PwC Experience Center in Frankfurt am Main von COASToffice

Eine Bühne für die Arbeit

 Thomas Geuder
9. Juli 2018
Mit dem PwC Experience Center haben die Gestalter von COAST einen kommunikativen Ort geschaffen, der die Wünsche und Bedürfnisse der Mitarbeiter erfüllt und Kunden mit auf eine Ideenreise nehmen will. (Bild: David Franck / COAST)
Das Zellenbüro war gestern. Das Großraumbüro sowieso. Wohin aber geht die Reise der Gestaltung von Büroräumen? Eine sinnvolle Möglichkeit zeigen COAST in Frankfurt am Main, wo sie neue Räume für das PwC Enxerience Center geschaffen haben.
Projekt: PwC Experience Center im Tower 185 (Frankfurt am Main, DE) | Innenarchitektur: COAST GbR, Zlatko Antolovic und Alexander Wendlik (Stuttgart, DE) | Bauherr: PricewaterhouseCoopers GmbH WPG (Frankfurt am Main, DE) | Hersteller: diverse | weitere Projektdaten siehe unten
„Modern“ will jedes Unternehmen gerne sein, das die Büros für seine Mitarbeiter gestaltet bzw. gestalten lässt. Genau deswegen veranstalten viele meist so etwas wie kleine Wettbewerbe, Pitch genannt, bei denen einige geladene Gestaltungsbüros und Agenturen ihre Ideen einreichen dürfen, aus denen sich dann der Auslober den verträglichsten aussucht. Der jedoch ist allzu oft eher praktisch, mitunter witzig oder erinnert an einen Unterhaltungspark. Unter dem Begriff des „modernen Büros“ sind in den vergangenen Jahren viele unterschiedliche Konzepte entstanden, weg vom Zellenbüro hin zur Spielwiese Büro, aus der der Mitarbeiter gar nicht mehr weggehen will. Das ist gut für das Marketing, passt oft aber nicht in den Büroalltag.

Die Einsicht, dass das vermutlich kein guter Weg ist, hatten die Verantwortlichen bei PricewaterhouseCoopers am Deutschen Sitz in Frankfurt am Main bereits gewonnen, als sie zusammen mit den Gestaltern von COAST die neuen Büroräume im Tower 185 (errichtet 2012 von Christoph Mäckler) planten. So kam der Planung des „PwC Experience Center“ zunächst eine ausführliche Befragung der Mitarbeiter zuvor, ein gemeinsamer Workshop mit rund 80 Mitarbeitern aller Hierarchiestufen, in dem Fragen, Ansätze und Visionen diskutiert, bisherige Gewohnheiten kritisch hinterfragt und neu, frei formuliert wurden: Welche Raumszenarien und sogenannte „Journeys“ sollen Raum, Architektur und Medien ermöglichen und in einer übergeordneten Erfahrung (Experience) zusammenfassen?
 
Der „Journey“ im PwC Experience Center beginnt bereits beim Verlassen des Fahrstuhls, wo man zunächst in einen homogen schwarzen Raum tritt. (Bild: David Franck / COAST)
PricewaterhouseCoopers gehört zu den vier umsatzstärksten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt. Hier in der 34. Etage auf etwa 120 m Höhe entwickeln interdisziplinäre Teams digitale Beratungslösungen. Rund 30 Mitarbeiter aus 13 Nationen – Kreative, Software-Entwickler und Ingenieure – erarbeiten neue Prozesse und nutzen dafür moderne (Arbeits-)Methoden und neue Technologien wie etwa Virtual Reality, Eye Tracking oder 3D-Druck. Das bedeutet auch, dass die 1.300 m² große Fläche kein abgeschlossenes Territorium ist, sondern regelmäßiger Kundenbesuch Normalität ist. Auch deswegen war eine emotionale Erfahrung ebenso wichtig wie flexible Raumszenarien und die Verbindung von analogem Arbeiten mit digitalen Möglichkeiten.

„Neben der Umsetzung von rein funktionalen Aspekten, galt es beim PwC Experience Center, gestalterisch eine eigene Sprache und Identität zu entwickeln, die divers und vielfältig ist, ohne dabei überladen zu wirken – ein Markenraum, der eigenständig, zeitgemäß und modern wirkt, ohne extrem ‚hip‘ sein zu wollen. Uns war es wichtig, hier eine urbane Werkstatt-Atmosphäre und damit ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das frisch, kreativ und inspirierend wirkt und dennoch die ‚klassische PWC-Welt‘ durchscheinen lässt“, beschreibt Zlatko Antolovic, Geschäftsführer von COAST, seinen Anspruch an den Entwurf.
 
Der folgende „Tunnel“ kann szenographisch mit Licht und Sound bespielt werden. Hier wird der Besucher bzw. Mitarbeiter aus seinem gewohnten Umfeld herausgerissen. (Bild: David Franck / COAST)
Zu diesem Zweck wurde die Fläche zunächst in verschiedene Bereiche eingeteilt, die jeweils eine eigene Aufgabe innehaben: Vom Fahrstuhl aus tritt man zunächst in einen homogen schwarz gestalteten Raum und durchschreitet einen Tunnel, begleitet von Lichtelementen und Harfenklängen, die auf die Bewegungen des Mitarbeiters bzw. Besuchers reagieren. Diese Raumsituation haben die Gestalter bewusst als eine Art Reset-Knopf entwickelt, der aus dem gewohnten Umfeld herausholen, neu sensibilisieren und erden soll. Danach folgt die „Welcome Zone“ mit Empfang, Bar und vom Gebäude gefasstem Blick über Frankfurt. Hier finden sich klassische Elemente altehrwürdiger Kanzleien: strenge Holzvertäfelungen und abgesteppte Ledersofas. Rechts abgebogen folgt die „Sandbox“, ein flexibler Bereich für Workshops und Events, dessen Gesicht von der jeweiligen Bespielung bestimmt ist. Weiter hinten bildet eine Coffee-Bar den Übergang zur (wir biegen rechts ab) „Social Zone“, ein kommunikativer Ort, Treffpunkt und Gemeinschaftsbereich. Hier herrscht gestalterische Vielfalt mit einem Mix aus verschiedenen Stilen und Epochen. Der nun angrenzende „Living Room“ und die „Ideation Lounge“ sind wiederum der Übergang zum (wir biegen wieder rechts ab) „Workbench“ mit offenen und flexiblen Bereichen sowie Rückzugsorten in verschiedenen Abstufungen, wo ja nach Bedarf und Bedürfnis im Dialog oder zurückgezogen gearbeitet werden kann.

So ist den Gestaltern von COAST im Tower 185 eine Bürogestaltung gelungen, die dem Besucher und Kunden gegenüber repräsentativ und angemessen erscheint und für die Mitarbeiter vielfältige räumliche Konfigurationen bereithält. Das alles geschieht in einer Materialität, Farbigkeit und Lichtgestaltung, die weder an einen Spielplatz noch an Disneyland erinnert, sondern den Mitarbeitern eine Bühne für ihre Arbeit bietet. Das alles ist abgestimmt mit den Mitarbeitern, die so in den Planungsprozess eingebunden und deren Bedürfnisse entsprechend repräsentiert sind. So kann eine moderne Büroplanung funktionieren.
Die „Welcome Zone“ ist offen gestaltet und mit klassischen, neu interpretierten Elementen altehrwürdiger Kanzleien versehen. (Bild: David Franck / COAST)
Nach der Lounge folgt die „Sandbox“, ein flexibler Bereich für Workshops und Events, der einen „White Cube“ ähnelt und dessen Gesicht sich allein durch die Bespielung definiert. (Bild: David Franck / COAST)
er Sandbox folgt die „Coffee Bar“, deren Übergang zum folgenden Bereich sich auch im Wechsel des Bodenbelags ausdrückt. (Bild: David Franck / COAST)
Im Kontrast zur homogenen Sandbox herrscht in der „Social Zone“ gestalterische Vielfalt. Der „Teamspace“ (im Bild) lässt sich durch drehbare Wandelemente und einen Vorhang abschotten. (Bild: David Franck / COAST)
Die „Kitchen“ befindet sich wieder in der Achse des Tunnels. (Bild: David Franck / COAST)
Auch der angrenzende „Living Room“ gehört zum Teamspace, wo Mitarbeiter und Kunden sich in lockerer Atmosphäre begegnen können. (Bild: David Franck / COAST)
Die „Ideation Lounge“, in der die Teams ihre Ideen losgelöst von der üblichen Besprechungsatmosphäre entwickeln können, ist gleichzeitig der Übergang zum nächsten Bereich, was sich wieder im Wechsel des Bodenbelags ausdrückt. (Bild: David Franck / COAST)
Der Bereich „Workbench“ bietet zahlreiche Möglichkeiten zum Arbeiten von offen über flexibel bis zu zurückgezogen, um den individuellen Aufgaben der Mitarbeiter gerecht werden zu können. (Bild: David Franck / COAST)
Ein umgebauter Hochsee-Container bildet die Werkstatt des Experience Centers. Mitarbeiter können hier an einer Art Werkbank erste 3D-Prototypen entwickeln. (Bild: David Franck / COAST)
Die Wände in der holzbeplankten „Back Box“ sind komplett als Whiteboard beschreibbar und können sogar nach außen gedreht werden, um den Raum noch einmal zu erweitern. (Bild: David Franck / COAST)
Eine Palettenlandschaft dient der offenen Diskussion, nach der man sich dann in den Palettenraum (rechts hinten) zurückziehen kann. (Bild: David Franck / COAST)
Grundriss (Quelle: Coast Office)
Projekt
PwC Experience Center im Tower 185
Frankfurt am Main, DE

Innenarchitektur
COAST GbR
Zlatko Antolovic und Alexander Wendlik
Stuttgart, DE

in Kooperation mit
George P. Johnson (Experience Marketing Agentur)
Stuttgart, DE

CPP Studios (Mediendesign)
Offenbach, DE

Bauherr
PricewaterhouseCoopers GmbH WPG
Frankfurt am Main, DE

Hersteller
Bodenbeläge: Wineo / Windmöller GmbH
Küchenbodenbeläge: Fenix
Schaltersysteme: Jung
Fliesen: Metro
Stoffe: Svensson
Trennwandsysteme: Clestra Hausermann, Franz Nüsing
Vorhänge: Apartment 91
Begrünung: Art Aqua
Stühle/Hocker: Vitra, Massproductions, Restoration Hardware, Magis, lapalma, Zilio A&C
Sessel: Chesterfield
Leuchten: Ligne Roset, marset, Design House Stockholm, Plumen, HK Living, Grupa Products, Nkuku

Fläche
1.300 m²

Fertigstellung
2017

Fotografie
David Franck Photographie
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