Zur Ruhe kommen

Tim Hupe Architekten
20. Mai 2020
Blick auf den Hotelneubau H84 (Visualisierung: bloomimages)

Tim Hupe Architekten mit bicon Generalplanung gewinnen den Wettbewerb um den Hotelneubau Heidenkampsweg 84 in Hamburg-Hammerbrook. Tim Hupe stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.

Im Hamburger Stadtteil Hammerbrook soll am Standort Heidenkampsweg 84 ein Hotel im Drei-Sterne-Plus Segment entwickelt werden. Welche Antworten gibt Ihr Entwurf auf die Frage, die der Wettbewerb stellt?

Die Bebauung am Heidenkampsweg, der als unmittelbare Verlängerung der Autobahn, welche von Süden über die Elbrücken direkt in die Stadtstruktur der heutigen City Süd mündet, folgt der Logik der sogenannten „Strip-Architecture“. 

Der Maßstab der Bauten und die Konzepte der Fassaden werden durch die Größe des Stadtraums und die Geschwindigkeit des Automobilität bestimmt und vornehmlich in der Vorbeifahrt und aus dem Inneren eines Fahrzeugs erlebt. 

Das neue Hotel soll dem Reisenden nach dem Rausch des Verkehrs einen Ort bieten, an dem er zur Ruhe kommen kann und Schlaf findet. So gesehen verbindet das Haus am Heidenkampsweg zwei Extreme miteinander.

Lageplan (Zeichnung: Tim Hupe Architekten)

Wie organisieren Sie den Hotelneubau H84? 

An der Süderstraße, von wo es erschlossen wird, steht das Haus am Boden. An der Ecke und am Heidenkampsweg erhebt es sich und betont seine Höhenentwicklung und vertikale Proportion. 

Während sich in den oberen Geschossen die Zimmer in die Konkaven der Fassadenstruktur zurückziehen, orientiert sich das Erdgeschoss des neuen Hotels nach außen.

Für das Erdgeschoss wird im Bereich der Ecke maximale Transparenz angestrebt. Der Eingang, das Foyer, die Bar an der Gebäudeecke und der Frühstücksraum sind nur durch Glaswände getrennt, die bei Bedarf durch Vorhänge zusätzlich separiert werden können. 

In der Gebäudeecke entsteht über der Bar ein Luftraum, der von einer Galerie umgeben ist und vom 1. Obergeschoss aus erreicht wird.

Grundrisse Erdgeschoss und 1. Obergeschoss (Zeichnungen: Tim Hupe Architekten)
Schnitte (Zeichnungen: Tim Hupe Architekten)
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?

Die Ausformulierung der Fassade lag uns sehr am Herzen. Um dem Maßstab des Ortes gerecht zu werden bedient sich die Fassade des Hauses dem Mittel einer starken Plastizität wie es auch andere Bauten in der Umgebung tun. 

Am Heidenkampsweg und an der Gebäudeecke kragen die vertikalen Lisenen circa 90 cm über die Baulinie aus. Durch die Abrundung der Ecke im Erdgeschoss erhöht sich die Auskragung entsprechend über die Diagonale.

Um diese Plastizität zu erzeugen verzichtet das Konzept auf die Verwendung von vollen Ziegelsteinen. Stattdessen ist die Fassade aus vorgehängten Betonfertigteilen konstruiert, in die Klinkerriemchen eingelegt werden. Dieses erlaubt einen hohen Vorfertigungsgrad und eine schnelle Bauweise. Die einzelnen Elemente werden über gezahnte Fugen aneinandergestoßen. Das Netz der Fugen verbindet die Fenster über die Diagonale und über die Lisenen hinweg und erzeugt so eine weitere Ebene der Wahrnehmung. 

Während im vertikalen Teil der Fassade die Riemchen auch vertikal verlaufen, so liegen dies im Sockelbereich an Heidenkampsweg horizontal. 

Die großzügige Verglasung des Erdgeschosses liegt exakt in der Ebenen der Ziegel.

Adresse des H84 (Visualisierung: bloomimages)
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?

Die Fertigstellung in für 2023 geplant. 

Um eine kurze Bauzeit zu gewährleisten, setzen wir in der Bauweise nicht nur im Bereich der Fassade auf einen hohen Grad der Vorfertigung: Decken aus Halbfertigteilen, Außenwände aus Fertigteilen; auch im Ausbau sind vorkonfektionierte Badzellen vorgesehen.

Ansichten (Zeichnungen: Tim Hupe Architekten)
Hotelneubau Heidenkampsweg 84 in Hamburg-Hammerbrook
Einladungswettbewerb
 
Auslober/Bauherr: HSA Immobilien GmbH & Co. KG, Hamburg
Betreuer: D&K drost consult GmbH, Hamburg
 
Jury
Prof. Hilde Barz-Malfatti, Vors. | Stefanie Ammann Fusi | Martina Bauer | Franz-Josef Höing | Sibylle Kramer | Michael Mathe | Christian Schneider
 
1. Preis
Architekt: Tim Hupe Architekten, Hamburg
Generalplaner: bicon Generalplanung GmbH, Hamburg, Berlin
 
2. Preis
Architekt: Felgendreher Olfs Köchling, Berlin
Brandschutzplaner: hhpberlin - Ingenieure für Brandschutz GmbH, Berlin, Frankfurt am Main, München, Hamburg, Bremen, Braunschweig
TGA-Fachplaner: Klimahaus Klima- und Gebäudetechnik GmbH, Quickborn-Heide
 
3. Preis
Architekt: Winking · Froh Architekten GmbH, Berlin, Hamburg

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