Glücksteinquartier Baufeld 1 in Mannheim

Vitale Office-Architektur

Lepel & Lepel
24. Oktober 2018
Blick von Süden
Lepel & Lepel gewinnen den Wettbewerb um das Glücksteinquartier Baufeld 1 in Mannheim. Reinhard Lepel stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.
Der südöstliche Kopf der bahnparallelen Bebauung im Mannheimer Glückstein-Quartier soll mit einer Büroimmobilie bebaut werden. Welche Ausgangssituation haben Sie vorgefunden?
Die Diringer & Scheidel Wohn- und Gewerbebau GmbH lobt zusammen mit der Stadt Mannheim einen beschränkten Wettbewerb für den Neubau eines Bürogebäudes auf dem letzten Baufeld im Glücksteinquartier aus.
Von möglichen 28.000m² Bruttogeschoßfläche sollten ca. 16.000m² für das Headquarter eines Hauptmieters vorgesehen werden. In einem 13-geschossigen Büroturm mit einer Höhe von rd. 50 Metern wird ein Großteil dieser Räume konzipiert werden. Außerdem sieht das Nutzungskonzept ca. 8.000m² bis 10.000m² für Co-Working Flächen vor. Hier ist also ein anspruchsvolles Konzept gefordert, das bei höchstem wirtschaftlichem Anspruch vielen verschiedenen Bedürfnissen überzeugenden Raum gibt. Mit unserem interdisziplinären Team aus Architekten und Innenarchitekten haben wir erkannt, worauf es ankommt und unseren Entwurf auf zwei Ziele fokussiert ausgerichtet:
Einerseits: ein unverwechselbares architektonisches Ausrufezeichen zu entwerfen, als Markenzeichen für das Unternehmen und Identitätsstifter am Standort. Sowohl stadträumlich als auch architektonisch haben wir mit dem Neubau eine starke Landmarke vorgeschlagen.

Andererseits: Eine vitale Office-Architektur zu planen, die sich durch hohe räumliche Flexibilität auszeichnet und eine Vielzahl agiler Arbeitswelten für wechselnde Anforderungen zulässt, um dynamischen Workflow und Kommunikation zu fördern. Dieses Potential wurde letztlich auch zum maßgeblichen Winner-Kriterium für den Entwurf.
Lageplan
Wie organisieren Sie das Bürogebäude?
Trotz des einheitlichen Gesamteindruckes des Gebäudes gliedert sich der Bau intern klar in den Bereich des Headquarters auf der Ostseite und dem Co-working Bereich auf der Westseite. Den Eingang zum Headquarter setzen wir repräsentativ an die Stirnseite des Hochhausturmes. Über eine Gebäudeauskragung wird dieser ganz beiläufig auch mit dem Straßenraum an der Glücksteinallee vernetzt. Der Eingang zum Co-working Bereich ist Richtung Süden zur Glücksteinallee gelegen. Die Zufahrt zur Anlieferung und Tiefgarage befindet sich an der untergeordneten Westseite.

Beide Foyerbereiche sind großzügig dimensioniert und bieten in Verbindung mit dem Innenhof eine einladende, attraktive Eingangssituation mit hoher Aufenthaltsqualität im gesamten Erdgeschoss und eine gute Kommunikation zwischen den Nutzungsbereichen.

Alle Office-Bereiche zeichnen sich durch eine hohe räumliche Flexibilität aus. Eine aktivierte
Mittelzone lässt eine Vielzahl agiler Arbeitsmöglichkeiten zu um flexible Arbeitswelten für
wechselnde Anforderungen zu bieten. Kommunikatives Arbeiten und Projektarbeit in Gruppen
findet in größeren Flächen statt. Unterschiedliche Rückzugsmöglichkeiten und
Besprechungsinseln bieten Raum für konzentriertes Arbeiten oder kurzfristig anberaumte
Zusammenkünfte. So werden ein dynamisches Arbeiten und Kommunikation gefördert und
Beziehungen gebaut. Besprechungsräume, Teeküchen und Cafeterias sind wichtige Räume für
Erholung und Austausch zwischen den Mitarbeitern. Sie liegen nach Innen zum Hof ausgerichtet
und stellen einen weiteren wichtigen Ort der Kommunikation dar.
Gab es definierte Vorgaben für die Büro-Standards?
Interessant für uns war die Tatsache, dass der voraussichtliche Nutzer klare Vorstellungen von dem Konstruktionsraster des Gebäudes mit in den Wettbewerb eingebracht hat, die wir berücksichtigt haben und der Auslober für die Wirtschaftlichkeit genaue Angaben zu den maximalen Kosten der Fassade angeben konnte.
Grundriss Erdgeschoss
Foyer
Welche Materialstrategie schlagen Sie vor?
Die vertikal proportionierten Fassaden formen den Baukörper. Sie sind tragend ausgebildet und stellen im Innenbereich eine hohe Flexibilität sicher.
Die zweigeschossige Ausbildung des tragenden Fassadenrasters gibt der Gebäudeform Leichtigkeit. Sie ist streng in der Form und stark in den fein ausgearbeiteten Details, aber filigran gegliedert und spiegelt das vorgegebene Raster des Innenausbaus wider.

Die Decken werden als Flachdecken ohne Unterzüge vorgesehen, um eine hohe Flexibilität in der technischen Gebäudeausstattung zu gewährleisten. Durch die klare Gliederung, einer großen Anzahl gleicher Bauteile und einen hohen Vorfertigungsanteil lässt der Entwurf eine maximale Wirtschaftlichkeit in der baulichen Umsetzung erwarten.

Auf durchgängig geschlossene Abhangdecken wurde bewusst verzichtet, um die Betondecken als
thermischen Klimapuffer zu nutzen und das kühlere Außenklima während der Nachtstunden zu
nutzen. So geraten die Decken zu ganz hervorragenden „Kältespeichern“ und tragen erfolgreich zur Raumkühlung bei. In der Kombination mit Kühldeckensegeln wird im Winter wie im Sommer im Raum immer das richtige Klima bereitgestellt.
Blick von Osten
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?
Unser immer wieder kehrendes Thema ist eine Architektur der Freiheit, die für jede Herausforderung den passenden Rahmen schafft. Multifunktional, flexibel, kreativ, nachhaltig.

Mit einer strengen feingliedrigen Gestaltung der Hochhausfassade geben wir dem Glückstein-Quartier einen angemessenen städtebaulicher Auftakt und setzen eine wahrnehmbare gestalterische Klammer über das Quartier hinweg, bis zum bestehenden Viktoria Turm.

Die Gebäudekerne lassen durch die rationale bauliche Struktur in Zukunft ohne weiteres auch andere flexible und kreative Aufteilungen zu. Dadurch haben wir eine nachhaltige Nutzungsdauer erzeugt und eine langlebige Immobilie erschaffen.

Mit der Kombination baukonstruktiver Maßnahmen – äußerer Sonnenschutz, hohe Dämmung sehr
gute Tagesbelichtung, kompaktes Volumen und zeitgemäße Gebäudetechnik - nehmen wir uns in diesem Entwurf konsequent der Themen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit an.
Detail
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?
Nun, wenn es nach uns geht, erscheint aus heutiger Perspektive Ende 2021/Anfang 2022 als seriöse Planungs- und Bauzeit. Wenn das so klappt – wunderbar.
Piktogramm Städtebau
Piktogramm Landmarke
Glücksteinquartier Baufeld 1 in Mannheim
Einladungswettbewerb

Auslober/Bauherr: Diringer & Scheidet (D&S), Mannheim; Stadt Mannheim, Mannheim
Betreuer: Bäumle Architekten | Stadtplaner, Darmstadt

1. Preis
Architekt: Lepel & Lepel Architektur Innnenarchitektur, Köln

3. Preis
Architekt: JSWD Architekten, Köln
Tragwerksplaner: Dr. Kreutz + Partner, Nürnberg, Oberschleißheim, Bamberg, Münnerstadt

4. Preis
Architekt: blocher partners architecture and experience design, Stuttgart, Mannheim, Ahmedabad

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