Wohnhaus-Erweiterung in Vigneux-de-Bretagne von Tristan Brisard Architecte

Kleine Architekturen

 Thomas Geuder
19. Februar 2018
In Vigneux-de-Bretagne hat Tristan Brisard einen Erweitungsbau errichtet, bei dem Holz das vorherrschende Material ist. (Bild: Tristan Brisard)
Global zu denken und lokal zu handeln sah der Architekt Tristan Brisard bei seinem Erweiterungsbau in Vigneux-de-Bretagne als eine wichtige Pflicht. So hat er ein Häuschen geschaffen, das Bestehendes zeitgemäß und nachhaltig weiterzuinterpretieren sucht.
Projekt: Wohnhau-Erweiterung (Vigneux-de-Bretagne, FR) | Architektur: Tristan Brisard Architecte (Nantes, FR) | Bauherr: privat | Hersteller: MCZ Group S.p.A (Vigonovo, IT), Kompetenz: Pelletofen „Thema“ | weitere Projektdaten siehe unten
Das Wohnhaus der jungen Familie von Julien und Fanny Guérin aus Vigneux-de-Bretagne – rund 25 km nordwestlich von Nantes – ist ein eineinhalb-stöckiger Bau aus dem beginnenden 20. Jahrhundert. Damals war dies mehr noch als heute eine ländliche Gegend. Man baute die Häuser in bretonischer Tradition mit Granitwänden, ohne bestimmten Mauerwerksverband gemauert, wodurch ein sehr charakteristisches Fassadenbild entsteht. Viele der Häuser in dieser Gegend sind mittlerweile durch neue ersetzt, andere zumindest verputzt. Umso mehr sticht das Wohnhaus der Bauherren-Familie aus dem städtebaulichen Gefüge heraus. Hierfür einen Anbau zu entwickeln, war für den Architekten Tristan Brisard eine verantwortungsvolle Aufgabe. „Jede Entscheidung und jedes Detail hat eine große Auswirkung“, beschreibt er. Diese „kleinen Architekturen“, wie er sie nennt, sind in seinen Augen enorm anspruchsvoll. Mehr noch geht er einen Schritt weiter: „Derartige Erweiterungsprojekte verpflichten uns, global zu denken, um lokal zu handeln. Sie behandeln eine wichtige soziale Frage, nämlich die Möglichkeit, zersiedelte Gebiete neu zu definieren, als Alternative zum immer gleichförmigen Neubau.“ Sprich: Tristan Brisard geht es um höchst individuelle Lösungen, die die Qualität eines Ortes herausarbeiten und ihm so eine zusätzliche „Poesie“ verleihen.
Die Außenhaut aus Holzschindeln fügt sich wie selbstverständlich in den Bestand ein, jedoch verrät das große Fenster die Entstehungszeit des Neubaus. (Bild: Tristan Brisard)
Bei seiner Erweiterung des Granit-Wohnhauses hat er sich zu einer Art stilistischer Liaison entschieden. Die Ursprünglichkeit des Bestandsbaus übersetzt er zunächst in eine räumliche Konstruktion, die aus dem Urtyp eines Haues folgt, so wie Kinder normalerweise ein Haus zeichnen. Dieses Gerüst bildet denn auch die statische Konstruktion: hausförmige Stahlträger, die die gesamten Lasten abtragen können. Das Dach und die Wände sind dann durch Leichtbauweise mit Holzbalken und Holzfaserisolierung errichtet. Die äußere Haut ist ebenfalls eine Referenz an den Bestandsbau und damit an die traditionelle Bauweise des Ortes: Holzschindeln nehmen mit zunehmender Verwitterung die gewisse Rohheit der Granitwände auf, interpretieren sie aber weiter zu einer mit nachwachsenden Materialien erdachten Architektur.
Ein bisschen fast schon Postmoderne findet sich in der Ansicht von der Straße aus. (Bild: Tristan Brisard)
Die Holz-Oberflächen im Innenraum (Kastanienholz) lassen eine ruhige und geborgene Atmosphäre entstehen, ergänzt durch Möbel in nordischem Stil, ebenfalls möglichst aus rohem, unbehandeltem Holz, das mit lösungsmittelfreien Naturklebern verarbeitet wurde – Materialien mit hoher Atmungsfähigkeit und Hygroskopizität also. Nicht zuletzt will Tristan Brisard damit einen hohen Wohnkomfort erzeugen, bei dem die Luftqualität im Vordergrund steht. Zu diesem Nachhaltigkeitskonzept gehört für ihn auch ein Ofen quasi in der Mitte des Volumens, der mit Holzpellets betrieben wird. Die beiden Bauherren haben sich hierfür den Ofen „Thema“ des italienischen Herstellers MCZ ausgesucht, formal sehr kompakt (80 cm hoch), mit runden Ecken. Die Pellets werden in dessen Brennkessel so verteilt, dass ein recht breite und schöne Flamme entsteht. Die Zwangslüftung kann abgeschaltet werden, ohne dass eine Überhitzung zu befürchten ist. Praktisch: Der Ofen kann mit einer Fernbedienung gesteuert und sogar programmiert werden, inklusive der Temperatur und sogar per App. So hat der Architekt Tristan Brisard einen (offiziell als Wintergarten titulierten) Anbau geschaffen, der mit einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln die Themen Nachhaltigkeit und Holz umsetzt.
Der Innenraum ist inspiriert vom Urtypus eines Hauses, wie er meist von Kindern gemalt wird. (Bild: Tristan Brisard)
Formale Schlichtheit und vorwiegend Holz prägend das Ambiente im Innenraum. (Bild: Tristan Brisard)
Der Bereich zwischen Bestandsbau und Erweiterungsbau bildet nun den neuen Eingangsbereich zum Haus. (Bild: Tristan Brisard)
Lageplan (Quelle: Tristan Brisard)
Grundriss (Quelle: Tristan Brisard)
^Schnitte (Quelle: Tristan Brisard)
Ansicht Westen (Quelle: Tristan Brisard)
Der kompakte Pelletofen und sein Ofenrohr werden zum raumprägenden Stilelement. (Bild: Tristan Brisard)
Das statische Grundgerüst bilden Stahlträger, die bereits die urtypische Form des Hauses zeichnen. (Bild: Tristan Brisard)
Die Frage nach der Nachverdichtung von Wohngebieten war für den Architekten Tristan Brisard ein wichtiger Ansatz beim Entwurf. (Bild: Tristan Brisard)
Projekt
Wohnhau-Erweiterung
Vigneux-de-Bretagne, FR

Architektur
Tristan Brisard Architecte
Nantes, FR

Team
Tristan Brisard, Pauline Danel, Damien Grias et Pierre Gaboriaud

Bauherr
privat
Julien und Fanny Guérin

Hersteller
MCZ Group S.p.A
Vigonovo, IT

Kompetenz
Pelletofen „Thema“

Heizung
Âtre au logis

Flächen
Sanierung Bestand: 40 m²
Erweiterung: 70 m²

Fertigstellung
2015

Fotografie
Tristan Brisard
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