Neugestaltung „Flankierende Plätze“ in Bitburg

Gefasst, strukturiert und integriert

GREENBOX Landschaftsarchitekten
5. Dezember 2018
„Am Markt“ – Blick nach Norden
Das Büro GREENBOX Landschaftsarchitekten gewinnt den Wettbewerb um die Neugestaltung „Flankierende Plätze“ in Bitburg. Hubertus Schäfer stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.
In Bitburg sollen die flankierenden Plätze „Am Markt“ und „Grüner See“ neu gestaltet und verkehrlich reogranisiert werden. Welche Bedeutung hat der Wettbewerb für die Stadt Bitburg?
Um die Bedeutung der beiden Plätze zu erfassen, muss man sich zunächst die gewachsene Struktur der gesamten Altstadt Bitburgs bewusst machen. Die Altstadt hat eine charakteristische städtebauliche Figur, die auf dem römischen Kastell und seiner mittelalterlichen Erweiterung basiert. Die historischen Strukturen sind in weiten Teilen trotz städtebaulicher Überformungen noch erkennbar. Die Ringstraße folgt in etwa dem Verlauf der in Abschnitten noch erhaltenen Stadtmauern. Die beiden Plätze „Am Markt“ und „Grüner See“ werden heute trotz ihrer prominenten Lage der Funktion als Stadteingänge, repräsentative urbane Plätze und qualitätsvolle Aufenthaltsorte nicht gerecht. Durch die Neugestaltung in Verbindung mit einer angemessenen Reduzierung von Stellplätzen sollen die beiden funktional und räumlich fragmentierten Platzsituationen gefasst, neu strukturiert und in den gesamtstädtischen Kontext integriert werden.
Übersichtsplan
Welches sind die Kerngedanken Ihres Entwurfs?
Die Grundidee des Entwurfes ist die Transformation der heute fast ausschließlich von PKWs dominierten Plätze in eine großzügige und vielfach bespielbare Abfolge von Freiräumen in der Innenstadt. Eine durchgehende Gestaltung schafft Zusammenhalt, die Stadteingänge werden betont. Eine auf die bestehenden Materialien abgestimmte Familie von Bodenbelägen, Stadtmobiliar und Beleuchtung unterstreicht den Zusammenhang der verschiedenen Teilräume und schafft im Zusammenspiel mit den aktuellen Planungen im Stadtzentrum eine gestalterische Einheit in der Innenstadt.
Funktionen
Wegeverbindungen und Einfallstore
Grüne Klammer
Wie wollen Sie die beiden flankierenden Plätze neu gestalten?
Die Fläche „Am Markt“ wird freiräumlich dem benachbarten Konrad-Adenauer-Platz zugerechnet. Während der Konrad-Adenauer-Platz parkartig gestaltet ist und vor allem Funktionen wie Aufenthalt und Kinderspiel aufnimmt, ergänzt die Fläche „Am Markt“ diesen Bereich durch die Funktionen Erinnerung und Dokumentation. Der Markt bietet mit seinem lichten Baumhain eine urbane und grün geprägte Freiraumqualität. Der bestehende Pavillon der „Fahrradfreunde“ wird als lebendiger Nutzungsbaustein ebenso in die Gestaltung des Platzes integriert wie das geplante Denkmal. Die Bestandsbäume bleiben weitestgehend erhalten und werden durch Neupflanzungen ergänzt. Durch eine großzügige Natursteinbank wird der ehemalige Verlauf der – hier mittelalterlichen - Stadtmauer nachgezeichnet. Sie wird, analog zu der beleuchteten Stadtmauer am „Grünen See“, durch ein lineares Leuchtelement in Szene gesetzt.
„Am Markt“
„Grüner See“ – Die offene Platzfläche verleiht der Befestigungsanlage Raumwirkung. Das Wasserspiel auf der als „Gelenk“ fungierenden Platzfläche unterstützt den repräsentativen Charakter, lädt zum Spielen ein und weist auf die historische – und in der Ortsbezeichnung noch enthaltene – Funktion als Wassergraben hin. Bänke bieten Aufenthaltsmöglichkeiten und rahmen den Platz, der ansonsten frei von Möblierung bleibt. Die notwendige Multifunktionalität bleibt somit erhalten. Eine reduzierte Anzahl an Stellplätzen wird am Rande des Platzes angeboten. Die Außengastronomie des ansässigen Lokals kann sich weiter zum Platz hin öffnen und diesen im südlichen Teil bespielen.
„Grüner See“
„Grüner See“ – Blick nach Osten
Welche übergreifenden Qualitäten waren Ihnen besonders wichtig?
Die beiden Plätze reihen sich in eine Abfolge von öffentlichen Räumen ein, die die Altstadt flankieren. Die bestehenden Grünstrukturen entlang des Stadtrings werden in unserem Konzept durch die Neupflanzungen von Bäumen zu einer „Grünen Klammer“ ergänzt, um die „steinerne“ Kontur der Altstadt zu schärfen. Durch eine einheitliche Pflasterung werden die Plätze miteinander verknüpft. Im Bereich der wesentlichen Eingänge in die Stadt werden Fußgängerfurten über die Ringstraße im gleichen charakteristischen Pflaster vorgeschlagen. Die Querungen binden die Stadträume östlich der Ringstraße an, wie z.B. die Stadthalle und das Brauereigelände.

Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?
Wir sind optimistisch, dass es mit der Umsetzung des Projektes zeitnah losgehen soll. Wir starten gerade mit der weiteren Planung, die Umsetzung für den Markt ist für 2019 geplant, der „Grüne See“ soll dann in 2020 gebaut werden.
Neugestaltung „Flankierende Plätze“ in Bitburg
Offener Ideen- und Realisierungswettbewerb

Auslober/Bauherr: Stadt Bitburg, Bitburg
Betreuer: Hille Architekten BDA, Ingelheim, Mainz, Arnsberg

Jury
Prof. Jürgen Bredow, Vors. | Gregor Bäumle | Torsten Becker | Maik Böhmer | Rebekka Junge | Joachim Kandels | Marieluise Niewodniczanska | Margret Berger | Jürgen Weiler

1. Preis
Landschaftsarchitekt: GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln, Düsseldorf, Stuttgart

2. Preis
Landschaftsarchitekt: STUDIO RW | Landschaftsarchitektur, Berlin

3. Preis
Landschaftsarchitekt: Stötzer Landschaftsarchitekten, Freiburg im Breisgau

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