Half-Long Charles, Ludwigsburg

Leichtigkeit und Eleganz

 Peter Petz
24. Mai 2017
Blick in den Innenhof
Steimle Architekten gewinnen den Wettbewerb «Half-Long Charles, Ludwigsburg». Christine Steimle stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.​
In zentraler Lage sollen in Ludwigsburg Büros und Wohnungen errichtet werden. Welche Ausgangssituation haben Sie vorgefunden?
Das Plangebiet liegt am westlichen Rand der Innenstadt von Ludwigsburg in unmittelbarer Nähe zum Ludwigsburger Hauptbahnhof. Im Quartier finden sich noch eine ganze Reihe historischer Bauten der Gründerzeit. Diese prägen mit ihrer 2- bis 3-Geschossigkeit und zumeist mit Walm- oder Mansarddächern versehen, den Charakter und die Maßstäblichkeit des Quartiers.
Das Plangebiet zählt zur «Historischen Barockstadt» und die Gebäudehöhen sind nach heutigen Verhältnissen von überhohen Geschossen geprägt. Die Adresse des Grundstücks liegt an der Karlstraße und wird umringt von Gebäuden, die Wohnen, Einzelhandel, Büro- und Dienstleistungsnutzungen beherbergen und das seit Jahrzehnten als Parkplatz genutzt wird.
Die verwinkelte Fläche des Grundstücks liegt im wesentlichen im Blockinneren, schließt nördlich an die Karlstraße an und mündet südlich in einem wurmfortsatzähnlichen Anschluss an die Bahnhofstraße.
Das Wettbewerbsareal wird mit einer Abstandsbaulast aus dem angrenzenden Geschäftshauskomplex mit markantem Tonnendach belegt. Darüber hinaus ist eine Dienstbarkeit zur Überfahrt im Planungsareal zu gewährleisten. 
Bestand
Wie kamen Sie zu den Baukörpern?
Christine Steimle: Die drei Baukörper, die sich in die umliegende städtebauliche Körnung des Gebietes subtil einfügen schaffen eine Vernetzung zum historischen Ort. Mit der Polygonalität der Baukörper wird gezielt auf die vorhandenen Abstandsflächen des Grundstückes reagiert. Dadurch entstehen spannungsvolle Räume und Plätze als Auftaktzonen zu den Eingangsbereichen der Wohngebäude.
Die gewählte Position der klaren und kompakt geformten Gebäudevolumen lassen Blickbezüge entstehen, die mit wechselnden Perspektiven und Achsen eine Leichtigkeit und Eleganz entstehen lassen. 
Lageplan
Welcher Nutzungsmix und welche Standards sind vorgesehen?
Christine Steimle: Die Herausforderung bestand darin in gleicherweise eine hohe innerstädtische Dichte zu erzeugen und dennoch einen qualitätsvollen, gehoben Wohnstandart zu etablieren. Die Typologie und hier angebotene Struktur der Punkthäuser bietet ein hohe Flexibilität für den Investor, da unterschiedliche Wohnungsgrößen und Zuschnitte möglich sind. Die hier dargestellten Nutzerverteilungen mit den Appartements zur Stadt und den hochwertigen Wohnungen im Innenbereich sind in Analogie zur bestehenden Situation entwickelt. Die Kompaktheit der Baukörper und die Fassade sollen wirtschaftliche Baukosten zu einer hohen Qualität ermöglichen. 
Erdgeschoss
Schnitt
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?
Das hier neu entwickelte Quartier soll sich maßstäblich in den Städtebau einfügen, welcher von qualitativ hochwertiger Architektur unterstützt wird und der Stadt Ludwigsburg einen identitätsstiftenden Ort mit hohem Wohnwert bieten soll.
Das Erscheinungsbild der drei Häuser fügt sich respektvoll in sein städtisches Umfeld, die Fassade zur Stadt mit einer offenen Glasfuge im Erdgeschoss und reduzierter Strenge und Rhythmik in den oberen Geschossen. Im Quartiersinnenbereich wird die ablesbare Wohnnutzung durch eine locker gegliederte und offene Fassade zum Freiraumbereich artikuliert. Die Punkthäuser werden typologisch vom hochwertigen Freiraumbereich über großzügige Eingangsbereiche in das gut besonnte Wohnen erschlossen. 
Blick von der Karlstraße
Welche Materialstrategie schlagen Sie vor?
Historisch ist der Klinker ein Fassadenthema, das den Gesamtkontext der Ludwigsburger Stadt prägt. Das Material für die drei Punkthäuser bindet das Quartier zu einem Ensemble zusammen und lässt ein eigenes Gesicht entstehen. Hier soll Adressbildung und Identität stattfinden, welches dem Stadtteil des bahnhofsnahen Quartiers insgesamt eine Aufwertung bieten kann. Sichtbetonelemente fügen die Punkthäuser im Sockelbereich zusammen und finden sich in den markanten Balkonelementen wieder.
Die kleinteiligen Bodenbeläge im Außenbereich sollen zudem die Wohnqualität steigern.
Detail
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?
Der Fertigstellungstermin steht bis dato noch nicht fest.
Modell
Half-Long Charles, Ludwigsburg
Mehrfachbeauftragung

Auslober/Bauherr: Strenger Bauen und Wohnen GmbH, Ludwigsburg
Betreuer: Wick + Partner Architekten Stadtplaner, Stuttgart

Jury
Petra Zeese, Vors. | Prof. Stefanie Eberding | Prof. Johannes Kappler | Martin Kurt | Mathias Weißer | Karl Strenger | Dr. Lis Hannemann-Strenger | Michael Ilk

1. Preis
Architekt: Steimle Architekten GmbH, Stuttgart
Landschaftsarchitekt: Landschaftsarchitekturbüro Möhrle + Partner, Stuttgart

2. Preis
Architekt: blocher partners architecture and experience design, Stuttgart, Mannheim, Ahmedabad
Landschaftsarchitekt: Pfrommer + Roeder Freie Landschaftsarchitekten BDLA IFLA, Stuttgart

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