Restaurant GinYuu in Stuttgart

Licht mit System

 Thomas Geuder
9. Februar 2016
Das GinYuu ist ein weiterer Streich des Gastronoms Kent Hahne, der bereits mit der Restaurantkette Vapiano erfolgreich war. (Bild: Zooey Braun)
Die Systemgastronomie will das «Essen» zum Erlebnis machen, meist mit ausgeklügeltem Restaurantkonzept und einprägsamem Raumdesign. So auch im Stuttgarter GinYuu, gestaltet von der Ippolito Fleitz Group und beleuchtet von Lichtwerke.
Projekt: Restaurant GinYuu (Stuttgart, DE) | Innenarchitektur: Ippolito Fleitz Group GmbH (Stuttgart, DE) | Lichtplanung: Lichtwerke GmbH (Köln, DE) | Bauherr: Apeiron Restaurant & Retail Management GmbH (Bonn, DE) | Hersteller: benwirth licht GmbH (München, DE), Kompetenz: Incredible Bulb | weitere Projektdaten siehe unten
Mit der Restaurantkette Vapiano etablierte der Gastronom Kent Hahne eine der erfolgreichsten Restaurantketten und hob das Thema «Essen» noch einmal auf ein völlig neues Level. Ende 2013 startete er ein neues Konzept, das «GinYuu», bei dem bewährte Systemgastronomie-Elemente wie das Front-Cooking oder das Chip-Bezahlsystem übernommen werden, diesmal aber mit sogenannter pan-asiatisch-pazifischen Ausrichtung der Küche samt integrierter Lounge mit Cocktailkarte. Das Pilotrestaurant ging in Bonn an den Start, die zweite Filiale eröffnete Ende 2014 im Stuttgarter Einkaufszentrum Milaneo, gestaltet von der Ippolito Fleitz Group, ebenfalls aus Stuttgart.
Die Raumtopografie wird bestimmt durch die gastronomischen Bereiche Empfangstresen, Bar und Küchenzeile. (Bild: Zooey Braun)
Ziel bei der Gestaltung war es, die Besucher aus dem Einkaufszentrum in die GinYuu-Welt förmlich eintauchen zu lassen und so Stress und Hektik vergessen lassen zu können. Dies wollen die Planer vor allem durch eine atmosphärisch dichte Raumsituation erreichen, die ganz unterschiedliche Orte zum Verweilen schafft. Inspirationsquell war die asiatische Esskultur mit ihrer schlicht-funktionalen Einrichtung und den bunten Gerüchen und Geräuschen, aber auch die gedämpfte, schwülheiße Atmosphäre in einem amerikanischen Südstaaten-Diner. «‹Eat Drink Man› trifft die Forida Keys» nennen das die Gestalter.
Im GinYuu will der Betreiber ein vielfältiges und differenziertes Sitzplatzangebot bereitstellen. (Bild: Zooey Braun)
Bestimmendes Material in diesem Entwurf ist das Holz, das mit verschiedenen Holzarten, -farben und -oberflächen überall im Raum zu finden ist. So sind die runden Tische mit den Treibholzfundstücken belegt, raumhohe Filter aus Fichtenholzklötzen zonieren den Raum, Eichendielen auf dem Boden und als Verkleidung der Tresen geben eine gestalterische Basis, die Gäste sitzen an dunkel gebeizten, sägerauhen Tischplatten, die Wand über dem Tresen ist mit einer handgefertigten Holztafel verkleidet. Die freie Anordnung der weißen Shutter-Streben wie auch die hohen Metallfilter, die gespannten Taue vor den Holzwänden in den Separees oder die großen Deckenventilatoren sind Teil einer Collage pan-asiatischer Erinnerungsmotive. Akzente werden durch violettfarbene Stehhocker oder die Fliesen an sämtlichen Stützen gesetzt, die von Illustratorin Claudia Wagner in lebhaften und liebevoll ausgestalteten Bildmotiven die Idee und Haltung von GinYuu visualieren sollen.
Eine lange lederbezogene Bank mit breiter Rückenlehne und niedrigen Beistelltischen lädt zum entspannten Verweilen ein. (Bild: Zooey Braun)
Die Beleuchtung im Raum setzt klar auf das Hervorheben der für die Besucher wichtigen Oberflächen und Formen. Sie wird bestimmt durch einige dekorative Leuchten in Form von großvolumigen Pendelleuchten. Sie vermitteln dem Gast das Gefühl, dass die Pendelleuchten für die Raumatmosphäre und die Helligkeit verantwortlich sind. Das sind sie jedoch nur teilweise, denn die Grundbeleuchtung wird additiv durch enggebündeltes Licht aus hochabgeblendeten Richtstrahlern ergänzt, die recht unauffällig in der Technikdecke integriert sind. Den Planern zur Hilfe kam dabei die lichte Raumhöhe von 4,40 m. So sind die matt-schwarz lackierten Leuchten in der dunkel-lila (die CI-Farbe des GinYuu) «weggestrichenen» Decke kaum mehr noch zu erkennen.
Die Leuchten Suspension Mesh M and L Blanche wurden von französichen Designer Arik Levy entworfen. (Bild: Zooey Braun)
Zwei verschiedene Pendelleuchten in unterschiedlichen Ausführungen (Poppy SG, LZF Lamps / Suspension Mesh M and L Blanche / Forestier) sind ähnlich wie häufig Lampions in Asien in spielerischer Anordnung gruppenweise aufgehängt, wodurch sie einzelne Raumzonen zusätzlich betonen. Die Separees sind durch hohe Holzfilter voneinander getrennt, sehr puristisch beleuchtet von der ebenfalls sehr minimalistisch gestalteten Incredible Bulb von Benwirth Licht, einer Hängeleuchte mit klarem Glaskolben in Form einer Glühbirne, in der der Glühfaden verschwunden ist. Stattdessen sitzt das Halogen Leuchtmittel (Osram) zusammen mit einem Reflektorschirmchen unsichtbar in der Fassung – Lichtspiegelungen am Glas erzeugen eine fiktive Lichtquelle an der Stelle des ehemaligen Glühfadens.
Die Incredible Bulb entstand aus als Folge aus EU-Verbot der Glühbirne und einer Metamorphose derselben. (Bild: Zooey Braun)
Alle Lichtkomponenten sind übrigens über eine DALI-Steuerung im Verbund mit einem Tageslichtsensor sowie einer Zeitschaltuhr automatisiert geschaltet. Für den Tag und den Abend sind verschiedene Lichtszenarien programmiert: Am Tag wird der offene Küchenraum in Szene gesetzt, abends ist die Bar der Mittelpunkt der Beleuchtung und die gesamte Lichtstimmung ist dezenter – wie man es von einer Lounge eben erwartet.
Grundriss (Quelle: Ippolito Fleitz Group)
Die Illustratorin Claudia Wagner hat sämtliche Stützen mit lebehaften und liebevoll ausgeklügelten Bildmotiven bemalt, von Hand direkt auf die Fliesen. (Bild: Zooey Braun)
Über dem Empfangstresen am Haupteingang schwebt ein Lampenhimmel aus veschiedenen Poppy-SG-Lampen, die vom Designer Burkhard Dämmer entworfen wurden. (Bild: Zooey Braun)
Von den Plätzen entlang der Fensterfront hat man einen wunderbaren Blick auf die Stuttgarter Stadtbibiliothek, die von dem koreanischen Architekten Eun Young Yi entworfen wurde. (Bild: Zooey Braun)
Projekt
Restaurant GinYuu
Stuttgart, DE

Innenarchitektur
Ippolito Fleitz Group GmbH
Stuttgart, DE

Team: Peter Ippolito, Gunter Fleitz, Markus Schmidt, Tim Lessmann, Hanna Drechsel, Tobias Kroll, Axel Knapp, Kim Angenendt

Lichtplanung
Lichtwerke GmbH
Köln, DE

Hersteller
benwirth licht GmbH
München, DE

Kompetenz
Incredible Bulb

Weitere Hersteller
Hängeleuchte: Suspension Mesh M and L Blanche, Forestier Diffusion SARL, Begles Cedex, FR
Hängeleuchte: Poppy SG, LZF Lamps, Chiva, ES
Parkett: CE515 Eiche cryst.VILLA V4 ÖL, W. & L. Jordan GmbH, Kassel, DE
Sauberlauf: Coral, Forbo Flooring GmbH, Paderborn, DE

Bauherr
Apeiron Restaurant & Retail Management Gmbh
Bonn, DE

Illustration
Farbenmetzgerei, Claudia Wagner
Heilbronn, DE

Fläche
360 m²

Fertigstellung
2014

Fotografie
Zooey Braun
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