Qualitäten stärken

Architekturbüro Josef Prinz
12. Februar 2020
Modell (Foto: Architekturbüro Josef Prinz)

Das Architekturbüro Josef Prinz gewinnt den Wettbewerb um den Neubau des Betriebs- und Verwaltungsgebäude der TWS in Ravensburg. Josef Prinz stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.

Im Ravensburger Bahnhofsumfeld gelegen will die TWS Netz GmbH ihren bisherigen Betriebs- und Verwaltungsstandort erweitern. Welche Ausgangssituation haben Sie vorgefunden?

Zuerst natürlich das ebenfalls aus einem Wettbewerbsverfahren im Jahre 2006 hervorgegangene städtebaulich sehr präzise und gut gesetzte Bestandsgebäude der Kollegen Jauss+Gaupp aus Friedrichshafen. Und die städtebauliche Prägung des Umfeldes durch straßenraumbegleitende Blockstrukturen aus Additionen von verschiedenen, unterschiedlich großen, aber jedes für sich den Straßenraum stark prägende Einzelgebäuden, mit dem Übergang zu kleinteiligen teils denkmalgeschützten Strukturen. Und einen tragfähigen Bebauungsplan, der das Baufeld bereits klar definierte, und das wie sich erwies, richtig. 

Bestandsgebäude – Arch.: Jauss+Gaupp Freie Architekten (Foto: Architekturbüro Josef Prinz)
Was war Ihnen besonders wichtig im Umgang mit dem angrenzenden TWS-Bestandgebäude?

Respekt zum bereits Geschaffenen. Fortschreibung dessen und, wo erforderlich und möglich, Stärkung. Das neue Gebäude der Erweiterung soll sich zum Bestand selbstverständlich, zurückhaltend und unaufgeregt der Situation und der Nutzung angemessen präsentieren: in einer typologisch modifizierten Lochfassade, die behutsam gestaltprägend die vorgefundenen Strukturen und Körnungen des bestehenden Gebäudes der TWS aufnimmt und, ohne sich in den Vordergrund drängen zu wollen, fortführt und zu einem neuen Gesamten zusammenführt. Das neue Gebäude, zusätzlich gestützt durch die maßstäbliche Höhenentwicklung und die sensible Profilierung der Lisenen und Gesimse, situiert sich in der Reihe und vervollständigt die städtebauliche Situation. Die Abstufung auf drei Geschosse im Hauptbaukörper reagiert unmittelbar auf das denkmalgeschützte Nachbargebäude und trägt zu einer angemessenen Einfügung dessen bei. Weiter wird eine gute Überführung der Gebäudehöhen in die angrenzenden Bauteile der TWS im Lagerbereich und die nördlich angrenzenden Industriebereiche ermöglicht. 

Lageplan (Zeichnung: Architekturbüro Josef Prinz)
Wie organisieren Sie das Betriebs- und Verwaltungsgebäude?

Das Gebäudekonzept orientiert sich an den vorgegebenen und stimmigen Funktionsabläufen des bestehenden Gebäudes und den Zuordnungen innerhalb des neuen Verwaltungsgebäudes. Die einzelnen Bereiche können aufgrund der gewählten Gebäudetiefe und Achsmaße der Konstruktion sehr flexibel zwischen Großraumbüro, Kombibüro, beziehungsweise Business Clubs oder in Mischformen organisiert werden. Den angrenzenden Dachflächen zugeordnet ermöglichen angemessen dimensionierte Austritte den Aufenthalt im Freien während der Arbeitspausen. Die Cafeteria ist im sechsten Obergeschoss angeordnet, mit einer überdeckten Dachterrasse und einem schönen Ausblick für alle auf die Türme der Altstadt von Ravensburg. 

Das Gebäude lässt sich aufgrund der übersichtlichen Anordnung der dienenden Kerne und Erschließungen bei Bedarf gut in unterschiedliche Nutzungseinheiten aufteilen. 

Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: Architekturbüro Josef Prinz)
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?

Eine gelassene Fortführung der vorgefundenen Qualitäten mit der Zielsetzung, die Situation städtebaulich zu klären und abzuschließen und dem Ganzen weitere klar ablesbare architektonische und funktionale Qualitäten zuzuführen. 

Grundrisse 1. und 2. Obergeschoss (Zeichnungen: Architekturbüro Josef Prinz)
Ansichten und Schnittansicht (Zeichnungen: Architekturbüro Josef Prinz)
Gab es Vorgaben zu den Büro-Standards?

Beim Wettbewerbsverfahren war vorgegeben, sämtliche zeitgemäßen Büroorganisationsformen bezüglich ihrer Umsetzbarkeit zu überprüfen und ein möglichst flexibles Gebäudegrundsystem vorzuschlagen. 

Welche Materialstrategie schlagen Sie vor?

Die Zielsetzungen der behutsamen Integration zu einem Ganzen bei gleichzeitiger zurückhaltender Selbstdarstellung wird durch die vorgeschlagene Materialität und Farbgebung weiter gestützt: grau gelbliche Sichtbetonlisenen und Gesimse korrespondieren mit den Gesimsen und Gewänden des bestehenden Gebäudes, Die dunklen neuen Fassadenbauteile, die Fillings innerhalb des starken Gefüges, können dennoch den fortgeschriebenen Anforderungen des Bauherrn, wie z.B die Integration von PV Elementen, in flexibler Weise gerecht. 

Detail (Zeichnungen: Architekturbüro Josef Prinz)
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?

Der vorläufige Terminplan für die Planungs- und Ausführungsphase sieht nach heutigem Stand eine Fertigstellung der Baumaßnahme zum Jahresende 2022 vor. 

Modell (Foto: Architekturbüro Josef Prinz)
Neubau Betriebs- und Verwaltungsgebäude der TWS in Ravensburg
Nichtoffener Wettbewerb
 
Auslober/Bauherr: TWS Netz GmbH, Ravensburg
 
Jury
Prof. Jörg Aldinger, Vors. | Martin Bächle | Gabriele D´Inka | Nils Krause | Nicolas Werckshagen
 
1. Preis
Architekt : Architekturbüro Josef Prinz BDA, Ravensburg
 
2. Preis
Architekt: Hermann Kaufmann + Partner ZT GmbH, Schwarzach (AT)
Architekt: Querformat ZT GmbH, Dornbirn (AT)
 
3. Preis
Architekt: harris + kurrle architekten bda Partnerschaft mbB, Stuttgart
Tragwerksplaner: Engelsmann Peters Beratende Ingenieure, Stuttgart, Graz (AT)
 
4. Preis
Architekt: Lederer, Ragnarsdóttir, Oei, Stuttgart 

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