DD Suites in München-Sendling von iam interior architects munich

Hochwertiger Materialmix

 Thomas Geuder
2. Oktober 2018
Der Empfangsbereich der DD Suites in München-Sendling ist vor allem von hochwertigem Holz geprägt. (Bild: Gabriel Büchelmeier / iam)
Gold, Messing, Holz, und Farbakzente können gut kombiniert die Grundlage eines Gestaltungskonzepts für Apartments oder Büros sein. Wie genau das aussehen kann, zeigen iam interior architects munich in einem Neubau in München.
Projekt: DD Suites (München, DE) | Innenarchitektur: iam interior architects munich (München, DE) | Architektur: Reinhart + Partner (München, DE) | Bauherr: Dussmann Wohnbau (München, DE) | Hersteller: diverse | weitere Projektdaten unten
Die Bewohner von Sendling – ein Stadtteil südlich der Innenstadt von München – werden den Tabakduft teils noch in der Nase haben: Hier, in einem kompakten Gebäudekomplex an den Gleisen, wurden bis ins Jahr 2008 noch Millionen von Zigaretten produziert, seit 1883 von der Zuban Zigarettenfabrik, zuletzt von Philip Morris. In die einstigen Produktionshallen und Büros sind längst viele kleine Unternehmen eingezogen, doch das markante Bauwerk, das sich breit über die Flößergasse schiebt, bleibt erhalten. Im östlichen Areal sind mittlerweile Wohnungsneubauten entstanden. Genau in der Schnittstelle zwischen diesen und dem L-förmigen Riegel mit verschiedenen Anbauten ist nun ein vierstöckiges Bauwerk entstanden, das sich in diesem formal sehr heterogenen Umfeld behaupten muss. Die Architekten Reinhart + Partner aus München lösen diesem Umstand mit einem Bauwerk, dessen Fassade vor allem die Horizontale betont. Das Dachgeschoss ist zurückgesetzt und die Fassadenverkleidung des Erdgeschosses besteht aus farbigen, vertikalen Keramikstäben. Mit seiner runden Abschlussecke an diesem Ort wirkt das Gebäude wie eine Art Kreuzfahrtschiff, das hier nur vorübergehend vor Anker liegt.
Ein hundertfach abgeschliffener Messingputz hüllt den ebenerdigen Eingangsbereich quasi ein. (Bild: Gabriel Büchelmeier / iam)
Spannend wird es vor allem drinnen: Das Nutzungskonzept sieht eine bilinguale Kindertagesstätte im Erdgeschoss vor. Darüber befindet sich ein Boardinghouse mit Apartments, gedacht als Alternative zum Hotelaufenthalt bei Geschäftsreisen oder anderen Formen des temporären Wohnens in Single-, Twin- oder Zwei-Raum-Apartments, stets mit eigenem Balkon. Man betritt das Gebäude über den an der Längsseite gelegenen Haupteingang. Der eigentliche Empfang aber befindet sich im Dachgeschoss, wohin man vom Erdgeschoss aus direkt per Aufzug gelangt. Drehbare Holzlamellen – ein Gestaltungselement, das man später wiederfinden wird – sollen dem Bereich einen gewissen Schwung verleihen. Zugleich fassen sie ihn ein und definieren den Zugang zur Küche, deren Rückwand mit dunklem Grand Marran-Stein verkleidet ist. Der smaragdfarbene Empfangstresen ist mit Alcantara-Leder verkleidet und in Gold gefasst. Das Gesamtbild in allen Räumen – von den Büro-Arbeitsplätzen über die Gemeinschaftsflächen und Konferenzräume bis zum Chefbüro – bestimmen Messing, warme Holztöne, Grün-Akzente und Material- sowie Farbvariationen. Für eine gewisse Leichtigkeit sorgen Akustikvorhänge.
Der in Alcantara Leder verkleidete Empfangstresen mit Goldfassung ist eines der gestalterischen Highlights im Entwurf. (Bild: Gabriel Büchelmeier / iam)
Diesem Gestaltungsansatz folgen auch die Apartments in den beiden Stockwerken darunter. Bedingt durch ihre Größe sind sie zwar in die Kategorien Basic, Comfort und Exclusive unterteilt, unterscheiden sich jedoch nicht in der Qualität der Ausstattung. Die Grundlage bildet auch hier der Parkettboden im Fischgrät-Muster. Zudem sind viele Farbakzente – wie etwa bei der Unterwasser-Tapete in den Bädern – verspielt verteilt. Zusammen mit der Möblierung im reduzierten skandinavischen Design sollte eine Wohlfühlstimmung entstehen. Julia Schneider und ihr Team von iam interior architects munich haben einen Ort geschaffen, der in diesem lebhaften Teil der Stadt eine Art Ruhepol für jene sein kann, die während ihres Aufenthalts einen liebevoll gestalteten Rückzugsort suchen.
Dunkler Grand Marran Stein bildet die Rückwand in der gemeinschaftlichen Küche. (Bild: Gabriel Büchelmeier / iam)
Es muss nicht immer Chrom sein: Im Bad hinter der Küche haben die Wasserhähne eine Messing-Optik. (Bild: Gabriel Büchelmeier / iam)
In der Trennwand zum Chefbüro ist ein Aquarium untergebracht, von dem aus die Fische den Mitarbeitern über die Schultern schauen können. (Bild: Gabriel Büchelmeier / iam)
Die Apartments sind mit einer Möblierung im skandinavischen Design ausgestattet. Im Bild: die größte Suite im Eckzimmer. (Bild: Gabriel Büchelmeier / iam)
Liebevoll arrangierte Materialien und verspielte Details finden sich überall im Design von Julia Schneider und ihrem Team von iam. (Bild: Gabriel Büchelmeier / iam)
Die Bäder der Apartments sind barrierefrei und großzügig gestaltet. (Bild: Gabriel Büchelmeier / iam)
Vom Balkon aus können die Bewohner bzw. Gäste das Treiben auf dem ehemaligen Zigaretten-Areal beobachten. (Bild: Gabriel Büchelmeier / iam)
Grundriss Dachgeschoss (Quelle: iam)
Grundriss 2. Obergeschoss (Quelle: iam)
Grundriss 1. Obergeschoss (Quelle: iam)
Projekt
DD Suites
München, DE

Innenarchitektur
iam interior architects munich
Julia Schneider
München, DE

Architektur
Reinhart + Partner
München, DE

Bauherr
Dussmann Wohnbau
München, DE

Hersteller / ausführende Firmen
DD Suites:
Innenausbau / Schreiner: STARKE Objekteinrichtungen GmbH
Möbel: BoConcept
Maler: Malerfachbetrieb Tauscher
Boden Parkett: Holzhandlung Peis
Boden Fliesen: Fliesenhaus München
Elektro: PR–Elektrotechnik

DD Office:
Innenausbau / Schreiner: design.s
Möbel: designfunktion, Böhmler im Tal
Maler: Hans Übelacker GmbH + Co KG
Boden Parkett: Holzhandlung Peis
Boden Fliesen: Fliesenhaus München
Elektro: PR–Elektrotechnik
Sonderleuchten: novalicht
Naturstein Küche, Waschtisch: Rinser Naturstein
Sondertüren: Aperio (Rimadesio Showroom)
Raumaustattung: neuraum
Aquarium: Aquarium West GmbH

Boden Flure / Treppenhaus: Rinser Naturstein

Bauleitung
BayernFM
München, DE

Wegeleitsystem
grafiksalon
Paderborn, DE

Fertigstellung
2018

Fotografie
Gabriel Büchelmeier
Projektvorschläge
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