Haus als Collage

Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten
3. Juli 2019
Blick auf das Betriebsrestaurant mit Konferenzzentrum (Visualisierung: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)

Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten gewinnen den Wettbewerb um den Neubau Betriebsrestaurant mit Konferenzzentrum für das DLR in Oberpfaffenhofen. Stephan Birk stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.

Am Standort Oberpfaffenhofen beabsichtigt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Räumlichkeiten für Tagungen und Kongresse und ein Betriebsrestaurant zu errichten. Welche Ausgangssituation haben Sie vorgefunden?

Wir kennen den Standort der DLR in Oberpfaffenhofen bereits. 2010 konnten wir den Wettbewerb für das Robotik und Mechatronik Zentrum gewinnen und in der Folge den Neubau planen. Der 25 ha große Campus befindet sich im Umbruch. Eine Reihe von neuen Instituts- und Versuchsgebäuden sind in den letzten circa zehn Jahren entstanden. Manche von Ihnen ersetzen Altbauten, die den heutigen Anforderungen hinsichtlich technischer Ausstattung und Raumbedarf nicht mehr gerecht geworden sind. Das gilt auch für das bestehende Betriebsrestaurant, dass 1.800 Mitarbeiter sowie rund 30.000 Gäste pro Jahr zu verpflegen hat. Zudem fehlt es an Raum für Tagungen und Kongresse auf dem Campus. Das zur Verfügung stehende Grundstück hat, unter Beachtung des Masterplans, wenig Spielraum hinsichtlich des Städtebaus zugelassen gelassen. Wesentlich aus unserer Sicht war die Frage nach der Erschließung für Besucher des Restaurants, für Kongressteilnehmer sowie die Belieferung der Großküche. Um dem in der Wettbewerbsauslobung formulierten hohen Anspruch an die Architektur des Gebäudes gerecht zu werden, wollten wir Rückseiten unbedingt vermeiden. „Der Neubau zeigt sich nach allen Seiten hin in gleicher Anmutung“, urteilt die Jury. 

Schwarzplan (Zeichnung: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Wie organisieren Sie das Betriebsrestaurant und das Konferenzzentrum?

Während der Auseinandersetzung mit der Aufgabenstellung haben wir festgestellt, dass es eine etablierte, naheliegende Typologie für ein Betriebsrestaurant mit Konferenzzentrum nicht gibt. Wir haben daher zunächst ganz allgemein darüber nachgedacht und sind so zu dem Konzept gekommen: Essen – Konferieren – Vernetzen, darum geht es.

Die wesentlichen Funktionen haben wir versucht in einer Raumcollage auf der X-, Y-und Z-Achse zu arrangieren. Küche/ Speisenausgabe, der große Konferenzsaal sowie die Besprechungsräume sind als Bausteine mit variierender Raumhöhe auf unterschiedlichen Ebenen angeordnet. Zwischen den Bausteinen erfolgt die Vernetzung: Beim Essen, in Konferenzpausen, auf dem Weg zur Besprechung, an der Baristabar – horizontal und vertikal, über die Geschosse hinweg. Die Collage aus festen Bausteinen und fließendem Raum dazwischen eröffnet Freiräume auf verschiedenen Ebenen. Pausen- und Rückzugsbereiche mit frischer Luft; teilweise überdacht, teilweise offen mit weitem Blick über den Campus und auf das Alpenpanorama. 

Grundriss Erdgeschoss und Schnitt (Zeichnungen: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Gab es definierte Standards?

Es gab Vorgaben und Wünsche, die in der Auslobung formuliert waren: „Der Auslober wünscht sich mit dem Neubau einen starken Akzent mit großer Außenwirkung auf dem Campus. Betriebsrestaurant und Konferenzzentrum sollen als zentraler Anlaufpunkt und Zentrum in der neuen, lebendigen Campusmitte fungieren und sowohl für Mitarbeiter als auch für internationale Besucher den Standort zeitgemäß repräsentieren und eine prägnante, identitätsgebende Gestaltung aufweisen.“

Daraus lassen sich bauliche Standards für die stark frequentierten Bereich ableiten. Die Anforderungen der Haustechnik für Küchenbereich sowie Betriebsrestaurant auf der einen Seite und das Konferenzzentrum auf der anderen Seite liegen auf der Hand. 

Grundriss 1. Obereschoss (Zeichnung: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?

Ein Betriebsrestaurant, Räume für Tagungen und Konferenzen sind lebhafte Orte der Kommunikation und des Austausches. Wir wollten keinen statischen Entwurf, sondern Bewegung, fließende Räume, Vernetzung auf unterschiedlichen Ebenen sowie Blickbeziehungen von außen nach innen und andersherum. Der Raum zwischen den Funktionen soll nicht nur Verkehrsweg sein, sondern gestaltete Kommunikations- und Ausstellungsfläche mit unterschiedlichen Qualitäten. 

Ein differenziertes, nach allen Seiten gleichwertig ausstrahlendes Gebäude war uns ebenso wichtig. Die einzelnen Funktionsbausteine bleiben außen ablesbar. 

Innenraum (Visualisierung: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Welche Besonderheiten hinsichtlich Konstruktion und Material zeichnen Ihren Vorschlag aus?

Dem Entwurf liegt eine stringente geometrische Ordnung mit einem Raster von 1.35 m zugrunde. Hiervon profitieren die Stahlbetonskelettkonstruktion sowie der Ausbau und die Fassade. Wo auch immer es die Spannweiten zulassen, sollen konventionelle Flachdecken zum Einsatz kommen. Zur Gewichtreduktion werden wohl Hohlkörperdecken bei mittleren Spannweiten Berücksichtigung finden. Für den Konferenzsaal ist ausreichend statische Höhe vorhanden, um die erforderlichen Träger in Querrichtung anzuordnen. Der Trägerzwischenraum kann integral für die TGA-Elemente sowie für die Schallabsorption genutzt werden. Die Kerne sowie einzelne Querwände dienen der Aussteifung das Gebäude. 

Die formulierte Idee der Collage soll auch in der Fassade sowie im Ausbau erkennbar bleiben. Isolierverglasung (mit außenliegendem Sonnenschutz) - transparent oder transluzent - wechseln sich mit opaken Flächen ab. 

Details (Zeichnungen: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?

 Ich denke nein. Die Wettbewerbsentscheidung ist noch nicht allzu lange her. Das Projekt hat noch nicht begonnen. Als nächster Schritt steht das Verhandlungsgespräch gemäß Vergabeverordnung an. Wir hoffen den Zuschlag zu erhalten, um das Konzept dann planerisch mit den übrigen Projektbeteiligten weiter entwickeln zu können. Wir würden uns jedenfalls freuen, nach dem Robotik und Mechatronik Zentrum (Fertigstellung 2015) auf dem DLR-Campus ein weiteres Projekt zu planen.

Modell (Foto: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten)
Neubau Betriebsrestaurant mit Konferenzzentrum für das DLR in Oberpfaffenhofen
Nichtoffener Wettbewerb

Auslober/Bauherr: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Köln
Betreuer: Schober Architekten, Architektur + Stadtplanung, München 

Jury
Robert Hösle | Prof. Ulrike Lauber | Alfred Nieuwenhuizen | Christoph von Oefele | Prof. Jórunn Ragnarsdóttir | Matthias Vollmer | Prof. Ludwig Wappner | Dr. Ing. Monika Schill-Fendl

1. Preis
Architekt: Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten, Stuttgart 

2. Preis
Architekt: kadawittfeldarchitektur, Aachen, Berlin
 
3. Preis
Architekt: meck architekten gmbh, München 

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