Harmonische Integration

JSWD Architekten
18. Mai 2022
Modell (Foto: JSWD Architekten)
In der Innenstadt von Düsseldorf soll das ehemalige Innenministerium abgerissen und durch eine Neubebauung für die Landesregierung Nordrhein-Westfalen zur Unterbringung mehrerer Ministerien ersetzt werden. Worin lag die Herausforderung der Aufgabenstellung?

Die komplexe Aufgabe bestand darin, die Nutzungen der Landesregierung Nordrhein-Westfalen in den beiden Volumen nebst gemeinsamer Sockelzone unterzubringen, die das Ergebnis des vorangegangenen Wettbewerbs vorsah und gleichzeitig eine eigenständige Interpretation dieser skulpturalen Vorgabe des Städtebaus zu entwickeln. Darüber hinaus stellte sich die besondere Herausforderung, den ruhenden Verkehr so zu organisieren, dass diese Fläche bei einem zukünftigen Entfall der Parkplatznutzung einer anderen Nutzung zugeführt werden kann. Dabei sollte der Freiraum der nördlich angrenzenden „Haroldbucht“ nicht eingeschränkt werden. Nicht zuletzt galt es, die Aspekte des nachhaltigen Bauens zu berücksichtigen und eine „Klimaneutrale Landesverwaltung“ zu entwerfen.

Bestand Haroldstraße (Foto: JSWD Architekten)
Wie kamen Sie zum Baukörper?

Das Konzept orientiert sich konsequent an dem Ergebnis des bereits feststehenden städtebaulichen Konzeptes. Eine leichte Torsion des Hochhauses nach Norden und umgekehrt des Atriumhauses nach Süden erzeugt eine leichte vertikale Staffelung. Dadurch treten die beiden Baukörper in einen interessanten Dialog und erzeugen spannende Blickbeziehungen aus dem umliegenden Stadtraum. Der ruhende Verkehr wird in einer künstlichen Topographie, den sogenannten „Haroldterrassen“, untergebracht. Diese Terrassen sind begrünt, fließen harmonisch in den nördlich gelegenen Freiraum und bieten Raum für zahlreiche Veranstaltungsformate.  Dadurch wird das südliche Ende des Düsseldorfer Freiraumkonzeptes „blau grüner Ring“, um eine besondere Attraktion bereichert. Konferenzflächen und Gastronomie haben wir in der gemeinsamen Sockelzone oberhalb der Terrassen angeordnet, sodass sich aus dieser erhöhten Lage attraktive Blicke in den Stadtraum und in die Haroldbucht eröffnen. Im Norden wird der begrünte Freiraum der Haroldterrassen über die weiche Staffelung der Baumasse bis in die oberen Ebenen der Büronutzung fortgeführt.

Schwarzplan – Vervollständigung des blaugrünen Rings (Zeichnung: JSWD Architekten)
Lageplan (Zeichnung: JSWD Architekten)
Wie organisieren Sie das Gebäude?

Das Hochhaus (107m) betritt man über den westlich gelegenen Haupteingang. Von hier erreicht man unmittelbar die Aufzugsgruppe, die untere Ebene der Bibliothek sowie die Konferenzebene. Der Atriumbau (40,5 m) wird von der östlichen Seite durch einen separaten Eingang erschlossen. Die von den Nutzern gemeinsam genutzten Bereiche wie Mitarbeiterrestaurant und öffentlich zugängliche Gastronomie, Konferenzzone, Bibliothek et cetera befinden sich in der verbindenden Sockelebene oberhalb der Stellplätze.

Grundriss 1. Obergeschoss (Zeichnung: JSWD Architekten)
Schnitt (Zeichnung: JSWD Architekten)
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?

Grundsätzlich wollten wir uns in der Grundhaltung am Ergebnis des vorangegangenen städtebaulichen Wettbewerbs orientieren und dieses weiterentwickeln. Die harmonische Integration der gemeinsamen Sockelebene in die Haroldbucht war uns ein besonderes Anliegen. Durch die Terrassierung zur Haroldbucht entsteht eine Art „Naturtribüne“, die verschiedene Veranstaltungsformate ermöglicht. Weiterhin war uns wichtig, keine Rückseiten zu erzeugen. Durch die Anhebung der Konferenz- und Gastro-Ebene auf das Niveau der Brückenzufahrt, wird die durch die Verkehrsanlagen benachteiligte Südseite zur sichtbaren Adresse des Ensembles für alle vorbeifahrenden Autofahrer. Nicht zuletzt definiert sich die architektonische Gestaltung aus der Staffelung der Baukörper sowie durch die vertikale Lamellenstruktur, welche die beiden Baukörper umgibt.

Detail (Zeichnung: JSWD Architekten)
Welche Besonderheiten hinsichtlich Konstruktion und Material zeichnen Ihren Vorschlag aus?

Der BLB NRW als Bauherr ist sich seiner Verantwortung für künftige Generationen bewusst und räumt den Aspekten des Klimaschutzes, des nachhaltigen Bauens und der Barrierefreiheit einen besonderen Stellenwert ein. Dementsprechend lag einer unserer Schwerpunkte auf den Prinzipien des energieoptimierten und nachhaltigen Bauens. So ist die Grundkonstruktion in Teilen als Holz-Betonverbundkonstruktion vorgesehen. Für den konstruktiven Sockel soll Recyclingbeton eingesetzt werden. Gestalterisch wirksam sind die auf den auskragenden Deckenrändern im Bereich Süd und West angeordneten Photovoltaik-Module. Die opaken Elemente der Fassade sind als Holzpaneele vorgesehen. 

Modell (Foto: JSWD Architekten)
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?

Nein. Jetzt geht es erst mal an die Planung.

Neubauprojekt H5 für die Landesregierung Nordrhein-Westfalen am Standort Haroldstraße 5 in Düsseldorf 
Nicht offener Wettbewerb 2021
 
Auslobung: Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW, Niederlassung Düsseldorf
Betreuung: Schopmeyer Architekten, Münster
Projektseite: Neubauprojekt am Standort Haroldstraße 5 in Düsseldorf (nrw.de)
 
Jury
Heiner Farwick, Architekt BDA, Ahaus, Vors. | Martin Behet, Architekt BDA, Münster | Prof. Dörte Gatermann, Architektin BDA, Köln | Elke Kolfen, Niederlassungsleiterin BLB NRW Düsseldorf + Architektin, Düsseldorf | Jürgen Minkus, Architekt BDA, Köln | Prof. Jórunn Ragnarsdóttir, Architektin BDA, Stuttgart | Prof. Christa Reicher, Architektin BDA, Aachen | Holger Rübsamen, Architekt BDA, Bochum | Gabriele Willems, Geschäftsführerin BLB NRW + Architektin, Düsseldorf | Michael Zimmermann, Architekt BDA, Köln | Cornelia Zuschke, Beigeordnete Planen, Bauen, Mobilität und Grundstückswirtschaft LHD + Architektin | Dr. Patrick Opdenhövel, Staatssekretär im Ministerium der Finanzen des Landes NRW, Düsseldorf | Jörg Hansen, Ministerialdirigent im Ministerium der Finanzen des Landes NRW, Düsseldorf | Dr. Alexander Fils, Vorsitzender Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung LH Düsseldorf | Norbert Czerwinski, Stv. Vorsitzender Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung LH Düsseldorf | Marko Siegesmund, Vertreter im Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf | Dietrich Suhlrie, Mitglied des Vorstandes der NRW.BANK, Düsseldorf | Katharina Brieden, Leiterin Porfoliomanagement BLB NRW Düsseldorf | Thomas Lennertz, Ministerialdirigent Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichst. NRW, Düsseldorf | Kai Fischer, Referent für Stadtplanung LH Düsseldorf
 
1. Preis
JSWD Architekten, Köln
Konstantin Jaspert, Frederik Jaspert
GINA Barcelona Architects, Barcelona
Jaime Batlle, Diana Carbonell, Davide Lorenzato
 
2. Preis
Pink Architektur GmbH & Co. KG, Düsseldorf
Thomas Pink
 
3. Preis
HPP Architekten GmbH, Düsseldorf
Gerhard G. Feldmeyer

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