung unserer Kunden. Das hat Tradition, weil wir schon immer Alternativen offeriert haben, wie man effizienter, langlebiger oder schneller bauen kann. Mittlerweile rücken wir bei unserer Beratung die Nachhaltigkeit und den Lebenszyklus eines Bauwerks in den Fokus: Wie können wir für unsere Kunden ökologischer bauen und langfristig Kosten vermeiden.

Was hilft Ihnen dabei und woran arbeitet Ihr Haus aktuell vorrangig?

Aktuell hilft uns fast alles: Die EU-Taxonomie, die Pariser Klimaziele, die CO2-Steuer, der Baustoff- und Fachkräftemangel und die wachsende Bereitschaft vieler Entscheider, angesichts der Zukunftsszenarien jetzt endlich Verantwortung zu übernehmen und zu handeln.
Wir investieren in Photovoltaik, stellen unseren Fuhrpark auf e-Antriebe um, optimieren und digitalisieren unsere Bauprozesse, achten bei der Logistik auf Regionalität und vieles mehr. Zudem kooperieren wir mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen im Bereich nachwachsender Baumaterialien und neuer Verfahren, um z. B. durch veränderte Konstruktion und Einsatz von Ingenieur-Know-how bei Beton die Hälfte an CO2 zu reduzieren. Es gibt Projekte, bei denen wir als Generalunternehmen 80 Prozent des Abrissmaterials wiederverwerten und den Neubau komplett kreislauffähig errichten. Das erworbene Wissen und Können geben wir dann an unsere Belegschaft weiter.

Wie setzt sich die CO2-Bilanz von Züblin anteilig zusammen?

Damit beschäftigen sich unsere Fachleute. Etwa auch, wie viele Bagger, Radlader oder Lkw wir betreiben und wieviel hunderttausend Liter Diesel wir dafür pro Monat verbrauchen. Ziel ist es, genau solches Wissen zu bündeln, in die Breite zu tragen und Maßnahmen abzuleiten wie etwa spritsparende Bedienung, Regionalität in der Logistik oder Umrüstung auf Elektromobilität. In unserer Verwaltung wollen wir bis 2025 klimaneutral sein. Und da etwa 70 Prozent unserer Wertschöpfung externe Nachunternehmen und Lieferanten erbringen, insbesondere im Bereich Baumaterial, erfassen wir auch hier entlang der gesamten Wertschöpfungskette zunehmend alle Emissionen und setzen uns Ziele, diese Emissionen zu reduzieren.

Wo steht Nachhaltigkeit im Ranking Ihrer Herausforderungen?

Ganz sicher ist das unser Hauptanliegen, allerdings ist damit eng die weitere Umsetzung der Digitalisierung verknüpft. Wenn uns Building Information Modelling (BIM) dokumentiert, was wo im Gebäude verbaut wurde, wird das Bauwerk zum Materiallager. Die digitale Verknüpfung all dieser Bauwerke liefert uns bei ihrer Demontage in einigen Jahrzehnten wichtige Informationen, was wo wiederverwendet werden kann.
Was das Bewusstsein dafür angeht, gibt es jedoch ganz sicher innerhalb Europas ein Nord-Süd-Gefälle. Deutschland und Benelux, wo wir überwiegend tätig sind, erlebe ich aber diesbezüglich als homogenen Markt.

                                                                

Vorgestelltes Projekt

Robert Meyer und Tobias Karlhuber Architekten

Wohnbebauung in Bad Tölz

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