Hotel „Tivoli“ in Aachen von CROSS Architecture

Automobile Fassade

 Thomas Geuder
15. Januar 2018
Das 3-Sterne-Hotel für „Hampton by Hilton“ nach dem Entwurf von CROSS Architecture besetzt die städtebaulich prominente Ecke auf dem Gelände des ehemaligen Fußballstadions. (Bild: Jens Kirchner / Cross Architects)
Ein Hotel direkt an einer Haupteinfallstraße kann durchaus praktisch gelegen sein. Architektonisch lässt sich aus einem derartigen Unort einiges ableiten – und in eine Fassadengestaltung übersetzen, wie es Cross Architecture in Aachen getan haben.
Projekt: Hotel „Tivoli“ (Aachen, DE) | Architektur: CROSS Architecture (Aachen, DE) | Bauherr: DAixKo Hotelbaugesellschaft mbH & Co. (Aachen, DE) | Hersteller: Th. Bartels BV (Roggel, NL), Kompetenz: Fassadenelemente | weitere Projektdaten siehe unten
Bei dem Begriff „Tivoli“ denken die meisten vermutlich am ehesten an italienische Landschaften. Bella Roma und Dolce Vita. Eingefleischte Fußballfans aber wissen sofort: Tivoli heißt das Stadion von Alemania Aachen, ernannt nach dem „Gut Tivoli“, das sich hier einst befand, ein repräsentatives Wohnhaus, dessen Park an die Gärten des Ortes Tivoli erinnert haben sollen. Das „Alte Tivoli“, das alte Vereinsstadion also, wurde 2010 durch ein neues (Architektur: agn Niederberghaus & Partner) in direkter Nachbarschaft ersetzt, und so wurde mit dem Schleifen des alten Stadions ein Gelände frei, auf dem seidem ein neues Stadtquartier mit Wohnungen und Büro- bzw. Gewerbeflächen entsteht. In diesem Zuge wurde direkt an der Ecke Krefelder Straße / Merowingerstraße das Hotel „Tivoli“ errichtet, entworfen von Cross Architecture, ebenfalls aus Aachen. Der Ort für den Neubau ist jedoch nicht nur wegen seiner Geschichte besonders, sondern auch im städtischen Gefüge: Die Krefelder Straße ist eine der Haupteinfallstraße von der Autobahn zur Innenstadt, vierspurig und viel befahren. So bildet ein Eck-Gebäude hier für die Ankommenden auch eine Art Eingangssituation zum Stadtzentrum und einen Zugang zum Quartier.
Die Wirkung und Dynamik der Fassade ist aus der maßgebenden Position des Betrachters – der in einem fahrenden Auto – heraus entwickelt. (Bild: Jens Kirchner / Cross Architects)
Diesen städtebaulichen Punkt markieren die Architekten mit einer bewussten Überhöhung der Kubatur in der Ecke, durch Anheben der Baumasse um ein komplettes Geschoss. Unter diesem „schwebenden Baukörper“ (Cross Architecture) entsteht ein multifunktionales Foyer mit Vorfahrt, Parkplätzen und einer nahtlos anschließenden Hotellobby, die vielfältige Aus- und natürlich auch Einblicke erlaubt. Hier sind alle gemeinschaftlichen Gästebereiche angeordnet, im geschlossenen Gebäudesockel dahinter die Konferenz- und Servicebereiche. Insgesamt 164 Zimmer stehen zur Verfügung, im 4. Oberbeschoss ein Fitnessbereich – mit Blick vom Laufband in den angerenzenden urbanen Raum.

Der Ort ist jedoch auch durch eine subtile, zuweilen auch recht massive Dynamik charakterisiert. Die Planer von Cross Architecture haben dies vor allem in der Fassade thematisiert und in eine einprägsame Gestaltung übersetzt, die mit Dreidimensionalität und Tiefe spielt: Aluminiumbleche wurden in mehreren Achen verformt und dreifach gefalzt (Th. Bartels BV), anschließend vertikal angeordnet vor die gleichmäßige Lochfassade gehängt. Dadurch entsteht eine deutlich wahrnehmbare Bewegung, die das Aussehen Vorhangfassade mit jedem Meter, den man an dem Gebäude vorbeifährt oder -läuft, verändert. Das Spiel verschiedener Breiten und Tiefen der Lamellen erzeugt ein markantes Schattenspiel. Auffällig ist bei alldem auch die Farbgebung: Die für ein derartiges Gebäude eher ungewohnte Grundfarbe Purpur – von den Architekten wegen ihrer Verwandtschaft zu Sinnlichkeit, Exklusivität und Luxus gewählt – wird in hellen und dunkleren Tönen variiert, womit die Fassadendynamik noch unterstützt werden soll. Ganz pragmatisch betrachtet wirken die vertikalen Lamellen auch als feststehender Sonnenschutz. So gibt sich das neue Hotel „Tivoli“ an diesem historisch bedeutsamen Ort unverwechselbar für zureisende Fußballfans und Anreisende aus aller Welt.
Im Erdgeschosses wird die Eingangssituation des Hotels deutlich gekennzeichnet, es entsteht eine großzügige, überdeckte Vorfahrt für die Gäste. (Bild: Jens Kirchner / Cross Architects)
Entwicklung der Gebäudekubatur (Quelle: Cross Architecture)
Grundriss Erdgeschoss (Quelle: Cross Architecture)
Querschnitt (Quelle: Cross Architecture)
dreidimensionale Faltung (Quelle: Cross Architecture)
Wahrnehmung der Fassade (Quelle: Cross Architecture)
Durch die variable Breite und Tiefe der Lamellen erzeugt die Fassade eine deutliche Bewegung und ein markantes Schattenspiel. (Bild: Jens Kirchner / Cross Architects)
Hinter der äußeren Fassadenhaut befindet sich das eigentliche Gebäude mit Lochfassade. (Bild: Jens Kirchner / Cross Architects)
Projekt
Hotel „Tivoli“
Aachen, DE

Architektur
CROSS Architecture
Aachen, DE

Team
Markus Sporer (Leitung), Cornelius Wens, Sander Vijgen, Anna Gerlach, Joris Görling, Florian Elshoff

Bauherr
DAixKo Hotelbaugesellschaft mbH & Co.
Aachen, DE

Hersteller
Th. Bartels BV
Roggel, NL

Kompetenz
dreidimensional gebogene und gefalzte Fassadenelemente

weitere Hersteller
Pfosten-Riegelfassade und Metallfassade: TRUBE & KINGS Fassadentechnik GmbH
Garagentore: Käufele GmbH
Luft Klima Kälte: abi GmbH
Heizung/Sanitär: Hanbrücken GmbH & Co. KG
Estriche: Erbu Fußbodenbau GmbH
Zutrittskontrolle: Godesberger Schlüsseldienst Samson

Planung TGA
DSTR Planungsgesellschaft mbH

Planung Tragwerk, Brandschutz, Bauphysik
B. Walter Ingenieurgesellschaft mbH

Landschaftsarchitektur
Greenbox Landschaftsarchitekten PartG

Wettbewerb
Vorgeschaltetes Verfahren, 1. Preis

BGF
9.800 m²

BRI
34.500 m³

Fertigstellung
2017

Fotosgrafie
Jens Kirchner
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