Landesgartenschau Fulda 2023

Natur und Urbanität

A24 Landschaft
29. August 2018
Aueweiher mit Seeuferplatz und Wassergarten (Bild: A24 Landschaft + Visuz Mario Zander)
A24 Landschaft mit yellow z urbanism architecture gewinnt den Wettbewerb um die Landesgartenschau Fulda 2023. Steffan Robel und Jan Grimmek stellen sich unseren Fragen zum Wettbewerb.
Zur Landesgartenschau Fulda 2023 sollen zur Ausstellung auch Ideen zur städtebaulichen Weiterentwicklung der Stadtkante zur Fuldaaue entwickelt werden. Welche Bedeutung hat der Wettbewerb für Fulda?
Die Landesgartenschau 2023 setzt die Landesgartenschau von 1994 in der Fulda-Aue fort. Das breite Tal der Flussauen bildet dabei wie schon 1994 das Rückgrat der innerstädtischen Freiraumvernetzung. Nachdem 1994 bereits die Innenstadt mit ihren historischen Gärten an die Aue angebunden wurde, werden mit der Gartenschau 2023 die peripheren Industrieareale an die Aue herangeführt sowie der neue Stadtteil Fulda-Galerie inmitten der Agrarlandschaft der umgebenden Hügel über die Fuldaauen mit der Innenstadt verknüpft. Dabei sollen die Qualitäten der Natur vor Ort erlebbar gemacht werden. Unser Entwurf sucht eine Ausgewogenheit zwischen dem Erhalt hochwertiger Landschaftsräume, der zurückhaltenden Weiterentwicklung bestehender, charakteristischer und besonderer Orte im Gelände und der Schaffung neuer, vielfältiger Aktivitäts- und Aufenthaltsangebote. Natur und Urbanität sollen sich hier für die Stadtgesellschaft zu einem neuen Parktyp verbinden.
Bestand
Wie gliedern Sie die Ausstellung?
Die temporären Interventionen beschränken sich auf die Bereiche der Industrieareale und auf die landwirtschaftlichen Flächen. Drei Rundwegesysteme bilden thematisch differenzierte Erlebnisrouten: Aue Loop, Industrie Loop und Agrar Loop.
Die Flächen der Dura-Werke bilden das Herzstück der Gartenschau. Die weitläufigen, befestigten Parkplätze und Lagerflächen können gut zum zentralen Veranstaltungsgelände mit Hauptbühne, Hauptgastronomie und Blumenhalle mit urbanen Gartenthemen temporär umfunktioniert werden. Der Turm könnte für die Zeit der Gartenschau zum markanten Aussichtsbauwerk mit weitem Blick bis in die Innenstadt werden.
Die bereits vorhandenen publikumswirksamen Attraktionen wie Feuerwehrmuseum, Umweltzentrum und Heimattiergarten werden in das Gartenschaugelände integriert. Das vorhandene Amphitheater wird als Nebenbühne genutzt.
Für die landwirtschaftlichen Themen mit nachwachsenden Rohstoffen und Anbaumethoden der Zukunft werden temporäre Felder in Anspruch genommen. Naturschutzthemen werden in der Fuldaaue konzentriert.
Konzept Gartenschau
Welche landschaftsarchitektonischen Themen war Ihnen für die Gartenschau besonders wichtig?
Die Fulda-Auen sind bereits jetzt in klar erkennbare Abschnitte gegliedert, mit unterschiedlichen Anknüpfungsbereichen an das Stadtgebiet: Domviertel und Schlosspark, Naturraum und Umweltbildung, Freizeit- und Vereinssport. Bei der Fortschreibung des Auengrünzugs mit neuen Freizeitnutzungen liegt der Fokus jetzt auf dem Thema Produktion: industrielle Produktion, landwirtschaftliche Produktion und Nahrungsmittelproduktion in der Stadt. Die charakteristische Abfolge an unterschiedlichen Atmosphären und Programmierungen drückt sich in der Vielfalt der Freiräume aus. Es entsteht ein starker Kontrast zwischen den naturnah geprägten Auenbereichen im Tal, den urbanen industriell geprägten Siedlungsrändern und den landwirtschaftlichen Flächen auf den Höhenrücken.
Agrarpark mit Wiesenband und Streuobsthain (Bild. A24 Landschaft + Visuz Mario Zander)
Wie organisieren Sie den vorgeschlagenen Agrarpark?
Die Agrarflächen, die sich bis weit in das Stadtgebiet hinein ziehen und wichtige Kaltluftschneisen ausbilden, sind charakteristisch für Fulda. Um die Innenstadt verteilen sich die einzelnen Stadtteile auf Hochpunkten inselartig inmitten der landwirtschaftlichen Produktionsflächen. Dementsprechend verlängert sich der zentrale Freiraumkorridor des Stadtteils Fulda-Galerie als stimmungsvolle Streuobstwiese und passt sich gut in das Landschaftsbild ein. Das lockere Baumraster verdichtet sich am Ende im komprimierten Obstbaumhain. Hier wird ein neuer Eingangsplatz mit Biergarten und Agrarspielplatz entstehen. Ein Wiesenband betont die Hauptwegeachse und schafft mit seinem unregelmäßigen Rhythmus aus variierenden Mahdstufen und Kräutereinsaaten einen subtilen Übergangsbereich zu den angrenzenden Feldfluren. Verstreut liegende Picknickdecks schaffen Aufenthaltsbereiche zwischen den Feldern.
Eine lange Panoramabrücke für Fußgänger und Radfahrer vernetzt die Stadtteile über die Zäsur der Sickelser Straße hinweg. Der Wiesenpark mit seiner langgezogenen, barrierearmen Wegeverbindung schafft die Anbindung bis in die Fuldaauen hinunter.
Isometrie Städtebaukonzept (Bild: A24 Landschaft + YellowZ)
Welche stadträumlichen Qualitäten werden die geplanten Hochbaumaßnahmen haben?
Westlich der Frankfurter Straße liegen wuchtige Gewerbe- und Industriebauten an der Aue und bilden dort willkürlich wirkende Rückseiten aus. An diesem sehr attraktiven, von Fulda, Grezzbach und Fulda-Kanal vielfältig durchzogenen Landschaftsraum bietet sich perspektivisch die Chance einer umfassenden Inwertsetzung durch eine räumlich-funktionale Neuordnung.
Wir schlagen vor, die Stadtkante im Bereich zwischen Parzeller-Verlag, Kugelfabrik und Fulda-Kanal als urbane Stadtkante zu arrondieren und die südlich gelegenen Grün- und Ausgleichflächen als Landschaftsfuge zu belassen. Vier Baublöcke nehmen die großmaßstäbliche städtebauliche Körnung der Umgebung auf, zwei etwas höhere Einzelbaukörper markieren die Antrittspunkte in das neue, gemischt genutzte Quartier. Richtung Süden löst sich der Blockrand in den Obergeschossen auf und ermöglicht gute Besonnung und Durchblicke in den Freiraum.
Konzept Daueranlage
Landesgartenschau Fulda 2023
Offener Ideen- und Realisierungswettbewerb

Auslober/Bauherr : Magistrat der Stadt Fulda, Fulda
Betreuer : arc.grün landschaftsarchitekten.stadtplaner.gmbh, Kitzingen

Jury
Klaus Bierbaum | Prof. Ulrike Böhm | Joachim Kaiser | Martina Levin | Thomas Zimmermann | Jürgen Werner

1. Preis
Landschaftsarchitekt : A24 Landschaft, Berlin
Architekt, Stadtplaner : yellow z urbanism architecture, Zürich (CH), Berlin

2. Preis
Landschaftsarchitekt: capattistaubach Landschaftsarchitekten, Berlin

ein 3. Preis
Landschaftsarchitekt: hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin
Architekt: mayerwittig Architekten und Stadtplaner GbR, Cottbus

ein 3. Preis
Landschaftsarchitekt: geskes.hack Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin

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